Am 21. Oktober wird Roche ihre Zahlen für das 3. Quartal präsentieren, doch Schlagzeilen macht der Pharmamulti schon jetzt täglich. Am Dienstag meldete er einen Erfolg zu seinem umsatzstärksten Verkaufsschlager Mabthera. Mit dem Mittel gegen Lymphome und rheumatische Arthritis, das in den USA unter dem Namen Rituxan verkauft wird, hat Roche im vergangenen Jahr 2,8 Mrd Fr. umgesetzt.

Dieser Umsatz könnte noch weiter zulegen: Laut Ergebnissen aus einer spätklinischen Phase-III-Studie soll Mabthera gemeinsam mit einer Chemotherapie bei der chronischen lyphatischen Leukämie, der häufigsten Art dieser Form von Blutkrebs bei Erwachsenen, zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit führen.

Weniger erfreulich war, was Roche einen Tag früher zu vermelden hatte: Avastin führt in Kombination mit Tarceva laut einer anderen Phase-III-Studie bei der Anwendung gegen die häufigste Form von Lungenkrebs zu keiner Verlängerung der Lebenszeit. Das Krebsmittel Avastin ist umsatzmässig (2007: 2,35 Mrd Fr.) nach Mabthera und dem Brustkrebsmittel Herceptin (2007: 2,47 Mrd Fr.) das drittwichtigste Medikament von Roche. Tarceva, eine Arznei gegen Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, folgt mit einem Umsatz von 587 Mio Fr. an siebter Stelle. Die Kombination der beiden Verkaufsschlager hätte auch diesen Medikamenten zu weiterem Schub verholfen.Schlechte Nachrichten musste Roche auch letzte Woche vermelden. In den USA hat der Pharmamulti auch den Berufungsprozess gegen Amgen verloren. Der US- Biotechriese hat durchgesetzt, dass der Schweizer Pharmamulti sein Anämiepräparat Mircera in den USA nicht mehr weiter verkaufen darf. Das Gericht befand, Roche verstosse damit gegen die Patentrechte der Amgen-Präparate Aranesp und Epogen. Das Patent von Amgen gilt noch bis zum Jahr 2012. Bis dahin schätzt die Zürcher Kantonalbank den Umsatzeinbruch für das Medikament wegen des Verkaufsverbots in den USA auf 100 Mio Fr. pro Jahr.

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Zweifel am Genentech-Deal

Schliesslich scheint Roche wegen seiner Absicht, Genentech noch ganz übernehmen zu wollen, ebenfalls in die Bredouille zu geraten. Dabei schmerzt vor allem der deutliche Anstieg des Dollarkurses gegenüber dem Schweizer Franken. Am 21. Juli, als Roche die Übernahmeabsicht bekannt gab, kostete der Dollar 1,0233 Fr. Am 7. Oktober betrug der Preis für die US- Währung bereits 1,139 Fr. Roche hat für die ausstehenden Genentech-Aktien insgesamt 44 Mrd Dollar geboten. Allein wegen der Dollaraufwertung kostet der Deal Roche heute beinahe 5 Mrd Fr. mehr als bei seiner Ankündigung.

Die Finanzkrise erschwert die Ausgangslage für Roche zusätzlich. Der Multi hat angekündigt, in Cash bezahlen zu wollen, hat die Mittel aber nicht in der Kasse. Heute bei Banken oder auf dem Kapitalmarkt an solch umfangreiche Mittel zu kommen, ist für Unternehmensschuldner schwierig geworden und sehr teuer.

Die Zweifel spiegeln sich mittlerweile auch drastisch im Kurs der Genentech-Aktie. Am Dienstag lag dieser bei 80 Dollar – ganze 9 Dollar unter dem Angebotspreis von Roche und nicht mehr viel höher als vor der Offerte. Noch im Sommer ging die Börse von einem höheren Angebot von Roche aus, weshalb der Kurs bei fast 100 Dollar notiert hat. An der Dringlichkeit des Kaufs von Genentech ändert sich für Roche aber nichts: Ab 2015 müsste sonst Genentech auch andere Pharmaunternehmen für die Vermarktung seiner Produkte ausserhalb der USA akzeptieren. Die wichtigsten Roche-Präparate wie Rituxan (Mabthera), Herceptin und Avastin stammen aus der Genentech-Küche.

Pipeline-News von Novartis

Einen Tag vor Roche, am 20. Oktober, präsentiert Novartis ihre Quartalszahlen. Auch der zweite Basler Pharmamulti konnte in den letzten Tagen positive Neuigkeiten zu seiner Pipeline vermelden: Am Dienstag präsentierten die Basler Resultate aus einer Phase-II-Studie zum Wirkstoff NVA237 zur Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Die Ergebnisse zeigten eine schnellere Wirkung als beim Spiriva, dem bereits seit 2002 auf dem Markt befindlichen Produkt von Pfizer und Boehringer Ingelheim. Die Bank Vontobel schätzt das Marktpotenzial des Novartis-Wirkstoffs auf gegen 1 Mrd Dollar. Auf dem Markt erhältlich sein wird das Medikament voraussichtlich allerdings erst 2013.

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Bereits am Montag konnte Novartis auch zu Xolair, ihrem Notfallmedikament gegen allergisches Asthma, Positives vermelden. Eine Studie hat gezeigt, dass Kinder zwischen sechs und elf Jahren dank Xolair deutlich weniger Asthma-Attacken erlitten haben. Bisher ist das Mittel nur für Erwachsene und Adoleszente zugelassen. Das Mittel ist Produkt einer Zusammenarbeit von Novartis mit Genentech. Die beiden Unternehmen teilen sich den Profit aus den Verkäufen je hälftig. Langfristig soll Xolair laut Helvea einen Umsatz von bis zu 2 Mrd Dollar generieren können. Den Effekt der zusätzlichen Indikation für Kinder schätzt die Bank Vontobel allerdings als gering ein. Der drohende Umsatzverlust wegen der ablaufenden Patente der wichtigsten Verkaufsschlager von Novartis kann durch diese Erfolge jedoch nicht kompensiert werden.

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