Je länger, je mehr gehen Unternehmen dazu über, Lieferanten in Produktentwicklung und Engineering einzubinden. Unsere Studie über die Erfolgswirkung und Erfolgstreiber der Lieferantenintegration im Innovationsprozess setzt bei möglichen Integrationszeitpunkten an. Dazu wurden 70 Entwicklungsprojekte bei 16 Unternehmen untersucht.

Ideen einbeziehen

Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass die Zusammenarbeit mit Lieferanten in den sehr frühen Phasen des Innovationsprozesses (dem Fuzzy Front-End) die Ergebnisse von Entwicklungsprojekten verbessert. Insbesondere ist eine Zusammenarbeit im Rahmen der Ideengenerierung bzw. die Ideenbewertung erfolgversprechend.

Werden Ideen mit dem Lieferanten diskutiert, bevor die Konzeptentwicklung beginnt, kann der Lieferant aufgrund seiner Erfahrung hinsichtlich der späteren Fertigung der Bauteile noch besser auf eine kostengünstige Lösung hinwirken. Des Weiteren sind Unternehmen, die sich in einem schnell verändernden Umfeld bewegen, gut beraten, bereits in der Ideenphase mit Lieferanten zusammenzuarbeiten.

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Aufgrund kürzerer Produktlebenszyklen, einer hohen Technologiedynamik und sich rasch ändernder Kundenwünsche sind Unternehmen in einem solchen Umfeld nur unter grossen Anstrengungen in der Lage, das für eine Innovation notwendige Wissen alleine zu entwickeln. Damit die Unsicherheit, welche die frühe Phase charakterisiert, nicht die Aufnahme des Wissens verhindert, muss in einem turbulenten Umfeld noch intensiver mit Lieferanten zusammengearbeitet werden.Eine Methode zur gemeinsamen Entwicklung von Ideen sind Innovationsworkshops mit Lieferanten. Diese Workshops können entweder mit oder ohne konkrete Problemstellung durchgeführt werden. Ist eine Fragestellung vorhanden, dienen die Workshops der Suche nach konkreten Lösungen. Im zweiten Fall liegt die Initiative beim Lieferanten. Da hier mit bekannten Lieferanten gearbeitet werden sollte, sind diese bereits gut über die Produkte und Märkte des Unternehmens informiert. So sind sie in der Lage, innovative Ideen voranzutreiben und mögliche Anwendungsfelder beim Abnehmer zu suchen.

Wichtiges Erkenn en

Die Integration von Lieferanten in das Fuzzy Front-End sollte sich aber nicht nur auf bestehende Lieferanten beschränken. Vielmehr sollten Unternehmen aktiv nach Ideen bei potenziellen Lieferanten suchen. Hierzu setzten Unternehmen das Internet ein. Robert Bosch und BMW nutzen Innovationsportale, auf denen Lieferanten die Möglichkeit haben, initiativ Technologien anzubieten. Eine grosse Herausforderung liegt dabei nicht nur im Erkennen der Innovation beim Lieferanten. Vielmehr muss die Innovation intern den richtigen Ansprechpartnern zur Verfügung gestellt werden.

Eine weitere Methode stellt der Einsatz von Innovationsscouts dar, die über umfassendes technisches Wissen verfügen und gut im Unternehmen vernetzt sein müssen, um den Wert einer Lieferanteninnovation für das Unternehmen erkennen und intern vermarkten zu können.

Intakte Lieferantenbeziehung

Eine wichtige Voraussetzung, damit Unternehmen die Vorteile der Einbindung von Lieferanten realisieren können, ist eine intakte Lieferantenbeziehung, so die Studie. Eine Zusammenarbeit mit dem Lieferanten im Innovationsprozess ist keine isolierte Handlung, sondern immer Teil einer Beziehung zwischen den beteiligten Unternehmen.

So haben die erfolgreichen Unternehmen bereits zu einem früheren Zeitpunkt oder im Rahmen eines anderen Projektes zusammengearbeitet. Es gilt, in der Abnehmer-Lieferantenbeziehung ein innovationsförderndes Klima zu schaffen. In einer Beziehung, die von hohem Vertrauen in den Lieferanten geprägt ist, sind Unternehmen eher bereit, den Lieferanten zu integrieren und Lieferanten, ihre Ideen zur Verfügung zu stellen.

Intern müssen die Unternehmen in der Lage sein, die Innovationen des Marktes aufzunehmen und zu verarbeiten. Die meisten Unternehmen werden deshalb zunächst die eigenen Hausaufgaben im Unternehmen lösen müssen, ehe sie auf die Ideen der bestehenden und potenziellen Lieferanten zurückgreifen können.