INDUSTRIE . Es läuft im Moment in beinahe allen Unternehmen fast zu gut», sagt Swissmem-Sprecher Jonas Lang. Bei vielen Firmen beobachtet er zwar ein gewisses Unbehagen, aber vorderhand freuen sich alle weiterhin über den starken Euro.

Beim Mischkonzern Dätwyler zum Beispiel (Kabel, Gummi, Rohre, Verpackungen, Komponenten) sorgte dieser im 1. Halbjahr 2007 beim Umsatz für ein Plus von 12,3 Mio Fr., was 2% des gesamten Umsatzes ausmachte. Beim Gewinn waren es 0,9 Mio Fr. oder 2,8% des Ergebnisses. Der Euro-Raum ist mit einem Umsatzanteil von 51% für den Multi-Nischenplayer unbestritten sehr wichtig. Finanzchef Silvio A. Magagna glaubt aber, dass Dätwyler den Schwankungen des Euro-Kurses nur bedingt ausgeliefert sei. Denn Dätwyler verkaufe nicht nur in die Euro-Länder, sondern produziere auch dort, und zwar 43% des Gesamtumsatzes. «Ein schwächerer Euro allein würde unseren Geschäftsgang nicht beeinträchtigen», betont Magagna. Gravierender wäre eine Abkühlung der Konjunktur im Euro-Raum.

Risiken lassen sich abfedern

«Wir gehen davon aus, dass der Euro in nächster Zeit wieder etwas schwächer wird», erklärt Jean Luc Ferrazini, Kommunikationschef der Kaba-Gruppe. Das würde am Sicherheits- und Schliesstechnikspezialisten nicht ganz spurlos vorübergehen. Am meisten exponiert sei man durch das Translationsrisiko, differenziert Ferrazini. Die Gewinne im Euro-Raum können bei Kaba bis 20% des gesamten Gruppengewinns ausmachen. «Sollte sich der Euro gegenüber dem Franken um 5% abschwächen, würde dies den Ebit währungsbereinigt um 1% schmälern», rechnet er vor. Als geringer schätzt er das währungsbedingte Umsatzrisiko ein. «Wir produzieren vorwiegend lokal und haben daher am Umsatz im Euro-Raum nur kleine Exportanteile aus der Schweiz», begründet er. Mit dieser Strategie des «natural hedging» lassen sich tatsächlich Währungsrisiken umso leichter abfedern, je globaler ein Konzern agiert. Roche-Sprecher Baschi Dürr zum Beispiel erklärt: «Ein Grossteil der Währungsrisiken eliminiert sich dadurch, dass bei uns als globaler Organisation sowohl Einnahmen als auch Ausgaben in Fremdwährungen anfallen.» So global ausgerichtet ist der Milch- und Molkereikonzern Emmi noch nicht, denn seine Schlüsselmärkte im Export sind Deutschland und Italien. Im 1. Halbjahr 2007 konnte das Ergebnis dank dem starken Euro aufgebessert werden. Jetzt rechnet Emmi zwar mit einem leicht schwächeren Euro, wie Firmensprecher Stephan Wehrle einräumt. Sollte diese Prognose eintreffen, dürfte sich das aber nicht allzu Gewinn schmälernd auswirken. «Denn wir haben einen Teil der Nettoüberschüsse abgesichert.» ABB-Sprecher Lukas Inderfurth macht kein Geheimnis daraus, dass beim Konzern ein schwächerer Euro auch zu einem leichten Rückgang des Absatzes in Franken führen würde. «Aber einiges würde kompensiert durch den günstigeren Einkauf bei Lieferanten in Euro-Ländern», relativiert er. Prognosen zur Währungsentwicklung will die ABB jedoch keine abgeben. Betreffend Euro heisst es nur: «Im Moment profitieren wir mit einem guten Bestellungseingang aus den Euro-Ländern weiterhin davon, dass die Währung so stark ist.» Und selbst das Szenario «schwächerer Euro» macht nicht weiter Kopfweh, denn «Fremdwährungsaufträge werden bei uns konsequent abgesichert».

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Doppelte Strategie

Die doppelte Absicherungsstrategie aus möglichst in die Absatzländer verteilten Produktionsstandorten sowie klassischen Hedging-Instrumenten ist offenbar weit verbreitet, so auch bei Rieter. Das Unternehmen tätigt zwar im Euro-Raum mit 1,2 Mrd Fr. ein Drittel des Konzernumsatzes. Doch das geschieht überwiegend aus lokaler Wertschöpfung. «Sogenannte Transaktionsrisiken, wenn also Produktionskosten in Franken anfallen und die gefertigten Maschinen oder Komponenten in den Euro-Raum exportiert werden, betreffen nur einen geringen Teil des Euro-Umsatzes unseres Konzerns», erklärt Rieter Kommunikationschef Peter Grädel. Man sehe sich deshalb lediglich mit einem Translationsrisiko konfrontiert. Einzelne Geschäfte sichert auch Rieter deshalb über entsprechende Finanzprodukte jeweils projektbezogen ab.