Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen laufen am frühen Mittwochmorgen die Rettungsarbeiten wieder. Über Nacht sind sie unterbrochen worden. Gerätselt wird weiterhin über die Absturzursache.

Die Flugüberwachung konnte kurz vor dem Absturz keinen Funkkontakt mehr mit der Besatzung herstellen, wie der Staatsanwalt von Marseille am Dienstagabend mitteilte. «Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass dieser schnelle Höhenverlust des Flugzeugs für den Augenblick unerklärt bleibt», sagte Staatsanwalt Brice Robin dem TV-Sender BFM TV, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Aufschluss geben könnte die geborgene Blackbox. Diese soll laut Robin noch am Mittwochmorgen untersucht werden. Unklar blieb zunächst, ob der Flugdatenschreiber oder der Stimmenaufzeichner geborgen wurde. Während das erste Gerät technische Daten zum Flug aufzeichnet, registriert das zweite Gespräche und andere Geräusche in der Pilotenkabine.

Die Staatsanwaltschaft hat offiziell Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen. Die Ermittler wollen acht Zeugen vernehmen.

Lufthansa-Chef: Reparatur nicht Ursache

Der Lufthansa-Chef Carsten Spohr äusserte sich am Dienstagabend nach seiner Rückkehr vom Absturzort in Frankfurt zur Katastrophe. Die Reparatur des abgestürzten Flugzeuges am Tag zuvor hat nach seiner Ansicht nichts mit dem Absturz zu tun. Bei der Reparatur sei es um die Geräuschbelastung gegangen, nicht um etwas sicherheitsrelevantes.

Eine Lufthansa-Sprecherin hatte zuvor erklärt, ein Problem an der Klappe für das Bugrad sei am Montag routinemässig behoben worden. «Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand», sagte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende nun.

Über die Piloten der Unglücksmaschine sagte er: «Wir hatten die Kompetenz im Cockpit, für die unser Unternehmen steht.» Die Germanwings-Piloten würden auch bei Lufthansa ausgebildet und der Pilot habe mehr als 6000 Flugstunden gehabt, darunter den grössten Teil im Airbus A320.

Detaillierte Auswertung dürfte dauern

Spohr rechnet damit, dass rasch erste Erkenntnisse über die Ursache des Absturzes vorliegen werden - dank der Blackbox. Die detaillierte Auswertung werde aber länger dauern. Er sprach vom «schwärzesten Tag in der 60-jährigen Geschichte unseres Unternehmens». Lufthansa habe erstmals ein Flugzeug im Reiseflug verloren.

Schon in aller Frühe am Mittwochmorgen wollen die Einsatzkräfte ihre Arbeit an der Absturzstelle des Airbus A320 in Südfrankreich wieder aufnehmen. Zwischen 5.30 und 6.00 Uhr sollten dreissig Mitglieder einer Gebirgsstaffel der Polizei mit dem Helikopter abgesetzt werden, berichtete AFP unter Berufung auf einen Vertreter der Gendarmerie.

Während die Hochgebirgs-Spezialisten den Bereich absichern sollen, sind 65 Beamte seit dem Abend unterwegs, um einen Fussweg zu suchen.

Gerichtsmediziner und Anthropologen sollen ebenfalls zum Unfallort gebracht werden, um dort dort DNA-Proben zu entnehmen, die bei der Identifizierung der Opfer helfen sollen.

Vor allem Opfer aus Deutschland

Beim Absturz des A320 sind vermutlich alle 150 Insassen ums Leben gekommen. An Bord waren vermutlich 67 Deutsche sowie zahlreiche Spanier. Einzelne Opfer stammen nach Angaben aus den jeweiligen Länder vermutlich auch aus Grossbritannien, Dänemark, Australien, Israel, Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Japan. Auf Schweizer Opfer gibt es bislang keine Hinweise.

Am Unglücksort werden am Mittwoch hohe Vertreter der betroffenen Staaten erwartet. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatschef François Hollande und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy wollen zusammen die Absturzstelle am Nachmittag besuchen.

(sda/chb)