Susann Schmid hat schon als Dreikäsehoch zwischen Holzspänen und Brettern in der Fabrik ihres Vaters gespielt. Und noch vor dem ABC hat sie gelernt, die Holzarten zu unterscheiden. Schliesslich wurde sie aber Arztgehilfin, arbeitete im kaufmännischen Bereich und landete erst später im elterlichen Betrieb.

Als ihr Vater, der mehr als fünf Jahrzehnte die Fabrik geleitet hatte, einen Herzinfarkt erlitt und arbeitsunfähig wurde, entschloss sie sich spontan, das Szepter zu übernehmen. Auf dem Spiel stand schliesslich eine 125-jährige Familientradition. Für die Quereinsteigerin war es vor sieben Jahren ein Sprung ins kalte Wasser. Schnell setzte sie sich jedoch durch und lernte, mit ihren wichtigsten Kunden, den Architekten und Bauherren, geschickt zu verhandeln.

«Wir sind die einzige Parkettfabrik in der Schweiz, die nur verkauft, was sie auch selber herstellt», erklärt Susann Schmid. Im Gegensatz zu den Konkurrenten, von denen es landesweit noch drei gibt, wird also nicht zusätzlich mit importiertem Parkett gehandelt. Die Chefin deutet damit an, dass ihr KMU eines der letzten einheimischen überlebenden in einer Branche ist, die einstmals florierte - bis der Spannteppich in den 1960er-Jahren in Mode kam.

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Rezept gegen globale Konkurrenz

Seit ein paar Jahren jedoch feiert der Parkettboden ein Revival. Von diesem Trend profitieren primär Hersteller in Osteuropa und China, die den Markt mit «Klötzliparkett» geradezu überschwemmen. «Beim erbitterten Preiskampf, der sich da abspielt, können wir nicht mithalten», sagt Schmid.

Gegen die scheinbar übermächtige globale Konkurrenz hat sie aber ein Rezept gefunden. Klare Fokussierung auf eine Nische, heisst die Devise. «Unsere Stärke liegt darin, dass wir das Parkett ausschliesslich nach den individuellen Wünschen unserer Kunden herstellen», betont sie. Nichts wird auf Lager produziert. Immer handelt es sich um Einzelanfertigungen, von einfachen Riemenböden, Dielen, Brettern bis zu exklusivem Tafelparkett in verschiedensten Mustern und Holzarten. Auch Intarsien - kunsthandwerkliche Einlegearbeiten - gehören zum Angebot.

Einen besonderen Namen hat sich die Firma mit der Restauration von alten Parketttafeln und Felderböden geschaffen. «Hier geht es um die Erhaltung von wertvollem Kulturgut», sagt Schmid. Als Mitglied der deutschen Bundesfachgruppe der Parkettrestauratoren gilt sie inzwischen als ausgewiesene Expertin auf diesem Gebiet. Das verhilft ihr zu vielen Aufträgen auch in Deutschland, zum Beispiel im Schloss Charlottenburg in Berlin. Die Referenzliste der Firma umfasst ohnehin viele historische Gebäude, von Schlössern, Kirchen und Rathäusern bis zu berühmten Hotels.

Wachstum wäre Qualitätsrisiko

Die Aufträge in öffentlichen Gebäuden und Geschäftslokalen sind beste Werbung für die Firma, die nur auf die Mundpropaganda setzt. Allerdings bilden sie nicht das Kerngeschäft. «90% unseres Umsatzes tätigen wir mit Privatkunden im Wohnungsbau», lässt Schmid durchblicken. Ihr Parkettboden ist zwar um 25% teurer als ein importiertes Fertigprodukt. Doch die Bauherren erhalten dafür einen klaren Mehrwert. «Wir bieten Qualität, abgestimmt auf die Kundenwünsche, und begleiten den ganzen Prozess, von der ersten Beratung bis zur Pflege.»

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Mit dieser Qualitätsstrategie rennt die Unternehmerin offene Türen ein. Ihre Mitarbeiter haben seit Jahren alle Hände voll zu tun, auch im Krisenjahr 2009. Stellte die Chefin nur auf die Nachfrage ab, hätte sie längst expandieren können. Lieber will sie klein bleiben, dafür aber beim Qualitätsniveau und in der Kundenbetreuung keine Abstriche machen.

Gleichzeitig will sie offen bleiben für Neues. «Parkett kann, auch wenn das Rad in dieser Welt grundsätzlich nicht mehr neu erfunden werden muss, im Detail stets verbessert werden», sagt sie. Eine weitere Herausforderung ist es, bei den technischen Neuerungen im Fertigungsprozess mitzuhalten. Hinzu kommt der tägliche Kampf um Qualität. Auf den Baustellen beispielsweise gilt es zu verhindern, dass die Handwerker das Parkett zu früh verlegen, noch bevor die Unterlagsböden ausgetrocknet sind. «Wenn wir etwas machen, dann richtig.»

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Leicht amüsiert erinnert sich Schmid zurück an ihren Einstieg. Damals mangelte es nicht an Einflüsterern und Beratern, welche die junge Geschäftsführerin mit guten Ratschlägen bestürmten. Viele wollten das KMU gleich kaufen oder sich zumindest daran beteiligen. «Ich war aber überzeugt, dass ich meinen eigenen Weg gehen musste», meint Schmid.