«Kein Lärm, keine Abgase - nur frisches Bier.» Dieser Spruch ziert fünf Elektro-Lastwagen, die kürzlich von Volvo Trucks (Schweiz) an die Brauerei und Getränkehändlerin Feldschlösschen AG, Rheinfelden, übergeben wurden. Herstellerin der 5,5-Tönner ist die in der englischen Industriestadt Coventry ansässige, auf emissionsfreie Fahrzeuge spezialisierte Firma Modec. Ihr Schweizer Generalimporteur Volvo Trucks (Schweiz) AG führt auch anfallende Reparatur- und Servicearbeiten an den Fahrzeugen aus.

Der Anschaffung des mit Strom aus 100-prozentiger Wasserkraft betriebenen Quintetts waren 2008 sechsmonatige Feldversuche mit Elektro-Nutzfahrzeugen vorausgegangen. Die Tests wurden neben Feldschlösschen und Volvo Trucks auch vom Bundesamt für Energie, dem Verband e’mobile und der AEW Energie als Stromlieferantin begleitet. Dabei ging es nicht nur um technische Aspekte, sondern auch um Einsatzpotenzial und Alltagstauglichkeit der Lastwagen sowie um die Akzeptanz vonseiten der Fahrer.

Die Wahl fiel auf die am Feldschlösschen-Hauptsitz in Rheinfelden vorgestellten Lastwagen. Sie haben eine Reichweite von 160 km, eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, ein Leergewicht von 2,84 t und eine maximale Nutzlast von 2,65 t. Ihr Konzept trägt den Erfordernissen des Betriebs in dichtbesiedelten Ballungsräumen Rechnung. Die Brauerei Feldschlösschen setzt sie zur Feinverteilung des Biers in den Stadtgebieten von Basel, Zürich, Bern und Genf sowie im Tessin ein.

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Umweltschutz im Vordergrund

Gemäss Feldschlösschen-CEO Thomas Metzger liegen die Kosten der Elektrofahrzeuge rund 22% über jenen herkömmlicher Lastwagen mit einem Dieselmotor. «Wir hätten statt der fünf 5,5- gern zwölf 7,5-Tönner angeschafft; leider war das nicht möglich», klagt Metzger. Der Hintergrund dafür: Das Bundesamt für Verkehr hatte deren Zulassung unter ande- rem deshalb verweigert, weil die grösseren Modec-Trucks bei Steigungen zu träge sowie mit zu schwachen Bremsen ausgestattet seien. Offenbar ist aber zu diesem Thema noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Die Brauerei Feldschlösschen, welche nach Metzgers Worten «ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt wahrnimmt und sich weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus engagiert», treibt den Genehmigungsprozess für die 7,5-Tönner-Fahrzeuge voran. Die Firma hat ihren CO2-Ausstoss durch Nutzung innovativer Energiekonzepte von 2007 auf 2009 um jährlich 4,6, 3,3 und 6,8% gesenkt; zwischen 2010 und 2012 soll die Reduktion jeweils mindestens 4% betragen.

Zweistufige Distribution

Feldschlösschen operiert mit einem zweistufigen Distributionssystem in der Schweiz: Die Brauerei beliefert ihre landesweit 17 Logistikstützpunkte per Schiene (60%) und Strasse. Dort übernehmen kleinere Lastwagen die Feinverteilung. Der Fuhrpark des Unternehmens umfasst rund 200 Fahrzeuge und 450 Stapler. Gut jeder dritte Feldschlösschen-Mitarbeiter - das sind 500 der insgesamt 1300 Personen, davon 650 in Rheinfelden - gehört der Logistiksparte an.

Jürg Hörzer, General Manager von Volvo Trucks (Schweiz), präsentierte an einem Schaubild «sieben Trucks - sieben Alternativen» die derzeit vorhandenen konventionellen Treibstoffe: Biodiesel, synthetischer Diesel, Dimethylether, Methanol/Ethanol, Biogas sowie die Kombinationen Biodiesel/Biogas und Hydrogen/Biogas. «Die Technologie ist vorhanden, nun brauchen wir die Treibstoffe», forderte er und ergänzte: «Die alternative Nummer acht sind Elektrofahrzeuge.»