Das Motto der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge in Hannover könnte treffender nicht sein: «Nutzfahrzeuge für alle unterwegs». Es beschreibt exakt die dominierende Rolle des Lastwagens in der Güterversorgung aller Länder der Welt. Der Güterverkehr wird in den kommenden Jahren in allen Wirtschaftsregionen – Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien sowie Afrika weiter zunehmen und das Nutzfahrzeug wird in Zukunft mit grossem Abstand das wichtigste Transportmittel bleiben.

Dementsprechend werden alle massgebenden Hersteller in den wichtigsten Märkten weiterhin hohe Anstrengungen unternehmen, um das Nutzfahrzeug der Zukunft noch leistungsfähiger, gleichzeitig aber auch umweltfreundlicher zu gestalten. Schon heute kann festgestellt werden, dass in den vergangenen Jahren mit der Einführung der Euro-Normen 1 bis 5 rund 90% der Emissionen und rund 95% der Partikel eingespart wurden.

Warum alles dreimal machen?

Mit erheblichen Investitionen arbeiten alle Hersteller an noch effizienteren Fahrzeugen, wie Andreas Renschler, Mitglied des Vorstandes der Daimler AG und verantwortlich für das weltweite Nutzfahrzeuggeschäft des Konzerns, am diesjährigen Presse-Workshop des Verbandes der Automobilindustrie VDA feststellte. Seiner Meinung nach müssen in Zukunft die Rahmenbedingungen innerhalb deren die Hersteller arbeiten, verbessert werden. Insbesondere die Harmonisierung der weltweiten Abgasnormen muss (endlich) angepackt werden. «Heute gibts es allein in den Kernmärkten USA, Europa und Japan drei verschiedene Emissionsstandards. Lastwagen müssen deshalb drei verschiedene Testzyklen durchlaufen und drei unterschiedliche Grenzwerte einhalten. Für einen global aufgestellten Hersteller wie Daimler Trucks bedeutet das: «Jeder Motor muss dreimal entwickelt werden, das dauert dreimal so lange und verlangt unter Umständen die dreifachen Investitionen», so Renschler.

Anzeige

Diese überflüssige Parallelität schadet den Herstellern, den Kunden und nicht zuletzt auch der Umwelt. Ebenso wichtig ist nach Meinung von Renschler aber auch der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. «Der schlimmste Stau ist der Inves-titionsstau in der Verkehrspolitik,» monierte Renschler. Allein in der EU belaufen sich die Steuern aus dem Automobilsektor auf rund 360 Mrd Euro, aber nicht einmal 1% davon wird für eine bessere Verkehrsinfrastruktur ausgegeben.

Neben der Effizienzsteigerung im Antriebsstrang eines Nutzfahrzeuges ist aber auch die Steigerung der Verkehrssicherheit ein dominierendes Anliegen der Hersteller. Hakan Samuelsson, Vorstandsvorsitzender des MAN-Konzerns und früherer Vorstandschef der MAN Nutzfahrzeuge AG, betonte am Presse-Workshop, dass die modernen elektronischen Sicherheitssysteme im Nutzfahrzeug einen entscheidenden Beitrag leisten, die Zahl der Unfälle mit Nutzfahrzeugen zu reduzieren. Allerdings bedauerte Samuelsson, dass die Ausstattungsquote neuer Lastwagen mit den verschiedenen Sicherheitssystemen noch sehr bescheiden sei. «Sie liegt im einstelligen Prozentbereich, so Samuelsson. Seiner Ansicht nach bedarf es intelligenter Anreizsysteme, um die Nachfrage nach den Sicherheitssystemen zu fördern.

Miteinander der Verkehrsträger

Soll das in Zukunft weiter ansteigende Güterverkehrsvolumen sinnvoll bewältigt werden, braucht es eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Schiene und Strasse kann noch deutlich optimiert werden. Vor allem gilt es, die hohe Flexibilität des Nutzfahrzeuges in der Feinverteilung mit den Vorteilen des Langdistanz-Transportes der Schiene zu kombinieren. Es macht keinen Sinn Container, schwere Stahlrollen, Baumaterialien, Flüssigprodukte und auch Automobile über lange Distanzen quer durch Europa mit dem Lastwagen zu transportieren. Solche Güter gehören auf die Schiene. Aber – und hier haken die Verlader ein – die Schiene muss ihre Leistungsfähigkeit sowie Pünktlichkeit und Transportqualität noch erheblich steigern, um den Anforderungen der verladenden Wirtschaft auch gerecht werden zu können. Auf Transportstrecken über 300 km müssen die beiden Verkehrsträger in Zukunft noch besser vernetzt werden, als dies bisher der Fall war.