Der Manager von morgen hat die Qual der Wahl: Ein fundiertes betriebswissenschaftliches Grundwissen gekrönt mit dem Titel Executive Master of Business Administration (EMBA) kann er sich mittlerweile in verschiedenen Institutionen aneignen. Doch fällt unter den Weiterbildungsstätten die Kalaidos Fachhochschule Wirtschaft insofern aus dem Rahmen, als dort die Erarbeitung des unternehmerischen Know-how in mehrfacher Hinsicht Privatsache ist.

Anja Pauling, Leiterin des Instituts für Allgemeine BWL (IAB) in Zürich, hält fest: «Die Kalaidos Fachhochschule Wirtschaft ist die einzige eidgenössisch anerkannte Wirtschaftshochschule der Schweiz unter privater Trägerschaft.» Die Unabhängigkeit bzw. Selbstständigkeit der Institution äussert sich in verschiedener Hinsicht und hat ihre Vorteile. Einmal verbürgt sie den Bezug zur Praxis, weil sich die Lehrer in einem weiteren Sinn ehrenamtlich engagieren: «Bei uns unterrichten keine angestellten Vollzeitlehrer, sondern Praktiker, die ihr Unterrichtspensum neben ihrer anderweitigen Haupttätigkeit übernehmen. Ihre Motivation ist es, ihr Fachgebiet einem interessierten Publikum aus der Wirtschaft näherzubringen», so Pauling.

Weiter ist die Kalaidos Fachhochschule Wirtschaft laut ihr flexibler in Sachen Lehrplan. «Dass wir eine privatwirtschaftliche Institution sind, ermöglicht uns auch eine grosse Flexibilität in Bezug auf das Bildungsangebot. Vertiefungsrichtungen, die zum Beispiel von aktuellen Marktentwicklungen gefordert werden, können wir innerhalb von wenigen Monaten auf dem Markt anbieten. Bei anderen Schulen dauert die Einrichtung eines Studiengangs aufgrund der öffentlich-rechtlichen Einbettung meist erheblich länger.»

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Die Freiheit gegenüber öffentlichen Vorgaben gibt auch den privaten beziehungsweise persönlichen Interessen der Teilnehmer mehr Raum: «Das Thema ihrer Master-Arbeit bringt die überwiegende Mehrheit der Studierenden aus ihrem Arbeitsalltag selber mit», sagt Pauling. Und schliesslich hat das Institut freie Hand für immer wieder neue Partnerschaften mit Unternehmen. «Eine staatliche Einrichtung», folgert Institutsleiterin Pauling, «kann, bürokratischen Prozeduren verpflichtet, niemals so flexibel sein wie wir.»

Inmitten all der Freiheiten in der Kalaidos Fachhochschule Schweiz sind im EMBA-Programm einzig die fünf Schwerpunkte in Stein gemeisselt: Business Engineering, Strategisches Management, Entrepreneurship und, je auf Englisch geführt, International Marketing und Applied International Management and Affairs. Dabei haben die Teilnehmer die Wahl zwischen der AKAD-Methode im begleiteten Selbststudium und der normalen berufsbegleitenden Präsenzmethode. Für vier Semester muss der Student je nach Schwerpunkt 27 300 bis 28 800 Franken aufwenden. Die AKAD-Methode kommt den Teilnehmer etwas billiger zu stehen, wobei er monatlich 880 Franken investieren muss.

Noch ist die Frauenquote bescheiden

Und in einer Hinsicht verlaufen Privat- und Ausbildungsangelegenheiten an der Kalaidos Fachhochschule Wirtschaft konträr. Anja Pauling erklärt: «Die Frauen sind nach ihrem Erststudium und den ersten wichtigen Karriereschritten in genau dem Alter, in dem die Familienplanung ein Thema wird und sie daher oft zu deren Gunsten beruflich zurückstecken.»

Dass viele Frauen insbesondere wegen dieser schönen Privatsache von einer wirtschaftlichen Weiterbildung absehen - im besagten EMBA-Programm liegt die Frauenquote bei 5 bis 15 Prozent -, bedauert die Leiterin sehr. An den Informationsveranstaltungen versucht sie nach Kräften, mit den Vorzügen des Instituts auch das weibliche Geschlecht zu gewinnen.