Gewinnen kann man nur im Team», lautet die Devise von ABB-CEO Fred Kindle. Deshalb will er den Preis zum Unternehmer der Jahres 2007 nicht für sich allein, sondern für die gesamte Belegschaft des Elektro- und Automationskonzerns entgegennehmen. Denn diese hat in diesem Jahr gemeinsam mit ihrer Unternehmensführung Ausserordentliches geleistet. Den jüngsten Coup hat ABB kurz vor Weihnachten gelandet: Am vergangenen Dienstag vermeldete der Konzern den grössten Auftrag des Jahres. ABB erhielt den Zuschlag für die längste Stromleitung aller Zeiten – 2000 km lang wird der Strom von seinem Erzeugungsort in der westchinesischen Provinz Sezchuan in die Küstenmetropole Schanghai transportiert. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 440 Mio Dollar. Damit sind die Bücher für 2008 zum Bersten voll.

«Im Zentrum steht Teamwork»

Kindle führte ABB mit einigen wenigen Prinzipien an die Welt-spitze. «Im Zentrum steht für mich das Teamwork, der Wille, Verantwortung zu teilen», erklärt der CEO. Dazu gehöre, die Fähigkeiten der Menschen richtig einzusetzen, indem man ihnen Autonomie einräume und darauf vertraue, dass sie sich offen, ehrlich und unpolitisch verhalten. «Und dass sie zurückkommen, wenn sie Unterstützung benötigen», ergänzt Kindle. Dass ein CEO zum Unternehmer des Jahres gewählt wird, stört ihn nicht. «Wenn ein Manager seine Aufgabe richtig machen will, muss er automatisch unternehmerisch handeln.» Seine ultimative Zielsetzung sei, dafür zu sorgen, «dass ABB im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Firma ist».

Zum unternehmerischen Handeln gehört für Kindle auch das Thema Fristigkeit. «Wenn ein Manager unternehmerisch handelt, wird er auch versuchen, kurzfristige Erfolge zu erzielen, aber nicht auf Kosten der Langfristigkeit.» Dafür müssten oftmals Entscheidungen gefällt werden, die nicht populär sind. «Dazu gehört eine gewisse Hartnäckigkeit, ein dickes Fell», sagt Kindle. «Aber wenn es die richtigen Massnahmen sind, dann müssen sie trotzdem getan werden.» Der Unternehmer im klassischen Sinn habe gegenüber dem Manager eines Börsenunternehmens den Vorteil, dass er sich am Kapitalmarkt nicht für sein Handeln rechtfertigen müsse.

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Für 2008 stehen vorläufig keine unbeliebten Entscheidungen an, alles läuft nach Plan. «Selbst wenn die Wirtschaft rapide zurückgehen sollte, was ich aber nicht annehme», betont Kindle, «profitieren grosse Bereiche der ABB von langfristigen Trends wie der starken Nachfrage nach Elektrizität und der Notwendigkeit, Energie effizienter zu nutzen.» ABB habe wirklich keinen Grund, pessimistisch zu sein.

 

NACHGEFRAGT 
«Wir registrieren gewisse Gefahrensignale»

Fred Kindle, CEO ABB

Was ist für Sie eine gute Firma?

Fred Kindle: Eine gute Firma muss hervorragende finanzielle Resultate erzielen, aber nicht nur. Zentral sind auch Erfolge in anderen Bereichen. So muss eine gute Firma unter anderem attraktive Arbeitsplätze bieten, in Sachen Ethik und Moral ein Vorbild sein und Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten.2007 war ein sehr erfolgreiches Jahr für ABB. Macht Ihnen der Ausblick auf 2008 Sorgen?Kindle: Für ABB bin ich zuversichtlich. Die grundlegenden Tendenzen in unserem Wirtschaftsumfeld, vor allem im Energiebereich, sind sehr positiv. Die Welt benötigt immer mehr Energie, die zuverlässig zur Verfügung gestellt werden muss. Wir profitieren von diesem Trend und werden im Energiebereich von der konjunkturellen Entwicklung in den kommenden 12 bis 18 Monaten kaum beeinflusst.

Die USA haben als Folge der Immobilienkrise einen millardenschweren Fonds initiiert. Wird ABB weniger Aufträge erhalten?

Kindle: Für die Weltwirtschaft registrieren wir schon gewisse Gefahrensignale. So gibt es Wirtschaftsindikatoren wie etwa die Frachtvolumina im Luftfahrtbereich, die stagnieren. Das macht einen etwas nachdenklich. Allerdings ist 2008 in den USA ein Wahljahr, es wird mit Sicherheit genügend Liquidität ins Wirtschaftssystem fliessen. Unter dem Strich ergibt sich ein höchst widersprüchliches Bild. Die ganze Welt akzeptiert, denke ich, dass die momentane Finanzkrise Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben wird.

Auch für ABB?

Kindle: Ausser im Housing-Bereich von ABB hat die Entwicklung vorläufig keine direkten Konsequenzen. Wir sind gut aufgestellt und haben keinen Grund zu zweifeln.

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