Der Buch- und Multimediahändler Fnac eröffnet am 17. April an einer der wichtigsten Kino-und Einkaufsstrassen von Basel seine erste Filiale in der deutschsprachigen Schweiz. Der französische Mediengigant bietet auf acht Etagen und nahezu 3200 m2 an der Steinenvorstadt Nr. 5 Bücher, DVDs, Games, TV/Video und Computer an und will auch ein Fnac-Café und einen Ticketvorverkauf betreiben. Und das ist erst der Anfang. Fünf weitere Filialen in der Deutschschweiz, nämlich in Zürich, Bern, St.Gallen und Luzern, sind bis 2010 geplant – alle sollen an bester Lage situiert werden.

Starker Wettbewerb, tiefe Marge

In der Deutschschweiz stösst Fnac auf einen stark umkämpften Markt. Die Margen sind tief und die Konkurrenz mit Ex Libris, Thalia, Orell Füssli, Mediamarkt, Interdiscount oder M-electronics gross.Doch die grossen Konkurrenten aus dem Buchhandel, aber auch aus dem Multimediahandel zeigen sich gelassen. «Wir sind über den Einstieg von Fnac nicht besorgt. Wir halten an unserer bisherigen, sehr erfolgreichen Strategie fest,» sagt Peter Bamert, Chef von Ex Libris. Die Tochter von Migros sieht sich als als Marktführerin im Bereich Musik, Buch, Film und Software/Games. 2007 steigerte Ex Libris mit 119 Filialen ihren Umsatz um 10% auf 188 Mio Fr. Den Einbruch im Tonträgermarkt habe Ex Libris mit Swissness gekontert.

Auch Orell Füssli will an ihren Wachstumsplänen festhalten, wie Fabio Amato, Chef der Orell Füssli Buchhandlungen, erklärt. «Fnac hat zwar Expansionswünsche in Agglomerationen wie St. Gallen und Zürich geäussert, wo Orell Füssli unbestrittener lokaler Marktführer ist, aber konkrete Standortprojekte mit Realisierung in naher Zukunft scheint es noch nicht zu geben.» Generell sei man bei Orell Füssli der Meinung, dass neue Mitbewerber durchaus stimulierend auf die Marktleistung der etablierten Marktteilnehmer wirken können. Orell Füssli hat 2007 laut provisorischer Jahresrechnung den Umsatz um 5% erhöht. Die genauen Ergebnisse werden am 10. April 2008 publiziert.

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Hanspeter Büchler, CEO von Thalia, laut eigenen Angaben Marktführer im Schweizer Buchhandel, meint: «Fnac hat eine andere Positionierung als Thalia, da bin ich eigentlich ganz locker. Aber natürlich ist es angezeigt, die Situation genau zu beobachten, und das tun wir. Wir sehen keine Veranlassung, unsere Strategie zu ändern.» Immerhin hat Thalia die Einführung der Kundenkarte angesichts des Markteintritts von Fnac in Basel auf Anfang April vorgezogen, wie Büchler zugibt. Die Kundenkarte beinhalte aber anders als bei Fnac keinen generellen Bücherrabatt. «Thalia hält an der Preisempfehlung der Verlage fest und unterstützt den Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband SBVV bei der Wiedereinführung der Buchpreisbindung. Thalia gehört zur Deutschen Douglas-Gruppe. Sie gibt keine Ergebnisse für die Schweiz bekannt. Der Umsatz wird hierzulande auf 120 Mio Fr. geschätzt. Insgesamt setzte Thalia 2007 801 Mio Euro um.

Offiziell mag sich keiner negativ über den Einstieg von Fnac in die Deutschschweiz äussern. Hinter vorgehaltener Hand meinen Konkurrenten aber: «Nur mit einem einzigen Laden im deutschsprachigen Raum lohnt sich das Engagement der Franzosen nicht.» Entweder müsse Fnac schnell min-destens 20 bis 30 Läden eröffnen, oder sie bekomme die Kosten der Distribution nicht in den Griff. Auch Carrefour habe grosse Pläne in der Schweiz gehabt und sei nun von Coop übernommen worden.

Fnac: Einkaufsmacht im Rücken

Trotzdem ist Fnac vom Erfolg in der Deutschschweiz überzeugt. Mit ihrer Angebotsvielfalt hebe sie sich ab von Konkurrenten wie Ex Libris, Mediamarkt, Interdiscount, Thalia oder Orell Füssli. Die Entwicklung in der Westschweiz bekräftige ihren Vormarsch in die Deutschschweiz. Letztes Jahr steigerte Fnac ihren Umsatz in der Westschweiz um 12,2% auf 189 Mio Fr. Der französische Multimedia-Riese betreibt bisher mit 520 Mitarbeitenden vier Filialen in der Westschweiz und ist in Genf, Lausanne und Freiburg präsent. Zirka je ein Fünftel des Umsatzes in der Schweiz wurden mit Büchern, CDs und DVDs umgesetzt, 10% mit Software und Games und die Hälfte mit technischen Produkten wie TV-Geräten oder Computern. Ertragszahlen werden keine publiziert. Auch dank der Einkaufsmacht des Mutterhauses im Rücken glaubt Fnac an ihren Erfolg in der Deutschschweiz.

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