Obwohl die «kleine» Schweiz mit rund 90000 aktiven Golfspielern nicht zu den ganz grossen Golfnationen gehört und obwohl man hierzulande seit Jahren vergeblich auf den Durchbruch eines Professionals wartet, nimmt die Eidgenossenschaft bei international wichtigen Golfveranstaltungen inzwischen eine bedeutende Stellung ein. Mit dem European Masters der Herren in Crans-Montana VS (siehe Seite 4, dem Senior Open in Bad Ragaz SG, dem Challenge-Tour-Event im Wylihof SO (Seite 5) und dem Deutsche Bank Ladies? Swiss Open in Losone TI machen alle wichtigen Turnierserien einmal im Jahr Halt in der Schweiz.

Das dritthöchste Preisgeld

Das Ladies? Swiss Open hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigen Turniere entwickelt. Das liegt mitunter auch am Preisgeld: Insgesamt 126 Proetten (Profispielerinnen) wetteifern um 525000 Euro, allein der Sieg ist mit 78750 Euro dotiert. Nur beim Evian Masters und beim British Open können die Frauen in Europa noch mehr Geld verdienen als im Tessin.

Doch Geld allein reicht auch bei den Frauen längst nicht mehr aus, sie an ein Turnier zu binden. Der zu spielende Parcours, die Atmosphäre und auch die Geschichte eines Events haben an Bedeutung gewonnen.

Gute Noten für Gerre Losone

«Dieses Turnier ist einmalig», sagt etwa Vorjahressiegerin Bettina Hauert. Sie freue sich riesig auf die Rückkehr in die Südschweiz. «Fast alle Spielerinnen, die einmal hier waren, schwärmen von diesem Turnier», weiss die Schweizer Spitzenspielerin Nora Angehrn. Der Platz sei wunderschön, das Ambiente auf der ganzen Anlage toll, die Fairways und Greens seien immer in einem hervorragenden Zustand. «Solche Komplimente sind schön», sagt Klubdirektor Davide M. Lantos, «sie stacheln uns aber auch an, in unseren Bemühungen nicht nachzulassen.»

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Der Par-72-Platz mit einer Länge von 5656 m liegt mitten in einer blühenden Landschaft mit Bergsicht. Golf Gerre Losone wurde von der Bürgergemeinde Losone gegründet und vom Tessiner Architekten Peter Harradine entworfen. Im September 2001 konnte der Spielbetrieb aufgenommen werden. Dass man bereits 2006 die Ladies European Tour erstmals in Losone begrüssen durfte, «ist ein Privileg», so Lantos. Und er weiss: «Die Spielerinnen haben es hier nicht einfach, ein gutes Score zu erreichen.»

Gerade mal zwei Austragungen alt, kann das Deutsche Bank Ladies? Swiss Open bereits auf sportlich relevante Details verweisen. Sowohl Gwladys Nocera, die Siegerin 2006, wie auch Bettina Hauert feierten in der Schweiz nicht bloss ihre ersten LET-Siege, beide wurden nach dem Triumph auf dem Golf Gerre Losone Ende Saison jeweils auch zur Spielerin des Jahres gewählt.

Schweizerinnen im Hintergrund

Rund 8000 Zuschauer haben das Turnier 2007 besucht, dieses Jahr hofft man, die 10000-Grenze zu übertreffen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird an den ersten beiden Turniertagen kein Eintritt verlangt. Ob sich Vorstellung und Realität in diesem Punkt treffen, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird wohl auch sein, wie sich die Schweizer Spielerinnen schlagen. Allerdings werden Nora Angehrn, Florence Lüscher und Frédérique Seeholzer in einem starken Feld nur Aussenseiterchancen eingeräumt.

Vor einem Jahr konnte immerhin Seeholzer positiv auf sich aufmerksam machen, als sie nach der ersten Runde schlaggleich mit der späteren Siegerin Hauert und zwei weiteren Spielerinnen an der Spitze, nach der 2. Runde immer noch auf Platz 3 gelegen hatte. Am Ende belegte sie den 39. Rang, während Angehrn und Lüscher den Cut verpasst hatten.

 

 

nachgefragt


«Der Sport gehört zum kulturellen Selbstverständnis»

Hanns Michael Hölz (57) ist Managing Director Deutsche Bank AG. Als Global Head übernimmt er Verantwortung für die Bereiche Corporate Social Responsability, Sustainable Development und Corporate Sport. Darüber hinaus verantwortet er alle Sportaktivitäten der Deutschen Bank.

Was sind die Beweggründe, dass sich die Deutsche Bank im Schweizer Golfsport mit dem Sponsoring des wichtigen Frauenturniers im Tessin engagiert?

Hanns Michael Hölz: Im Rahmen des vielseitigen Engagements der Deutschen Bank unterstützen wir auch die Sportförderung. Sport im Sinne eines fairen Wettkampfes gehört zu unserem kulturellen Selbstverständnis. Sport trägt zu Gesundheit und Fitness, zu einem besseren Verständnis der Menschen untereinander bei und er bewegt emotional. Denn Spitzensportler sind wichtige Leitbilder.

Weshalb ein Frauenturnier?

Hölz: Seit 2006 engagiert sich die Deutsche Bank im Profi-Damengolf. Denn mit dem Golfsport verbindet die Deutsche Bank eine Vielzahl gemeinsamer Werte: Präzision, Teamgeist, Ausdauer und «Leistung aus Leidenschaft» sind auf den Grüns dieser Welt ebenso wichtig wie im Bankgeschäft.

Und weshalb gerade eine Veranstaltung in der Südschweiz?

Hölz: Mit dem Deutsche Bank Ladies? Swiss Open im Tessin fördert die Bank nicht nur den europäischen Frauengolfsport, sondern erweist auch der grossen geschäftlichen Bedeutung der Schweiz und der norditalienischen Region ihre Reverenz. Die Südschweiz ist darüber hinaus ein wichtiger Wirtschafts- und Tourismusstandort im Hinblick auf die geografische Lage im Herzen Europas.