Vielleicht hat Severin Schwan grosses Glück. Er wird die Nachfolge von Franz Humer als CEO des Basler Pharmakonzerns an der Generalversammlung vom 4. März dieses Jahres übernehmen. Und bis zu diesem Tag könnte sich nämlich bereits entschieden haben, ob Roche das US-Diagnostikunternehmen Ventana für insgesamt 3 Mrd Dollar übernehmen kann. Die entsprechende Offerte wurde im Juni 2007 erstmals vorgelegt; mittlerweile ist die Angebotsfrist ein drittes Mal, bis zum 17. Januar, verlängert worden, weil sich Ventana gegen die Akquisition wehrt. Dennoch konnte Roche vor kurzem mit dem Prüfen der Ventana-Bücher beginnen. Roche erhofft sich, mit Ventana ein «zweites Genentech» ins Boot zu holen. Die US-Biotechfirma Genentech, an der Roche eine Mehrheit hält, war entscheidend für die Entwicklung des Basler Konzerns zum weltweit führenden Krebsmittelkonzern.

Spezifische Krebstests

Die gewebebasierten Krebstests von Ventana könnten laut Humer dafür sorgen, dass sich die potenziellen Patienten von Roche noch stärker in spezifische Gruppen einteilen lassen könnten. Damit würden auch die Geschäfte der beiden Roche-Divisionen Pharma und Diagnostics noch enger miteinander verflochten. Damit ist klar: Kann der Kauf von Ventana nicht im 1. Quartal 2008 abgeschlossen werden, wäre er die erste grosse Bewährungsprobe von Severin Schwan in seiner Funktion als neuer Roche-Konzernchef.Daniel Vasella hingegen, CEO und VR-Präsident des Basler Pharmakonzerns Novartis, plagen andere Sorgen. Zum einen wird von ihm immer deutlicher verlangt, sich von seinem Doppelmandat zu trennen. Als Grund nennen die Kritiker einerseits, dass der Kurs der Novartis-Aktie nicht vom Fleck komme – trotz mittlerweile vier Rückkaufprogrammen.

Andererseits bemängeln sie die Schwierigkeiten der Firma bei der Lancierung wichtiger neuer Medikamente. Prominentes Beispiel ist das Diabetesmittel Galvus, dem die US-Gesundheitsbehörde FDA seit einem Jahr die Zulassung verweigert. Nähere Informationen dazu werden am 17. Januar erwartet – dann erläutert Vasella die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2007. Bereits im vergangenen Oktober kündigte der Konzern an, dass die Geschäfte der wichtigen Pharmadivison erst ab der 2. Jahreshälfte 2008 wieder anziehen werden. Neben dem harzenden Pharmageschäft und dem weiteren Ausbau der Impfstoffdivision wird sich das Management von Novartis aber auch um die Herausforderungen der Consumer-Health-Division kümmern.

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Wäre Abspaltung sinnvoll?

Dabei handelt es sich vor allem um die Kontaktlinsenherstellerin Ciba Vision, die ihre Kunden mit Fertigungsproblemen und Produktrückrufen vergraulte. Die Generikatochter Sandoz wiederum bewegt sich in einem immer stärker umkämpften Markt. Analysten diskutieren bereits darüber, ob es für Novartis nicht besser wäre, diese Division (oder einzelne Teile davon) abzuspalten: Einerseits passen ihre Aktivitäten nicht unbedingt zum klassischen Pharmageschäft. Andererseits ist beispielsweise der Bereich der Tiergesundheit sehr profitabel und sorgt für gute Umsätze.