Die Quotenvorgabe von 30% ist für uns kein Problem», liessen die Schweizer Unternehmen mit Bundesbeteiligung im Frühling vergangenen Jahres verlauten. Damals war der Nationalrat einer Initiative von Barbara Haering (SP/ZH) gefolgt. Das Hauptargument für die Initiative: Der Bund müsse bei der Frauenförderung ein Vorbild sein.

Mehr als ein Jahr später ist klar, so einfach ist es anscheinend nicht, Frauen in das Aufsichtsgremien zu ernennen. Am nächsten beim Ziel von 30% Frauenanteil ist just derjenige Ex-Staatsbetrieb, der die Beteiligung des Bundes am schnellsten verlieren könnte. Bei der Swisscom ersetzte dieses Frühjahr MTV-Chefin Catherine Mühlemann die bisherige Verwaltungsrätin Jacqueline Demierre, die wegen Amtszeitbeschränkung aufhörte. Mit zwei Frauen und sieben Männern im Verwaltungsrat, also einem Frauenanteil von 22%, gilt die Swisscom als relativ fortschrittlich.

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Keine Ausnahmen vorgesehen

Die Rechtskommission des Nationalrates ist laut Haering derzeit daran, eine Gesetzesvorlage auszuarbeiten. Die Zürcher Nationalrätin ist der Ansicht, dass die Vorgabe alle Firmen mit Bundesbeteiligungen betrifft, auch wenn der Bund nur einen Minderheitsanteil am Unternehmen besitzt.

Den Frauenanteil erhöht hat seither nur die Post. Neben Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz hat letzten Monat auch die Kanadierin Nicola Thibaudeau im Post-VR Platz genommen. Sie leitet ein Unternehmen in der Maschinenindustrie in Bern.

Grund für Fraueneuphorie gibt es bei der Post allerdings nicht. Die zweite und bisherige Verwaltungsrätin, Meier-Schatz, will nämlich nächstes Jahr zwischen einer erneuten Kandidatur für den Nationalrat oder einem Verbleib im Verwaltungsrat der Post entscheiden. Bei ihrem allfälligen Rückzug, könnte der Frauenanteil bei der Post wieder auf 11% sinken.

Ruag und Skyguide ohne Frauen

Die SBB hingegen haben ihren Frauenanteil im VR mit der Aufnahme von Ex-SP-Präsidentin und Ständerätin Christiane Brunner letztes Jahr nicht erhöht. Brunner ersetzte nämlich eine andere SP-Frau, Yvette Jaggi, welche das Mandat nach sechs Jahren im Alter von 64 Jahren niedergelegt hatte. Am schlechtesten schnitten das Rüstungsunternehmen Ruag und das Luftsicherungsunternehmen Skyguide ab. Unter den jeweils sechs Verwaltungsräten befindet sich bisher keine einzige Frau.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt haben die börsenkotierten Schweizer Unternehmen in ihren Verwaltungsräten einen Frauenanteil von 7,2%. Der grösste Schweizer Konzern, Nestlé, hat immerhin einen Anteil von 16,6%.

Im Vergleich zum Ausland sind die Schweizer VR-Gremien stark männerdominiert. In den Aufsichtsräten der 200 international grössten Unternehmen sind im Durchschnitt 10,4% der Sitze von Frauen besetzt.

Rigide Sanktionen im Norden

Wegen gesetzlich geförderter Frauenvertretung liegen die Frauenanteile in nordischen Unternehmen höher. In Norwegen beispielsweise hat sich der Frauenanteil in Verwaltungsräten innert drei Jahren auf 17% verdreifacht. Dies drei Jahre nachdem eine gesetzliche Frauenquote von 40% mit fünfjähriger Übergangsfrist eingeführt wurde. Firmen, die die 40%-Marke in Norwegen nicht erreichen, müssen mit harten Massnahmen rechnen; im Extremfall droht ihnen die staatlich verordnete Schliessung.

So rigide wie im Norden soll die Quote in der Schweiz gemäss der Initiantin nicht durchgesetzt werden. «Grundsätzlich geht es nicht um eigentliche Sanktionen, sondern vielmehr darum, in einem solchen Fall gemeinsam mit dem Unternehmen Massnahmen und Terminpläne zu erarbeiten, um das Ziel zu erreichen», erklärt Haering.

Das entsprechende Verfahren wird derzeit von der Rechtskommission festgelegt. Ist das Gesetz ausgearbeitet, kommt es erneut vor den Nationalrat und muss schliesslich noch die Hürde des Ständerats nehmen, bevor es in Kraft tritt. Danach hätten die Unternehmen fünf Jahre Zeit, um die Frauenquote umzusetzen.