Weihnachten feierte die Formel-1-Fangemeinde letztes Jahr - mit Ausnahme am Ferrari-Domizil Maranello - schon am 23. Dezember. Denn genau 24 Stunden vor Heilig Abend bestätigte der siebenfache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher (41) nach dreijähriger Abstinenz seine Rückkehr ins globale GP-Theater. Der Rennstrecken-Dominator des letzten Dezenniums will es nochmals wissen, trotz Familienglück mit Corinna, den Kindern Gina-Maria und Mick, trotz Schweizer Steuervorteilen und Traumvilla in Vufflens-le-Château am Genfersee, trotz gut dotiertem, jetzt aber aufgelöstem Beratervertrag mit Ferrari. Für drei Jahre unterschrieb Schumacher bei Mercedes, wohl auch, weil er dort wieder mit Ross Brawn zusammenarbeiten kann, seinem Mentor bei den sieben WM-Triumphen. Eine Mehrheit der Deutschen ist denn auch laut Internet-Blitzumfrage der Meinung, dass der Weltmeister 2010 nur Schumacher heissen kann.

Für die Formel 1 und ihren Zampano Bernie Ecclestone ist Schumis Rücktritt vom Rücktritt ein einzigartiger Glücksfall. Denn wie immer der 91-fache GP-Sieger mit dem Mercedes-Boliden 2010 zurechtkommt: Das Interesse an den 19 Rennen zwischen dem 14. März in Bahrain und dem 14. November in Sao Paulo ist angeheizt wie nie zuvor. Freuen werden sich alle, vor den TV-Bildschirmen werden neu auch jene hocken, die bisher mit der sinnlosen Rundendreherei wenig anfangen konnten: Jubeln werden jene, die Schumi wieder siegen und Richtung 100-GP-Titel steuern sehen, freuen werden sich aber auch jene, die den «Ferrari-Verräter» scheitern und für den Abschiffer des Jahres sorgen sehen.

Schumi wird die Chancen packen. Nur er, der Rechner, Kopfmensch und Egoist, weiss haargenau, wie er sich fühlt, ob ihn der Nacken nach seinem Motorradunfall noch immer behindert. Ohne dieses Wissen und seine innere Überzeugung wäre Schumacher bei Ferrari geblieben. König Schumi wird wieder ganz vorne mitmischen, weil er der beste Formel-1-Pilot der Gegenwart war - und noch immer ist. Einen Strich durch seine Rechnung kann ihm nur Mercedes machen; dann, wenn das Werkzeug Auto mit der Konkurrenz nicht mithält. Dies ist die einzige Hoffnung von Button, Vettel, Rossberg und Co. Schumi kann auch mit 41 Weltmeister werden. Die Legende Juan Manuel Fangio holte nämlich den fünften WM-Titel noch mit 46!

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