Der französische Stromkonzern EDF stellt vorerst keinen Antrag auf eine Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass. Der Verwaltungsrat des Energieriesen machte am Donnerstag allerdings grundsätzlich den Weg für einen solchen Antrag frei.

Das meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf informierte Kreise. Fessenheim liegt 40 Kilometer nördlich von Basel im Rheintal an der Grenze zu Deutschland.

Wahlversprechen gebrochen

Der EDF-Verwaltungsrat beschloss demnach, dass der Antrag «in den sechs Monaten» vor der Inbetriebnahme eines neuen Atomreaktors im nordfranzösischen Flamanville eingereicht werden müsse. Nach jahrelangen Verzögerungen soll der Reaktor in Flamanville nach derzeitigem Stand erst 2019 ans Netz gehen.

Damit könnte die Abschaltung nicht mehr vor Ende der Amtszeit von Präsident François Hollande im Mai geregelt werden. Eine offizielle Bestätigung von EDF stand zunächst aus. Die Schliessung des Atomkraftwerks war ein Wahlversprechen Hollandes gewesen.

«Wichtige Chance vertan»

Deutschland fordert wegen Sicherheitsbedenken schon länger die Schliessung von Fessenheim und bezeichnete die Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats als «grosse Enttäuschung». «Damit wurde eine wichtige Chance vertan», teilte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter mit. «Die Hängepartie geht also weiter.»

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Die französische Umweltministerin Ségolène Royal betonte aber, dass mit dem Beschluss festgehalten werde, dass die Schliessung «unumkehrbar und unvermeidbar» sei.

Fessenheim - seit 1977 in Betrieb - ist das älteste noch laufende französische Atomkraftwerk.

(sda/gku/mbü)