Unter den 20 SMI-Firmen gibt es seit den Generalversammlungen dieses Jahr noch genau zwei, in deren Verwaltungsrat keine einzige Frau sitzt (siehe Tabelle rechts). Vor einem Jahr waren noch sechs Konzerne ein reiner Männerclub, gleich viele wie 2004. Als letzte Männerbastionen halten sich einzig ABB und Clariant.

Noch sind die Frauen in der Schweiz weit davon entfernt, Mehrheiten in Verwaltungsräten zu stellen, geschweige denn die Männer zu dominieren. Doch wie die Auswertung der «Handelszeitung» zeigt, kommt nun plötzlich Bewegung in die Herrengremien. Zwischen 2004 und 2007 dümpelte der Frauenanteil in den SMI-Firmen zwischen 8,1 und 9,5%. Heuer sind es nun plötzlich 12,0%.

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Amerikanerinnen dominieren

Für die rasante Zunahme verantwortlich sind Adecco (plus zwei), Holcim (plus eins), Novartis (plus eins), Synthes (plus eins) und Zürich (plus eins). Unter den neuen Verwaltungsrätinnen dieser Firmen befindet sich aber nur eine Schweizerin – die Architektin und Partnerin des Architekturbüros Herzog & de Meuron, Christine Binswanger. Die neue Synthes-Verwaltungsrätin Amy Wyss, Tochter von Synthes-Präsident Hansjörg Wyss, ist schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin.

Bei den weiteren neuen Verwaltungsrätinnen dominieren die Amerikanerinnen: Anne Fuge (Novartis-VR und ehemalige Chefin von Young & Rubicam), Judith Sprieser (Adecco-VR und CEO des US-Technologie-Software-Unternehmens Transora) sowie Susan Bies (Zürich-VR und einst Direktionsmitglied der US-Zentralbank). Wanda Rapaczynski (Adecco-VR und CEO-Medienkonzern Agora) stammt aus Polen.

Punkto Emanzipation des VR sind die SMI-Firmen in jedem Fall weiter als das Gros der Schweizer Unternehmen. Bei den 100 grössten Schweizer Firmen liegt der Frauenanteil im VR bei nur 6,7%. Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz nur weniger schlecht ab: Bei den 500 grössten Firmen (Fortune 500) besetzen die Frauen 14,8% der VR-Sitze und in den 100 VR des Londoner FTSE machen Frauen 11% aus. Norwegen hat Anfang Jahr – nicht zuletzt dank einer Quote – den Frauenanteil auf 40% erhöht.

Das Argument, es sei schwierig, überhaupt Frauen zu finden, sticht für Eleanor Tabi Heller-Jordan, Chefin von Catalyst Europa in Zug, nicht. «Wer nach Talent sucht, wird Talent finden.» Die Non-Profit-Organisation Catalyst hat mit ihren Erhebungen zum Zusammenhang zwischen Frauenmanagement und Profit Furore gemacht. Gemäss der neusten Auswertung der Fortune-500-Firmen liegt die Eigenkapitalrendite bei den Firmen mit dem höchsten Frauenanteil im VR 53% über jenen von Unternehmen, die den geringsten Anteil aufweisen. Für die Umsatzrendite sind es 42%. Seit Frauen im Verwaltungsrat als Profitkomponente erkannt sind, findet bei den Unternehmen trotz weiter bestehenden Hürden ein Umdenken statt.

In der Schweiz zeigt sich der Wandel nicht nur im SMI. Eine Welle von neuen weiblichen Verwaltungsräten gibt es auch bei diversen anderen Schweizer Unternehmen von Coop über Helvetia zu Post und Raiffeisen.

Quote ist kein rotes Tuch mehr

Auch die Einführung von Frauenquoten findet vermehrt Zustimmung. Die ehemalige Virt-x-Chefin und CEO von Forma Futura Invest AG, Antoinette Hunziker-Ebneter, war nie als Quotenbefürworterin bekannt. Jetzt sagte sie an einer Tagung von IBM: «Ich bin für Frauenquoten, mir ist egal, ob ich als Quotenfrau gelte oder nicht.»

Die Chefin der Müller-Möhl Group und Multiverwaltungsrätin Carolina Müller-Möhl sagte kürzlich in der «Handelszeitung» (Nr. 6 vom 6. Februar), wo keine Vorbilder seien, gebe es keine Nachahmerinnen. Weiter erklärt sie: «Meines Erachtens darf man die Argumente für Quoten nicht einfach wegwischen. Andererseits will keine Frau eine Quotenfrau sein.» Sie sei überzeugt, dass es genügend kompetente Frauen gebe. «Es wäre eigentlich schade, wenn man das gesetzlich regeln müsste.» Damit ABB und Clariant ihre Unisex-VR aufmischen, braucht es wohl kein Gesetz.