Mit dem Einstieg von Forbo beim Industriekonzern Rieter im vergangenen Sommer haben Sie auf breiter Front irritiert. Nun hinterfragen Sie die Beteiligung - ein Verkauf ist offenbar eine Option. Warum?

This Schneider: Es hat sich überhaupt nichts geändert: Wir halten uns aber alle Optionen offen, planen aus heutiger Sicht aber weder einen Verkauf noch eine Aufstockung der Beteiligung.

Die mittelfristigen Aussichten für Rieter sind wenig rosig - die Textilmaschinen- und die Autozulieferer-Division leiden unter schwachen Märkten. Nehmen Sie nach 79 Mio Fr. im Jahr 2008 auch 2009 weitere Wertberichtigungen auf das Rieter-Paket in Kauf?

Schneider: Es ist richtig, dass weitere Wertberichtigungen im Umfang von 15 bis 20 Mio Fr. auf Forbo zukommen, wenn der Rieter-Aktienkurs am 31. Dezember 2009 auf dem aktuellen Niveau liegt.

Zusammenfassend muss man sagen: Das Rieter-Investment ist für Forbo - und die Aktionäre - ein Debakel.

Schneider: Der Einstiegszeitpunkt war aus heutiger Sicht sicher nicht optimal. Oder haben Sie es geschafft, die Finanzkrise vorauszusehen?

Leider nicht.

Schneider: Eben, sehen Sie! Die Welt hat sich seither verändert. Trotzdem hat Forbo - Sonderbelastungen wie etwa die Wertberichtigung auf den Rieter-Aktien ausgenommen - 2008 ein solides Resultat geliefert. Nämlich das zweitbeste ihrer Geschichte.

Aber das Rieter-Investment hat Ihnen das Ergebnis versalzen.

Schneider: Wie gesagt, war der Zeitpunkt unseres Einstiegs nicht optimal. Als wir eingestiegen sind, hatte sich der Rieter-Aktienkurs bereits halbiert. Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mittelfristig bin ich nicht so pessimistisch wie Sie. Rieter hat ausgezeichnete Produkte, starke Marken und ist in den Märkten und für den Aufschwung gut positioniert. Der Textilmaschinenbereich wird rasch profitieren, wenn sich die Märkte erholen.

Forbo und Rieter haben Gespräche über grundsätzliche Optionen für eine Zusammenarbeit geführt. Wo sehen Sie Potenziale?

Schneider: Über die Gespräche kann ich keine Angaben machen. Wie in solchen Fällen üblich, bleiben diese vertraulich.

Hat Forbo Interesse an Rieter oder Teilen davon?

Schneider: Die Wirtschaftskrise hat die Prioritäten sowohl bei Forbo als auch bei Rieter verschoben. Im Moment finden keine solchen Gespräche statt.

Werden die Treffen später fortgesetzt?

Schneider: Forbo prüft immer wieder Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit attraktiven Unternehmen, zu denen auch Rieter gehört. Wenn ein Schulterschluss aus Aktionärssicht Sinn machen sollte, prüfen wir solche Vorhaben.

Der Unternehmer Peter Spuhler will ebenfalls mit einem namhaften Paket von rund 17% bei Rieter einsteigen. Was halten Sie davon?

Schneider: Ich begrüsse es, wenn ein erfolgreicher Unternehmer wie Spuhler auch von Rieter überzeugt ist. Es bestätigt, dass unser Entscheid zum Einstieg grundsätzlich richtig war. Peter Spuhler wird bei Rieter viel wertvolles Know-how einbringen können.

Peter Spuhler könnte sich vorstellen, in den Rieter-VR gewählt zu werden. Sie auch?

Schneider: Ich wurde von Rieter angefragt, ob ich mich zur Verfügung stellen würde. Wir sprechen zurzeit darüber.

Die Wertberichtigung auf die Rieter-Beteiligung sowie weitere Sondereffekte haben Forbo 2008 stark belastet. Wie wird sich die Forbo-Bilanz 2009 entwickeln?

Schneider: Die Sonderbelastungen, aber noch mehr die negativen Währungseffekte haben unser Eigenkapital belastet. Wir sind nach wie vor solide finanziert. Wir werden in den laufenden Jahren die Nettoverschuldung mit unserem freien Cashflow weiter reduzieren.