Dass man «für eine handvoll Dollar» von der Schweiz über den Atlantik fliegen kann, ist nicht erst seit der aktuellen USA-Aktion der Swiss eine Tatsache. Für unter 1000 Franken - inklusive aller Taxen und Gebühren - verscherbeln viele Airlines ihre Plätze in der Economy Class mit einer gewissen Regelmässigkeit.

Ungewohnt ist, dass man «für eine paar Dollar mehr» in der Business Class nach Amerika reisen kann: Mitte März nimmt Air Berlin ihre Flüge von Düsseldorf nach New York wieder auf, die sich neu sowohl mit Zürich als auch Basel kombinieren lassen. «Unser günstigster Tarif dafür ist 2457 Franken», erklärt Stefan Gutknecht, Schweizer Verkaufschef von Deutschlands zweitgrösster Fluggesellschaft. Damit liegt Air Berlin unter der Schallgrenze von 3000 Franken und fast 500 Franken unter dem vorher billigsten Umsteigeflug sowie fast 1800 Franken unter der billigsten Direktverbindung (siehe Tabelle).

Während man sich zu Beginn noch mit drei Anschlüssen in der Woche begnügen muss, kann man ab Anfang Mai täglich von Zürich via Düsseldorf oder Berlin nach New York fliegen, so Gutknecht weiter. Vorderhand dreimal wöchentlich geht es mit Air Berlin von Basel via Düsseldorf nach New York, ebenfalls ab Anfang Mai. Dazu kommen im nächsten Sommer Ziele in Florida und Kalifornien.

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Air Berlin mischt den Markt auf

«Der neue New-York-Flug von Air Berlin ist eine sehr günstige Business-Class-Alternative. Im Vergleich zu ähnlichen Strecken ab Zürich mit einem Zwischenstopp liegt je nach Airline ein Sparpotenzial von 18 bis 25 Prozent drin», sagt Matthias Thürer vom Online-Reisebüro Ebookers Schweiz. Und ergänzt: «Man muss aber erwähnen, dass die Business Class von Air Berlin mit den aktuellen Standards nicht zu vergleichen ist.» Sie bietet beispielsweise kein flaches Bett, weniger Beinfreiheit, schmalere Sitzplätze und ein reduziertes Unterhaltungssystem. Zudem gibt es auf den Zubringerverbindungen zwischen der Schweiz und Deutschland nur eine Klasse, nämlich die Economy Class.

Dennoch: Wer jetzt von der Schweiz in die USA fliegt, profitiert vom Wettbewerb. Auf der wichtigsten Rennstrecke nach New York konkurrenzieren sich die grossen Luftfahrt-Allianzen unerbittlich. «Die Fluggesellschaften bauen ihre Kapazitäten teilweise stärker aus, als die Buchungslage dies eigentlich zulässt», stellt David Fintzen, Analyst bei Barclays, fest. Ab Frankfurt und Paris dürften mit dem neuen Flugplan 3 bis 4 Prozent mehr Kapazitäten im Angebot stehen als zuvor, ab München und Zürich sind es 5 bis 7 Prozent, ab London-Heathrow gar um die 10 Prozent. «Gestützt auf unsere Erfahrung geben solche Kapazitätsveränderungen gute Hinweise über das zukünftige Preisniveau oder Anpassungen an die Marktverhältnisse», ergänzt Fintzen.

Nach den jüngsten hohen Millionenstrafen der EU aufgrund von Preisabsprachen etlicher europäischer Airlines sind die Sprecher der Fluggesellschaften zurückhaltend geworden, wenn es um den Wettbewerb geht. «Jede Airline und Allianz will sich ein grösseres Stück vom wieder wachsenden Kuchen der Geschäftsreisenden abschneiden», sagt Gianni Tronza, Regional Director Core Europe von American Airlines und Schweizer Sprecher der Oneworld-Allianz. «Dabei gibt es eine aggressive Preispolitik, weil die Fluggesellschaften Volumen binden möchten.» Viel tiefer würden die Tarife indes nicht fallen, glaubt Tronza. «Die Preispolitik ist eine Gratwanderung, denn praktisch unbemerkt ist das Rohöl auf ein Zweijahreshöchst gestiegen.»

Diplomatisch formuliert es auch Thomas Brandt, Sales Manager für Deutschland und die Schweiz von Delta Air Lines: «Wir sind es gewohnt, in vielen unserer weltweiten Märkte in einem Umfeld mit starker Konkurrenz zu arbeiten. Wir glauben, dass starke Konkurrenz am Ende gut für den Kunden ist und Delta bietet in allen Märkten und Marktsegmenten, die wir bedienen, konkurrenzfähige Preise an.»

Oneworld kontra Star Alliance

«Beides muss heute stimmen: Preise und Service», sagt Gavin Halliday, EuropaChef von British Airways. «Es ist als Airline viel weniger riskant, Bestehendes zu verbessern, als neue Märkte zu erschliessen», sagt er zur Strategie der Airline, die auch dank schwächerem Pfund auf die Schweizer Geschäftskunden abzielt. Mit der Vollmitgliedschaft von Air Berlin im Jahr 2012 in der von British Airways und American Airlines geführten Oneworld-Allianz komme das Preisgefüge laut Halliday wieder ins Wanken. Der Vebrund ist auf dem Schweizer Markt direkte Konkurrenz zur Star Alliance um Swiss-Mutter Lufthansa.

Innerhalb der Star Alliance nimmt man dies gelassen: «Wir haben auch im Nordatlantikgeschäft einen besseren Buchungsstand als noch vor einem Jahr», sagt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel. Ernst Kaufmann, Sales Manager Switzerland von United Airlines, pflichtet ihm bei: «Wir sehen keine Veränderungen bei den Business-Class-Preisen.»

Ihre Aussagen stützen Beobachtungen von Ebookers für die Tarife in der Schweiz. «Auf der Strecke zwischen Zürich und New York haben wir festgestellt, dass die Business-Class-Preise im Vergleich zum Vorjahr nur leicht erhöht wurden», sagt Marketingleiter Thürer. Durchschnittlich habe die Zunahme 7 Prozent betragen. Einige Airlines wie die Swiss hätten aus Marketinggründen die tiefste Buchungsstufe in der Business Class sogar auf dem gleichen Preisniveau belassen.

Wer billig über den Atlantik fliegen will, findet heute unschlagbare Angebote - ohne Umsteigen gehts jedoch nicht.