Nachhaltige Anlagen sind mit der Diskussion um den Klimawandel vermehrt ins Blickfeld der Investoren gerückt. Nebst den Privatanlegern, die das Thema Nachhaltigkeit bereits in den 90er Jahren entdeckt haben, legen vermehrt auch institutionelle Investoren, wie etwa Pensionskassen, einen Teil des Vermögens nachhaltig an. Dabei stützen sie sich auf Umweltstudien, die von einer substanziellen Erwärmung ausgehen. Professor Reto Knutti vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich sprach an einem Sustainability-Workshop der Swiss Life vom «Klimawandel als Megatrend für das 21. Jahrhundert». Paläoklimatische Informationen würden die Interpretation stützen, dass die Wärme des letzten halben Jahrhunderts für mindestens die letzten 1300 Jahre ungewöhnlich sei. Die Klimaänderung ist für den Wissenschafter eine Tatsache. «Der Mensch ist sehr wahrscheinlich zum grössten Teil dafür verantwortlich», folgert er. Die Frage sei nicht ob, sondern wie viel sich das Klima in der Zukunft ändern werde. Knutti ist überzeugt, dass sich mit erneuerbaren Energien und neuen Technologien ein erheblicher Teil des Problems schon heute lösen lässt. Zudem könnten die CO2-Emissionen mit einer gesteigerten Energieeffizienz drastisch reduziert werden.

Technologiesprünge

Zu den erneuerbaren Energien (siehe Kasten) gehören die Solarenergie und die Windkraft. Der Solarstrom muss sich im Vergleich zur herkömmlichen Elektrizität allein schon aus Kostengründen erst noch beweisen. Zahlreiche Länder haben mit Subventionen im Bereich Sonnen- und Windenergie für einen massiven Startschub gesorgt. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich der Preis für diese alternativen Energien innerhalb der nächsten drei Jahre demjenigen für Elektrizität aus Braunkohle angleichen werde.

Das Wachstum ist bei diesen noch jungen Energiearten rasant. Das spiegelt sich auch in den Aktienkursen von Solarfirmen wie Sunpower, Evergreen Solar, First Solar oder Meyer Burger, die einen Höhenflug hinter sich haben, jüngst aber vom Börseneinbruch nicht verschont blieben. Trotzdem sind die Bewertungen in der Solarbranche mit dem knapp 80-Fachen des Umsatzes weiterhin äusserst stolz. Für Christoph Steiger von SAM Sustainable Asset Management ist aber absehbar, dass die Photovoltaik «dank industrieller Produktion, Effizienzgewinnen und Technologiesprüngen immer wettbewerbsfähiger wird». In den Portfolios von nachhaltigen Anlagefonds finden sich entsprechend häufig auch die Titel von Solarworld und Q-Cells, die von der staatlichen Anschubfinanzierung in Deutschland erheblich profitiert haben und sich nun als globale Marktführer präsentieren.

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In zahlreichen Ländern beidseits des Atlantiks ist die Windkraft vor allem in küstennahen Gebieten zu einer wichtigen Energiequelle geworden. Branchenexperten prophezeien dieser Stromquelle eine grosse Zukunft, obwohl die Einspeisung ins Netz wegen der unterschiedlichen Windstärken sehr unregelmässig erfolgt. Die Nachfrage nach Windrädern ist weltweit ungebrochen. Anlagenbauer wie die dänische Vestas oder die deutsche Nordex verfügen über hohe Auftragsbestände.

Der Klimawandel bewirkt auch eine Wasserknappheit. Das verlangt nach einer effizienteren Bewässerung. Gleichzeitig sind die Wasserleitungen in vielen Grossstädten der Industrieländer veraltet und müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden. Firmen mit innovativen Produkten eröffnen sich im Bereich Wasserinfrastruktur grosse Chancen. Dazu gehören etwa neuartige Plastikröhren.

Klimawandel als Katalysator

Die mehrjährigen Dürreperioden aufgrund des Klimawandels sorgen dafür, dass die Erntemengen für Agrarrohstoffe in zahlreichen Weltregionen zurückgehen. So ist die Produktionsmenge für Weizen in Australien, einem der wichtigsten Exportstaaten, über die vergangenen drei Jahre hinweg von knapp 16 Mio t auf 8,5 Mio t gefallen. Im gleichen Zeitraum hat sich der Welthandelspreis für Weizen verdreifacht.

Das Anlageuniversum ist bei nachhaltigen und ökologischen Fonds breit ausgelegt. Zu den Kernsegmenten zählen jeweils die Themen alternative Energien, Wasser, Healthy Living und Ressourceneffizienz. Es gibt auch Fondsmanager, die unter dem Nachhaltigkeitsaspekt gewisse Firmen konsequent ausschliessen. Dazu zählen etwa Tabak- und Rüstungskonzerne ebenso wie Autobauer. Diese Kategorisierung ist jedoch problematisch. Bei den Automobilkonzernen gilt es sorgsam zu unterscheiden. Daniel Muntwyler, Geschäftsleitungsmitglied bei SAM Sustainable Asset Management, stuft beispielsweise Toyota als «Nachhaltigkeits-Leader» ein. Das lässt sich auch am Aktienkurs des japanischen Autoproduzenten ablesen, der im Verglich etwas zu General Motors deutlich besser abgeschnitten hat. Die Hybrid-Technologie, bei der Toyota Pionierarbeit geleistet hat, gilt heute als Clean Tech.

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