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Frauen: Lohngleichheit bei öffentlichen Aufträgen

Gewerkschaftsaktivisten demonstrieren fuer Lohngleichheit zwischen Mann und Frau.   Keystone

Wer einen öffentlichen Auftrag erhalten will, soll die Lohngleichheit belegen. Dies verlangt die Frauenorganisation Business & Professional Woman.

Veröffentlicht am 07.03.2014

Angesichts grosser Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau ruft die Frauenorganisation Business & Professional Woman (BPW) Switzerland Bund, Kantone und Gemeinden dazu auf, bei der Vergabe von Aufträgen gleiche Löhne für gleiche Arbeit durchzusetzen. Die öffentliche Hand vergibt jährlich Aufträge in 34 Milliarden Franken Höhe.

Dies entspreche 8 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), schreibt der Verband berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen in einer Mitteilung.

Gemäss der letzten Erhebung des Bundesamt für Statistik für das Jahr 2010 betrug der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau 18,4 Prozent. Konkret bedeutet dies laut BPW, dass Frauen in der Schweiz «bis zum 7. März arbeiten müssen, um den gleichen Lohn zu erhalten, wie ihn Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres haben».

Noch schlechter sieht es aus, wenn eine Frau heiratet. Der Lohnunterschied zwischen verheirateten Frauen und Männern liegt bei 31 Prozent, wie die Leiterin der Stabsstelle für Chancengleichheit Graubünden, Silvia Hofmann, gegenüber der Zeitung «Südostschweiz» erklärt hat.

Bedingung für Zuschlag

Bei Bund, Kantonen und Gemeinden liegt der generelle Lohnunterschied noch bei 12,1 Prozent. Die öffentliche Hand könne aktiv werden. Sie könne Lohngleichheit durchsetzen - auch bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen.

Es reiche nicht, von einem Unternehmen nur eine Unterschrift unter eine Grundsatzerklärung zu verlangen, die Lohngleichheit verspreche. «Um Lohngleichheit im öffentlichen Beschaffungswesen zu erreichen, müsste die öffentliche Hand von den Unternehmen Beweise einfordern, dass diese gleiche Löhne für gleiche Arbeit bezahlen», sagt BPW-Schweiz-Präsidentin, Monique Ryser.

Gesetz wird nicht umgesetzt

Das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen und die entsprechenden Abkommen zwischen den Kantonen sehen Lohngleichheit vor, wie Ryser betont.

Doch es fehlten die Instrumente vor der Vergabe öffentlicher Aufträge und die Kontrollen der Unternehmen danach, um das Gesetz auch durchzusetzen. Pläne für Nachkontrollen gebe es beim Eidg. Büro für Gleichstellung, aber es fehlten die entsprechenden Stellen dazu.

Frau muss klagen

Um wiederum die Lohngleichheit in der ganzen Schweiz durchzusetzen, müsse der Gesetzgeber endlich ernst machen und die Beweislast umkehren. Diese liege heute einzig bei der betroffenen Frau.

«Will eine Frau in ihrem Unternehmen den gleichen Lohn erhalten wie ihr männlicher Kollege, muss sie klagen. Damit riskiert sie Stelle und weitere Karriere.» Das sei unfair.

(sda/tke)

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