PARIS. Soldes, soldes, soldes: Kaum ein Schaufenster in Paris, in dem das magische Wort derzeit nicht zu sehen ist, ob in Warenhäusern oder kleinen Boutiquen. Mal steht es auf Zetteln, mal ist es direkt in riesigen Lettern auf die Fensterscheiben geschrieben. Willkommen zum Ausverkauf.

Was die Herzen von Shopping-Fans und Schnäppchenjägern höher schlagen lässt, ist vielen ausländischen Touristen in der französischen Hauptstadt eher egal. Sie denken an den Eiffelturm, an die Mona Lisa, Notre Dame oder Sacré-Coeur. Es sind die Sehenswürdigkeiten, die für 86% der Touristen der Hauptgrund sind, die Metropole an der Seine zu besuchen. Chanel, Hermès und die Galeries Lafayette sind weniger wichtig. Shopping steht bei nur 60% der Besucher ganz oben auf der Liste.

Aktion zum Ausverkauf

Doch das soll sich jetzt ändern. Mit einer gross angelegten Aktion zum Winterausverkauf will Paris den Rivalen London, New York und Dubai den Rang als Einkaufsziel streitig machen, um im eher flauen Reisemonat Januar mehr Besucher anzulocken. 2000 Geschäfte, vom grossen Warenhaus über edle Luxus-Boutiquen bis hin zu kleinen Designer-Läden sowie 350 Hotels, Restaurants und Transportunternehmen, haben sich dafür zusammengeschlossen. Fremdenverkehrsamt sowie Industrie- und Handelskammer haben die Leitung übernommen. Unter dem Motto «Soldes by Paris» werden vor allem ausländische Gäste umworben.

Anzeige

Shopping-Berater für Touristen

In weissen Zelten, sogenannten «Sales Information Points» in verschiedenen Vierteln, geben ihnen Shopping-Berater in weissen Winterjacken Tipps für ihren Einkaufsbummel. Da gibt es den Rundgang für Luxusfans, der zu den Boutiquen der edlen Rue du Faubourg Saint-Honoré und von Saint-Germain-des-Prés führt. Da gibt es aber auch den Rundgang «trendy» zu den angesagtesten Läden und Clubs an der Seine. Zudem haben die Experten eine Tour für verliebte Romantik-Fans, für kreative Alternative oder einen Spaziergang für Neugierige beschrieben, die abseits der ausgetretenen Pfade neue Läden entdecken möchten. Auf der mehrsprachigen Internetseite und in einem speziellen Katalog finden sich für die Routen neben den besten Einkaufsmöglichkeiten auch Tipps für Restaurants, Bars, Galerien, Schönheitssalons und vieles mehr.Die Idee für die Aktion «Soldes by Paris» sei durch einen Vergleich mit dem Ausverkauf in der britischen Hauptstadt entstanden, der über die Landesgrenzen hinaus eine starke Anziehungskraft habe, erklärt der stellvertretende Chef der Pariser Industrie- und Handelskammer, Alain Barilleau. Dabei fiel auf, dass die grösste französische Stadt ihr Potenzial nicht ausschöpft. «Paris ist die Wiege der grossen internationalen Marken und hat die höchste Konzentration an Geschäften in der Welt», sagt der Leiter des Pariser Office du tourisme, Paul Roll. «Deshalb kann es auch Anspruch darauf erheben, eine Hauptstadt des Shoppings zu sein.» Doch bisher habe Paris diesen Trumpf zu wenig ausgespielt, beklagt Roll. «Die Fremdenverkehrsämter von London und New York stellen auf ihren Internetseiten ihre Warenhäuser und Geschäfte in den Vordergrund. Das haben wir bisher zu wenig gemacht.» Es gebe da durchaus einen kulturellen Unterschied.Die Pariser Veranstalter haben zunächst vor allem Gäste aus dem benachbarten Ausland im Visier. Mittelfristig wollen sie so aber auch ihre Reputation als Einkaufsdestination bei zahlungskräftigen Kunden aus Wachstumsmärkten wie Russland, Indien und China verbessern.Bereits jetzt gehört Paris für chinesische Touristen zum Pflichtprogramm bei einer Europa-Tour. Die Reisenden aus dem Reich der Mitte kaufen im Warenhaus Le Printemps am Boulevard Haussmann jährlich für 9 bis 10 Mio Euro ein. Pro Kopf gäben sie im Schnitt 700 Euro dort aus, erklärt Direktor Didier Lalance.