Die Sorgen über eine mögliche Abstufung durch die Ratingagentur Moody's und die Gefahren einer Griechenland-Pleite ziehen die Kurse der französischen Grossbanken erneut massiv nach unten. Gegen 12.30 Uhr standen Société Générale bei - 9,37 Prozent,  Credit Agricole bei - 8,9 Prozent und BNP Paribas gar bei - 13 Prozent.

Selbst die Beruhigungsversuche der Société Générale am Morgen änderten nichts daran. Bankchef Frederic Oudea beteuerte einmal mehr, dass sein Haus solide aufgestellt und das Engagement in den hoch verschuldeten Staaten der Eurozone gering sei. Zudem will er mit einem Stellenabbau und dem Verkauf von Sparten die Gewinne und die Kapitalbasis absichern.

Die Papiere der Grossbanken gehörten in den vergangenen Wochen ohnehin zu den grössten Verlierern am Aktienmarkt. So sank der Marktwert der drei Grossbanken seit Mitte Juli um rund 55 Prozent auf 55 Milliarden Euro. Selbst BNP Paribas, die lange Zeit als eine Gewinnerin der Finanzkrise 2008 galt, büsste rund 50 Prozent auf nur noch etwas mehr als 30 Milliarden Euro ein.

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Der Kurs der Credit Agricole sank seit Mitte Juli um 55 Prozent, derjenige der Societe Generale gar um knapp 65 Prozent. Allesamt kosten die Papiere so wenig wie zuletzt Ende 2008 oder Anfang 2009, als die Kurse infolge der Lehman-Pleite eingebrochen waren. Das Papier der Société Générale kostete war Morgen so wenig wert wie seit 1992 nicht mehr.

Société Générale: 4 Milliarden durch Spartenverkäufe erhofft

Neben den Problemen in Griechenland kommt bei der Société Générale eine traditionell hohe Abhängigkeit vom Investmentbanking dazu. Wie die meisten Konkurrenten leiden die Franzosen hier unter dem schwachen Geschäft infolge der Schuldenkrise. Oudea hatte deshalb bereits im Sommer das ohnehin als ehrgeizig geltende Ziel eines Gewinns von sechs Milliarden Euro im kommenden Jahr in Frage gestellt.

Gerade im Investmentbanking zieht er jetzt die Reissleine. Dort soll die Zahl der Stellen um fünf Prozent gesenkt und das Risiko reduziert werden. Das minimiert zwar die Kosten, senkt aber auch die Ertragschancen in den kommenden Jahren. Er kündigte zudem an, dass die Bank durch den Verkauf von Sparten Kapital von bis zu 4 Milliarden Euro freisetzen will.

Damit will er offenbar Spekulationen über einen baldigen neuen Kapitalbedarf vorbeugen. Details dazu nannte er noch nicht, deutete aber an, dass sich die Bank vor allem aus Teilen der Vermögensverwaltung sowie dem Geschäft in den USA zurückziehen will. Er betonte zudem erneut, dass Griechenland für die Bank kein Problem sei. Aktuell habe die Bank 4,3 Milliarden Euro in Papieren von Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien investiert.

Staatliche Stützmassnahmen? Kein Thema

Die Regierung wies Spekulationen über möglicherweise bald anstehende staatliche Stützmassnahmen zurück. Eine von den nationalen Medien als Option ins Spiel gebrachte teilweise Verstaatlichung der Geldinstitute sei kein Thema, sagte Industrieminister Eric Besson. So eine These anzusprechen, erscheine ihm völlig verfrüht und am Ziel vorbeigeschossen, erklärte er dem TV-Sender BFM. Die französischen Banken seien krisenfest und hätten eine gesunde Finanzbasis.

Nach Einschätzung der französischen Notenbank können die Banken selbst sehr schwerwiegende Probleme Griechenlands verkraften. «Wie auch immer das griechische Szenario aussehen sollte, welche Massnahmen auch immer ergriffen werden müssten, Frankreichs Banken haben Mittel um dies zu bewältigen», heisst es in einer Mitteilung der Notenbank. Es gebe keinen Grund zur Sorge wegen Liquiditätsengpässen oder Solvenzproblemen.

(tno/vst/awp)