Für Ulrich Graf, den exekutiven Präsidenten der Rümlanger Kaba Holding, ist eines sonnenklar: «Eine so langjährige, herausragende Erfolgsgeschichte wie diejenige von Kaba kann nur dank hervorragender Strategie und ihrer optimalen Umsetzung gelingen.» Der Erfolg des während 18 Jahren von ihm geführten Unternehmens gibt ihm Recht. Graf setzt dabei hauptsächlich auf gezielte personelle Dispositionen und einwandfrei funktionierende Führungsprozesse.

Die richtige Strategie bestimmen

«Vorausschauen, wie sich die Unternehmung zu verändern hat», umschreibt Graf den wichtigen Versuch der Zukunftsdeutung, um daraus den richtigen Weg fürs Unternehmen abzuleiten. Den Veränderungsprozess sollten seiner Meinung nach der Verwaltungsrat und die oberste Geschäftsleitung gemeinsam definieren – sofern das Zusammenspiel zwischen ihnen gut funktioniere. Dabei seien besonders die Bereiche Innovation, Funktionalität und Qualität, Kosten und Produktivität sowie Zeit und Logistik zu beachten.

Es klinge zwar zugegebenermassen banal, wenn komplexe Strategieüberlegungen reduziert würden auf einen Fragenkatalog wie: Was machen wir? Machen wir das Richtige? Wie machen wir es? Machen wir das Richtige richtig? Wer macht es? Machen es die richtigen Leute? «Die richtige Beantwortung all dieser Fragen ist aber trotzdem entscheidend», beharrt Graf. Er räumt ein, dass viele am Prozess Beteiligte in der Regel recht gut wüssten, wie sich das Unternehmen zu verändern habe, und sogar, wie diese Veränderung herbeigeführt werden könnte, nur: «Sie tun es häufig zu langsam.»

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Rechtzeitig agieren

«Wer sich nicht vorstellen kann, wie sein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren aussehen wird, und sich nicht entsprechend verändert, scheitert», ist Graf überzeugt. Auch hier seien es wiederum zentrale Fragen, die diese Vorstellungen konkretisierten: Wie präsentieren sich unsere Produkte und Dienstleistungen? Wie verändern sich die Märkte und Kundensegmente?

Da die Reaktion auf veränderte Parameter und damit auch die Umsetzung der notwendigen Veränderungen ihre Zeit brauchen, sei es wichtig, rechtzeitig zu agieren, meint Graf, am besten nach dem Motto: «Verändere, solange deine Handlungsfreiheit intakt ist, nicht erst unter Leidensdruck, mit dem Rücken zur Wand!»

Bei der Festlegung der Strategie habe sich überdies seiner Erfahrung nach auch der Grundsatz bewährt, dass kurzfristiges Gewinnstreben mit zukunftsträchtigen Investitionsprojekten in Einklang gebracht werden müssten, dass aber zu viele langfristige Projekte kurzfristig in den Abgrund führten.

Die richtigen Mitarbeitenden

«Eine noch so klug ausgedachte Strategie greift nur mit den richtigen Mitarbeitenden, die am richtigen Ort eingesetzt sind», erläutert Graf den Humanfaktor seiner Strategieumsetzung. Ausgeklügelte Ziele, deren Messung und stetige Verbesserung seien nutzlos, wenn im Unternehmen die notwendige Fachkompetenz fehle. Für die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Strategieumsetzung hält Graf denn auch eine sorgfältige Kader- und Mitarbeiterselektion.

Umsetzen heisst richtig führen

«Wer verändern will, muss führen – wer führt, verändert», erklärt Graf. Die Entwicklung von Kaba zur heutigen Hightech-Gruppe sei eine «never ending change management story», die auf klaren Führungsvorstellungen basiere. Flache Hierarchien? Selbstlernende Organisation? «Das sind in diesem Kontext Fremdwörter», macht Graf klar. Er selbst habe gerne auf Führungsgrundsätze vertraut, die aus seiner eigenen Militärdienstzeit stammten, weshalb sich in seinem Vokabular immer noch so markante Grundsätze fänden wie «Stelle als Führungsperson deine Person in den Mittelpunkt». Das bedeute in der Umsetzung, ganz bewusst «ich will» zu sagen und nicht «es geht darum …» oder «man sollte …».

Neben einer vernünftigen Balance zwischen dem Blick auf die Gegenwart und dem Blick in die Zukunft hält Graf die unzweideutige, zweckmässige Führungsarbeit für einen nicht leicht zu kopierenden Konkurrenzvorteil. Der zudem sicherstelle, dass die Strategie nachhaltig wirke. Als humorvolle Faustregel für eine erfolgreiche Strategieumsetzung empfiehlt er: «Gackern und Eierlegen sollten mittelfristig in einem ausgeglichen Verhältnis zueinander stehen. Wähle im Zweifelsfalle Letzteres.