Treten Lugano, Montreux oder Luzern auf dem internationalen Parkett als Kongressdestinationen auf, haben sie gegenüber klangvollen Metropolen wie Paris, London oder Barcelona einen schweren Stand. Anders ist es, wenn diese Schweizer Städte jetzt im Verbund der Swiss Convention Centres ihre Marketingmittel bündeln und die Attribute der Alpenrepublik, wie etwa Zuverlässigkeit, Sicherheit, Qualität, kulturelle Vielfalt ebenso wie die einmalige Landschaft, gemeinsam vermarkten. Neun Kongresszentren aus allen drei Sprachregionen haben sich zu einer Allianz gefunden, die gemeinsam mit Schweiz Tourismus eine Verkaufsoffensive im Ausland starten will (siehe Kasten). «Wir sehen ein grosses Potenzial für Verbände und andere Organisatoren von Grossanlässen», sagt Barbra Albrecht, Leiterin Produktmarketing Meetings bei Schweiz Tourismus. Ziel ist es, dem Kongressgeschäft mit 500 und mehr Teilnehmern in der Schweiz Auftrieb zu verleihen.

Standortvorteile nutzen

Mit der grossen finanziellen Kelle kann die Allianz nicht anrühren. Für Daniel Buchmüller, Marketingchef beim KKL Luzern und Vertreter der Swiss Convention Centres bei Schweiz Tourismus, ist es wichtig, «die Gelder zu konzentrieren, um damit eine Public-Relations-Plattform im Ausland sicherzustellen». Die neue Vereinigung will die Standortvorteile gezielt ausnützen. Bisher geschah dies in erster Linie bei den Grossfirmen, die allerdings schon mit 150 Gästen, untergebracht in einem Hotel der Luxusklasse, an Grenzen stiessen.

Die Bedürfnisse der Verbände und Berufsorganisationen sind bei der Beherbergung anders gelagert: Gesucht werden Hotels im Zwei- bis Fünfsternebereich. «Da wollen wir die Schweiz für grössere Meetings positionieren», umschreibt Barbra Albrecht die Stossrichtung. Die Dachmarke soll generell das Interesse wecken und die einzelnen Destinationen spezifische Bedürfnisse der Kongressorganisatoren befriedigen. «Wir richten uns in erster Linie auf eine europäische Kundschaft aus», sagt Daniel Buchmüller. Die Romandie pflegt den Primärmarkt Frankreich, die Deutschschweiz hat vorab Deutschland im Visier. Dazu kommen die Benelux-Länder, England und Norditalien.

Anzeige

Jonas Scharf, Leiter Congress Center Basel, legt den Finger auf einen wunden Punkt: «Die Schweiz geniesst einen ausserordentlich guten Ruf, den wir zum Teil sehr bescheiden nutzen.» Für ihn kommt der «Swissness» bei der internationalen Vermarktung eine zunehmende Bedeutung zu. Das meist langfristig geplante Kongressgeschäft ist kein Selbstläufer. Ohne gute Beziehungen und Netzwerke passiert kaum etwas. Umso wichtiger ist es für Barbra Albrecht, dass einflussreiche Schweizer Verbandspräsidenten ihre Kontakte zu internationalen Dachgremien geltend machen, wenn es darum geht, einen gewichtigen Jahreskongress in unser Land zu holen. Schweiz Tourismus bietet mit ihrer Meeting-Abteilung danach das nötige Know- how, um die Details zu planen. Gerade in den wirtschaftlich härteren Zeiten ist das Geschäft mit grossen Verbandskongressen wesentlich krisenresistenter als die Tagungsaktivitäten der Unternehmen.

Region miteinbeziehen

Natürlich ist auf dem Kongressplatz Schweiz nicht alles perfekt. Mit dem Ausbau der Infrastruktur tun wir uns an vielen Orten schwer, wie etwa die endlose Diskussion um ein neues Kongresszentrum in Zürich zeigt. Zahlreiche Destinationen verfügen auch nicht über die notwendige Hotelkapazität für Mega-Veranstaltungen. Trotzdem lassen sich grosse Kongresse mit 5000 bis 10000 Teilnehmern durchaus organisieren, wenn eine ganze Region miteinbezogen wird. Die guten Verkehrsverbindungen und die Engräumigkeit der Schweiz sind dabei ein ideales Verkaufsargument. Bereits steht Ende Mai 2009 mit der IMEX in Frankfurt die zweite Branchenmesse in Europa an, an der das Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB) gemeinsam mit den Swiss Convention Centres seinen Auftritt hat.