Fred Kindles neuer Chef gehört zu den «Bigwigs», den hohen Tieren, in der Private-Equity-Branche: Joseph L. Rice III., Co-Gründer und VR-Präsident von Clayton, Dubilier & Rice, kurz CD&R. Rice wird in einem Atemzug mit anderen Granden der Beteiligungsindustrie genannt, darunter Henry Kravis (KKR), Stephen A. Schwarzman (Blackstone) und Leon Black (Apollo). Im Herbst nun startet Kindle, der nach einem Zerwürfnis mit ABB-VR-Präsident Hubertus von Grünberg im Frühjahr den Hut nahm, offiziell als «Operating Partner» im Londoner Büro von CD&R. Seine Aufgabe laut CD&R-Sprecher Thomas Franco: Nach Zielgesellschaften fahnden, die Transaktionen betreuen und für Wachstum im Portfolio sorgen.

Das Haus war gemäss Franco bisher erst ein Mal in der Schweiz aktiv: 2006 akquirierte Rexel, in Besitz von CD&R, den Elektro-Grosshändler Elektro Material mit Sitz in Zürich und 500 Angestellten.

Auch in Zukunft hat es CD&R auf vertriebsorientierte Firmen abgesehen, die zu einem grösseren Konzern gehören können. Denn hier lassen sich laut Franco aufgrund von mangelndem strategischem Fit und ungenügender Unterstützung des Mutterhauses ungenutzte Potenziale heben. CD&R sei auch an Schweizer Firmen interessiert, die in diesen Raster fallen.

In den vergangenen beiden Jahren sorgte CD&R international für Schlagzeilen, als sie in Konsortia für 14 Mrd Dollar den Autovermieter Hertz von Ford übernahmen und für 2 Mrd Dollar den Vertriebskanal des US-Baumarktes Home Depot erwarben. Franco erwartet, dass es aufgrund der schwachen Konjunktur, fallender Aktienkurse und aktiver Investoren vermehrt zu Firmenaufspaltungen kommen wird. Going Privates dagegen würden deutlich abnehmen.

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Wie viele Transaktionen CD&R 2008 plant, lässt Franco offen. «Es gab auch schon Jahre ohne Deals», betont er. Aber man prüfe derzeit diverse Gelegenheiten.

«Schritt ist nachvollziehbar»

Wie sich Kindle bei CD&R in London schlägt, wird sich weisen. Für Harry Houthuijse jedenfalls, CEO der Executive-Search-Boutique Cornfeld Ltd, ist Kindles Wechsel «nachvollziehbar». Seine neue Rolle als Partner und Berater eröffne ihm auf internationaler Ebene neue Gestaltungs- und Kontaktmöglichkeiten und biete ihm deutlich mehr Unabhängigkeit. «Als ehemaliger CEO führender Industriekonzerne verfügt er ohne Zweifel über einen hervorragenden Leistungsausweis», sagt Houthuijse. «Bei CD&R kann er seine breite Industrieerfahrung voll einbringen.»