Laut Medienberichten wird es – wenigstens vorläufig – nichts mit einer Übernahme von Sun Microsystems durch IBM. IBM wollte ursprünglich 6,5 Mrd Dollar auslegen, das doppelte der Marktkapitalisierung von Sun, bevor Übernahmegespräche publik wurden. Ob dem Computer-Service- und Softwarekonzern IBM der Kauf des Computerkonzerns Sun in einem zweiten Anlauf gelingt, ist offen. «Der Ausbau des IBM-Softwareportfolios wäre ein plausibler Grund für eine Übernahme, aber nur, wenn bei Sun weitere Stellen abgebaut werden», meint Ben Reitzes, Analyst bei Barclays Capital. Zusätzlich zum Ende 2008 verkündeten Abbauplan, der bei Sun die Kürzung von 5000 Stellen vorsieht, etwa jede sechsterPosition, müssten noch einmal so viele Stellen gestrichen werden, wenn die Übernahme doch noch gelingt. IBM führte jetzt kartellrechtliche Probleme an im Bandspeicherbereich sowie im Unix-Servermarkt, die gegen eine solche Transaktion gesprochen haben.
 



Auch ohne Übernahme baut Sun Stellen im Rahmen des letzten Abbauprogramms ab. In der Schweiz würde eine Übernahme von Sun, wo gegenwärtig 300 Personen beschäftigt sind, eine rasche Streichung von 20% der Stellen bewirken – abgesehen vom gegenwärtig noch nicht umgesetzten jüngsten Restrukturierungsplan, weil es beim Produkteportfolio einige und bei den Kunden zahlreiche Überlappungen gibt. Weitere 15 bis 20% der Stellen liessen sich mittelfristig einsparen, wenn gemeinsamen Dienste zusammengelegt würden, wie Personen, die mit der Situation bei Sun vertraut sind, gegenüber «Handelszeitung Online» bestätigen. «Unter dem Strich liess sich ein Drittel der Stellen einsparen, ohne qualitativ spürbare Folgen für die Kunden.» Wenig befürchten müssten Spezialisten mit Kundenkontakten wie Account Manager oder Systemingenieure. IBM hatte als letzte grössere Milliardenübernahme das Softwarehaus Cognos gekauft, aber die Strukturen – abgesehen von Backofficefunktionen – weitgehend intakt belassen, um die eingekaufte Kundenbasis zu erhalten.

IBM würde im Bereich der für viele Firmenkunden wichtigen Grossrechner mit dem Betriebssystem «Unix», wo Sun die Hälfte des Marktes und IBM sowie HP die andere Hälfte halten, entscheidend Boden gutmachen. Die meisten Kernbankensysteme schweizerischer Kantonal- und Regionalbanken laufen auf solchen Unix-Servern.

Laut dem «Wall Street Journal» hatte sich Sun auch Hewlett-Packard (HP) erfolglos angedient. Nach dem Scheitern der IBM-Sun-Liaison sollen Sun-Vertreter das Silicon Valley nach einem anderen potenziellen Käufer abgeklappert haben. Auch hierzu war keine Stellungnahme erhältlich. «Das ist ein verzweifelter Versuch von IBM, das Geschäft nach zwei Quartalen mit schrumpfenden Umsätzen wieder anzukurbeln», heisst es in einem HP-internen Papier zur möglichen Verschiebung der Wettbewerbslandschaft, das «Handelszeitung Online» vorliegt. «Das wäre eine riesige Herausforderung aufgrund der überlappenden Produkteportfolios, Jobs und der Kundenbasis.» Tatsächlich gab es in der Vergangenheit wenige geglückte grosse Übernahmen im Computerbereich – davon kann gerade IBM-Rivale HP ein Lied singen. Denn auch nachdem HP selber Compaq gekauft hatte, existierte in Nischen die Kultur von Digital Equipment weiter – obwohl dieser Serverkonzern seinerseits fünf Jahre zuvor von Compaq gekauft worden war.