Das in der Schweiz täglich transportierte Gütervolumen hat in den vergangenen Jahren trotz eher stagnierender Wirtschaftsentwicklung nicht markant abgenommen. Im Gegenteil: Bedingt durch das Nacht- und Sonntagsfahrverbot für schwere Fahrzeuge hat eine Umverteilung der Transporte auf leichtere Fahrzeuge stattgefunden. Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht unterliegen keinen Fahrbeschränkungen und können erst noch mit dem PW-Ausweis gefahren werden.

Anderseits ist festzustellen, dass im Rahmen der optimierten Versorgung der Bevölkerung wie der Industrie - das Stichwort hierzu ist just-in-time - die Zahl der Fahrten eher zugenommen hat, die transportierten Mengen dagegen werden immer kleiner. Umso mehr drängte sich also eine gewisse Umlagerung zu leichten Transportfahrzeugen auf. In diesem Segment ist denn auch in den vergangenen Jahren im Vergleich ein deutlich geringerer Rückgang der Immatrikulationen zu verzeichnen zur mittelschweren und schweren Klasse.

Dieser Entwicklung Rechnung tragend haben alle massgebenden Hersteller leichter Nutzfahrzeuge ihre Angebote an modernen, wirtschaftlichen und leistungsfähigen Fahrzeugen ausgebaut. Gleichzeitig profitiert auch die leichte Klasse von den Erkenntnissen moderner Motorentechnologie, denn auch im Transporter gelangen vermehrt moderne Dieselmotoren und teilweise bereits auch alternative Antriebe wie Elektromotor oder Hybridantrieb zum Einsatz. Auch das Fahrzeugangebot erfuhr eine Ausweitung. Heute kann für praktisch jeden Transportauftrag ein geeignetes Fahrzeug erworben werden.

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Wer nur geringe Mengen transportieren muss, wie beispielsweise das Kleingewerbe, dem steht heute eine Vielzahl kompakter Kleintransporter zur Verfügung, welche teilweise über ansehnliche Laderäume von 1 bis 3 Kubikmeter Inhalt und Nutzlasten bis etwa 1000 Kilogramm verfügen. Zu diesen Stadtlieferwagen oder Multi-Use-Kombis zählen unter anderem der Citroën Berlingo, Jumpy und Nemo, der Renault Kangoo, der VW Caddy, der Peugeot Partner und Expert, der Fiat Qubo und Doblo sowie der Opel Combo.

Allradantrieb als Option

Für grössere Lasten ist die nächsthöhere Kategorie leichter Nutzfahrzeuge geeignet, Autos, welche eine Nutzlast zwischen 1000 und rund 1600 Kilogramm aufweisen. Auch in dieser Kategorie werden von den Herstellern die unterschiedlichsten Varianten produziert. Alle diese Modelle sind in der Lage, auch sperrige Güter wie Möbel zu transportieren, eignen sich also auch für Gewerbebetriebe sowie das Handwerk. Eine unterschiedliche Motorisierung erlaubt dem Benützer, auch leistungsmässig eine Abstufung vorzunehmen. Auch bei diesen Fahrzeugen ist eine deutliche Anhebung des Fahrkomfortes festzustellen, schliesslich verbringt die Chauffeuse oder der Chauffeur täglich mehrere Stunden hinter dem Volant. Dank breit zugänglicher Laderäume - meist via seitliche Schiebetüren - sowie als Zusatzausrüstung lieferbarer Hebebühnen wird das Beladen nicht zur Muskelarbeit.

Zahlreiche Hersteller von leichten Lieferwagen bieten vor allem in der Schweiz verschiedene Modelle mit Allradantrieb an - dies als ein Sicherheitselement, welches vor allem in Bergregionen mit saisonal schwierigen Fahrbedingungen geschätzt wird. Diese Fahrzeuge können in den Varianten Kastenwagen (mit geschlossenem Aufbau), als Kombi (mit Glasfenstern) oder als Kleinbus geliefert werden. Auch in dieser Kategorie wird auf eine vielfältige Nutzung der Fahrzeuge grossen Wert gelegt. Etliche dieser Modelle lassen sich doppelt nutzen, können doch die ursprünglich eingebauten Sitze/Sitzreihen herausgenommen und kann das Fahrzeug dann als Transporter verwendet werden. Zu den Lieferwagen mit Allradantrieb zählen beispielweise der Citroën C 25, der Fiat Ducato, der Iveco Turbo Daily, der Mercedes-Benz 310, der Mitsubishi L 200, der Nissan King Cab, der Opel Campo, der Peugeot J5, der Renault Trafic, der Toyota Hi-Ace, der Unimog U-90 und der VW Transporter synchro.

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Komfort wird grossgeschrieben

Leichte Lieferwagen müssen keineswegs hart gefederte und spartanisch ausgestattete Fahrzeuge sein. Im Gegenteil: Alle massgebenden Hersteller haben grosse Anstrengungen unternommen, um in diesen Fahrzeugen praktisch den gleichen Fahr- und Sitzkomfort wie bei einem Personenwagen anbieten zu können. Dies beginnt beim Fahrwerk, welches heute fast so aufwendig konstruiert ist wie bei einem Personenwagen. Aber auch im Innern haben sich diese Fahrzeuge stark verändert. Die vermehrte Verwendung textiler und farbenfroher Polster und Innenverkleidungen, der Einbau komfortabler, mehrfach verstellbarer Sitze, eine ergonomische Gestaltung der Armaturentafel sowie zusätzliche Accessoires wie Getriebeautomat, Servolenkung, Klimaanlage, elektrisch bedienbare Fenster, heizbare Aussenspiegel, Standheizung, Navigationsgerät oder Hi-Fi-Anlage machen diese Fahrzeuge zu bequemen Fortbewegungsmitteln.

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Im Weiteren sei auch auf die intensivierten Anstrengungen der Hersteller punkto Sicherheit hingewiesen; auch bei den Kleintransportern wie bei den leichten Nutzfahrzeugen wurden konstruktive Massnahmen ergriffen, um deren Widerstandsfähigkeit bei einem allfälligen Unfall zu erhöhen. Immer mehr leichte Nutzfahrzeuge können ausserdem heute mit ABS, ESP und mit mehreren Airbags geordert werden.

Die Umweltdiskussion macht auch vor den Nutzfahrzeugen nicht halt, deshalb scheuen die Hersteller derzeit keine Anstrengungen, diese Fahrzeuge so umweltfreundlich wie möglich auszulegen. Eine wichtige Rolle als Antriebselement spielt der Dieselmotor, eine der umweltfreundlichsten und wirtschaftlichsten Antriebsquellen für Nutzfahrzeuge, auch wenn manchmal wider besseres Wissen das Gegenteil behauptet wird. Zudem sind die Hersteller intensiv auf der Suche nach alternativen Antrieben wie Gasmotoren, Elektromotoren und Hybridsystemen. Dies benötigt allerdings noch Zeit.