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Wandel
Frankfurt rechnet mit Banker-Ansturm ab 2017

Skyline von Frankfurt: Experten rechnen mit 10'000 zusätzlichen Jobs. Keystone

Wegzüge aus London werden rund 10'000 neue Jobs in Frankfurt entstehen lassen, sagen Branchenexperten. Sie erwarten, das Geldhäuser ihr Geschäft in erheblichem Umfang in die Stadt am Main verlegen.

Veröffentlicht am 17.10.2016

Experten am Finanzplatz Frankfurt erwarten, dass sich wegen des Brexit-Votums im kommenden Jahr verstärkt Banker aus London am Main niederlassen werden. Einige kleinere Umzüge könne es bereits in den nächsten Monaten geben, der Grossteil der Banken werde Geschäfte aber erst später an andere Orte verlagern, sagte Hubertus Väth, der Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, am Montag am Rande einer Brexit-Konferenz in London. «Grosse Bewegungen wird es ab dem zweiten Halbjahr 2017 geben.»

Frankfurt Main Finance ist das Sprachrohr des grössten deutschen Finanzplatzes. Väth rechnet damit, dass wegen der Brexit-Entscheidung in den kommenden fünf Jahren rund 10’000 zusätzliche Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen. Er wisse von den Plänen mehrerer Banken, im nächsten Jahr Geschäft nach Deutschland zu verlagern, sagte Väth.

Eigene Gesellschaft in der EU wird nötig

«Wir haben sehr, sehr starke Indikationen, dass Dinge verschoben werden, allerdings nicht alles.» Bei vielen Banken seien derzeit Teams dabei, sich mit allen Aspekten eines Umzugs zu beschäftigen. Auch ein auf die Finanzbranche spezialisierter Anwalt sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er rechne ab 2017 mit einer steigenden Zahl von Umzügen nach Frankfurt.

Wenn Grossbritannien nach einem Brexit den Zugang zum EU-Binnenmarkt verliert, brauchen Banken eine eigene Gesellschaft in der EU, um ihre Produkte in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen. Gerade amerikanische und asiatische Finanzkonzerne, die ihre Europa-Zentrale bisher in London haben, müssen sich aus Sicht von Experten deshalb Gedanken über die Gründung oder den Ausbau einer Niederlassung in einem anderen EU-Staat machen.

Dublin, Amsterdam und Paris

Beim Werben um Banker aus London steht Frankfurt unter anderem im Wettbewerb mit Dublin, Amsterdam und Paris. Bei global tätigen Finanzinstituten, mit denen er gesprochen habe, werde die Entscheidung zwischen der französischen Hauptstadt und Frankfurt fallen, sagte Arnaud de Bresson, der Chef der Pariser Finanzmarktlobby, auf der Brexit-Konferenz.

Um attraktiver für Geldhäuser aus London zu werden, wolle Paris die Steuern für ausländische Banker reduzieren. Andere Experten glauben, dass auch aussereuropäische Städte wie New York, Singapur und Hongkong vom Brexit profitieren werden.

(reuters/me)

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