«Wer in China war, hat mehr Anpassungsfähigkeit, Neugierde und Offenheit bewiesen als jemand mit Auslandaufenthalt im deutschsprachigen Raum oder in Westeuropa», sagt René Bernhard vom Verein Daxue (ausgesprochen da-schüä, Universität auf Chinesisch). Für Unternehmen, die in Asien engagiert sind, könne China-Erfahrung der entscheidende Faktor bei der Stellenbesetzung sein.

Der Verein hilft

Jene, die nicht wissen, worauf es in China ankommt und was man vor der Einreise alles organisieren muss, können sich an Daxue wenden. Der Verein hilft Studenten und Absolventen, ihren Aufenthalt Schritt für Schritt zu planen. Im Programm sind darüber hinaus Knigge-Kurse und Einführungen in chinesische Kalligraphie. «Wir wollen potenzielle Austauschstudenten oder Praktikanten ermutigen, den Schritt nach China zu wagen», sagt Bernhard. Wie er sind alle 40 Daxue-Mitglieder ? Studenten und Absolventen verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen ? china-erprobt und china-begeistert. Manche derart, dass sie sich inzwischen in China niedergelassen haben.

Einer davon ist der 29-jährige Guido Greber, einer der Daxue-Gründer (siehe «Nachgefragt»). Der Wirtschaftsinformatiker war 2005 der erste Austauschstudent der Zürcher Hochschule für Wirtschaft in Peking und kann einen Aufenthalt in China wärmstens empfehlen.

 

 

NACHGEFRAGT


«Nie die Stäbchen in den Reis stecken»

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Guido Greber, Mitglied der Geschäftsleitung, Chinasourcing, Tianjin

Was fasziniert Sie daran, in China zu arbeiten?

Guido Greber: Die Dynamik, das Tempo und die Einstellung der Leute zur Arbeit ? sie gehen erst nach Hause, wenn sie alles erledigt haben und nicht, wenn Feierabend ist. Man kann in China einfach mehr bewirken und lernt fürs Leben. Ich denke, es ist momentan der richtige Ort, um alles über Management zu erfahren, auch wenn es manchmal eine harte Schule ist.

Werden Sie sich in China niederlassen?

Greber: Definitiv ja. Eine Rückkehr in die Schweiz habe ich nicht geplant.

Was raten Sie Hochschulabsolventen, die nach China aufbrechen wollen?

Greber: Sie sollten einen Grundkurs in Mandarin belegen. Die jungen Chinesen lernen zwar englisch, aber die ältere Generation hat noch immer Mühe damit. Auch ein Knigge-Kurs ist nützlich. Fehler im Umgang mit Chinesen werden gerade im Business oftmals lange oder gar nicht verziehen ? mit negativen Folgen für die Geschäftsbeziehungen.

Was sind Don?ts in China?

Greber: Da gibt es zahlreiche. Zu politischen Themen sollte man beispielsweise nur in der Ich-Form Stellung beziehen und die Diskussion nicht vertiefen. Auch sollte man sich nicht mit Regierungsbeamten anlegen, als Ausländer zieht man automatisch den Kürzeren. Wer sich in der Öffentlichkeit die Nase putzt, benimmt sich grob unhöflich. Und niemals die Stäbchen in den Reis stecken ? das ist ein Beerdigungsritual.