Für Franzosen müssen Kleider chic sein - und jede Saison ein wenig anders aussehen. Dieser Devise folgen - im übertragenen Sinne - auch Galliens Automobildesigner. Die Karosserie des neuen Renault Mégane ist bestes Beispiel dafür. Allerdings wurden für die 3. Generation der Mégane-Baureihe verschiedene modische Details nicht ganz freiwillig geändert, denn mit dem Vorgänger wurde, was gewisse Extravaganzen in Sachen Design betrifft, deutlich übers Ziel hinaus geschossen. Zu heftigen Kontroversen Anlass gab bei den Mégane-Modellen der 2. Generation beispielsweise das sehr ausgefallen geformte Heck. Es fällt im oberen Teil steil ab, in der unteren Partie jedoch zeigt es wie ein Schrägheck nach hinten.

Dieses Design entlockt auch heute noch den Betrachtern zwar ein Aha und meist auch die Bemerkung «Die Franzosen haben Mut». Doch im rauen Verkaufsalltag waren bisher längst nicht so viele Kunden wie erhofft von den Extravaganzen überzeugt. Ihr Kommentar lautete, in Anlehnung an die hochgehaltene französische Kunstform des Comics, nicht selten: «Die spinnen, die Gallier.»

Das Design ist keine Spielwiese

Der Durchschnittskunde wünscht zwar ein gefälliges Auto, aber zu stark auffallen - respektive gar aus dem Rahmen fallen - möchte er denn doch nicht. Renaults Designer haben diesem Wunsch mit der neuen Mégane-Reihe Rechnung getragen. Wenigstens teilweise. Sie mögen bei ihrer Arbeit auch an Bemerkungen ihres obersten Chefs Carlos Ghosn gedacht haben, der schon früher zum Besten gab: «Unsere Designer müssen verstehen, dass ihr Arbeitsfeld keine Spielwiese ist.» Diese mahnenden Worte waren schon deshalb angebracht, weil der Mégane in den letzten Jahren Boden gegenüber dem deutschen Erzrivalen VW Golf verloren hatte. Noch in den Jahren 2004 und 2005 konnte der Mégane in Europa den Golf von der Position des Spitzenreiters in der Kompaktklasse verdrängen. Doch das war einmal.

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Weiteres Ungemach hatte sich zudem vor einigen Wochen angekündigt, weil im gegenwärtigen schwierigen Umfeld auch Renault gezwungen ist, Produktionskürzungen anzuordnen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände muss der Neue zwingend als Volumenmodell an den Erfolg früherer Jahre anknüpfen, nicht zuletzt, weil 30% der gesamten Produktion auf das C-Segment (Kompaktklasse) entfallen.

Ein Franzose bleibt ein Franzose

Für die Franzosen ist diese Klasse von besonderem Belang, denn in Zeiten von Wirtschaftskrisen blickt jene Kundschaft, die sich nicht allein mit einem Kleinwagen zufrieden geben kann oder will, verstärkt auf das Angebot in der Kompaktklasse.

Trotzdem hatten die Renault-Verantwortlichen den Mut, ihr neues Modell nicht einfach dem viel zitierten Mainstream anzupassen. Das Karosseriedesign weist durchaus etwas von französischem Esprit auf, der die Fahrzeuge vom Rest der Konkurrenz abhebt. Wohl haben die Designer das Heck weniger augenfällig gestaltet als beim Vorgänger, doch ein Blickfang ist der Mégane, als Fünftürer mit Heckklappe (Berline) wie auch als Coupé mit Heckklappe, allemal. Besonders für die Leuchten wurde viel Detailarbeit aufgewendet. Dass da ein Renault daherkommt, ist an der Front deutlich zu erkennen. Bereits dem für die Familie bestimmten Fünftürer hat Renault auffällig lang gezogene, bis auf die Höhe der Radkästen reichende Scheinwerfergehäuse verpasst. Der Kühlergrill hingegen wurde unauffälliger als auch schon in die Front integriert. Die Motorhaube wiederum ist stark konturiert und leicht erhöht angesetzt, um dem Fussgängerschutz zu genügen, was dem allgemeinen Erscheinungsbild eine - wie man so schön zu sagen pflegt - dynamische Note verleiht.

Coupé - eine scharfe Sache

Was die Dynamik betrifft, hat Renault für das Coupé noch eine gehörige Portion draufgelegt. Der Zweitürer mit Heckklappe kommt ausgesprochen geduckt daher, so, als setze er jeden Moment zum Sprung an. Dieser Eindruck entsteht im Wesentlichen dadurch, weil das Coupé um 48 mm niedriger gebaut ist als die Berline-Version. Die Front wird zudem besonders betont, weil die seitlichen Enden des Kühlergrills mit einer aluminiumfarbenen Umrahmung versehen sind.

Das neue Renault-Coupé stösst mit seinem recht aggressiv wirkenden Erscheinungsbild in ein Segment vor, das kürzlich mit dem VW Scirocco neuen Schub bekommen hat. In beiden Fällen handelt es sich nicht um reine Sportwagen, sondern vielmehr um Fahrzeuge, die sich von den üblichen GT-Versionen vor allem durch das Design augenfällig absetzen.