Die Bombe ist geplatzt: Post-VR-Präsident Claude Béglé hat am Dienstagabend seinen sofortigen Rücktritt erklärt. In einer persönlichen Stellungnahme liess er verlauten, dass ihn die massiven persönlichen Angriffe zu diesem Schritt bewogen hätten. Damit stelle er die Interessen der Post über seine eigenen.
Das Chaos an der Führungsspitze der Post ist nicht das einzige Problem des Gelben Riesen. Auch auf operativer Ebene schwelen diverse Konfliktherde. Läuft alles wie geplant, braucht der Konzern im Bereich Briefzustellung bald deutlich weniger Personal als heute. Und als Bundesbetrieb kann die Post kaum Entlassungen im grossen Stil durchziehen. Derzeit beschäftigt der Bereich Zustellung rund 12 000 Angestellte.

Ein Grossprojekt zum Kostensparen: Künftig sollen in den neuen Briefverteilzentren die Postsendungen bereits so sortiert werden, dass der Briefträger sie nur noch mitnehmen kann. Sie stimmen also bereits exakt mit seiner Zustellroute überein. «Gangfolgesortierung» nennt sich das im Post-Jargon. Was technisch klingt, ist Gold wert für die Post - und Gift für die Anzahl Arbeitsplätze. Denn bisher werden die Sendungen in den einzelnen Poststellen für die Routen von Hand und von ausgebildetem Personal sortiert. Das ist teuer und sehr zeitintensiv.

Weitere Pilotprojekte geplant

Wie weit ist die Post mit diesem Projekt? Sprecher Oliver Flüeler erklärt, man sei in einem frühen Stadium der ersten technischen Versuche. Derzeit würden zwei Pilotprojekte laufen. Das erste in der Romandie, wo den Kunden die Post erst am Nachmittag zugestellt wird. In Gossau SG werden im Logistikzentrum technische Aspekte überprüft. Weitere Pilotprojekte sollen folgen. Was die maschinelle Sortierung für die Anzahl Stellen bedeute, könne heute noch nicht genau beziffert werden, so die Post. Klar ist aber: Bei einer flächendeckenden Umsetzung ist eine massive Arbeitsplatzreduktion im Bereich Zustellung unvermeidbar.

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Massive Einsparungen erzielt

Ein solches Szenario passt jedoch schlecht ins Bild, das die Post derzeit in der Öffentlichkeit von sich zeichnet. Im Hinblick auf die Beratungen in der nationalrätlichen Kommission zum neuen Postgesetz streicht sie ihre Anstrengungen im Service public heraus. Etwa mit der Mitteilung, sie werde bis 2012 neue Poststellen mit Beratungszonen für Finanzprodukte von PostFinance ausstatten. Oder dass es in Post-Agenturen möglich wird, mit Maestro-Karten bargeldlos einzuzahlen.

Parallel dazu dreht die Post im Hintergrund weiter an der Kostenschraube. So konnte sie im abgelaufenen Geschäftsjahr dank den neuen Briefsortierzentren bereits rund 170 Mio Fr. einsparen.