Trotz harzigem Geschäftsgang: Swatch habe nicht vor, in der Schweiz Stellen zu streichen, sagte Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek am Mittwoch an der Generalversammlung in Grenchen SO.

«Wie schon in der Vergangenheit ist der Stellenabbau in Krisenzeiten bei uns kein Thema», sagte Hayek und wies mit einem Seitenhieb auf «einige Konkurrenten» hin, die dem starken Franken mit diesem Mittel begegneten.

Verspätete Aktionäre

Wegen des starken Frankens konzentriere sich die Diskussion derzeit auf die Forschung und Entwicklung, sagte die Tochter des 2010 verstorbenen Swatch-Gründers Nicolas Hayek. Die Stärke der Schweizer Industrie sei aber, dass sie ihre Produkte auch in der Schweiz produziere.

Am wirkungsvollsten sei es, wenn Forschung, Entwicklung und Produktion Hand in Hand zusammenarbeiteten, sagte Hayek im Saal, der zu Beginn der Generalversammlung wegen verspäteter Züge aus Zürich noch spärlich bevölkert war.

Technologie als Stärke

Nayla Hayek pries zudem die Innovationskraft von Swatch. Die Gruppe habe im vergangenen Jahr fast 200 neue Patente angemeldet. Auch Bruder und Swatch-Chef Nick Hayek bezeichnete die Technologie als Stärke seiner Gruppe. Das elektronische Knowhow von Swatch komme nicht nur der Uhrenindustrie zugute. Es werde auch von anderen Unternehmen im In- und Ausland verwendet.

Nick Hayek kündigte an, die Swatch Group werde bald einen Vertrag mit einem grossen Autohersteller unterzeichnen. Swatch möchte bei der Entwicklung sparsamer und langlebiger Batterien – zum Beispiel für die Autoindustrie – eine führende Rolle spielen. Hayek präsentierte an der Generalversammlung auch die Swatch Bellamy mit Bezahlfunktion, die ab Mitte Juni in der Schweiz erhältlich sein wird. In China wurde sie bereits vor einem halben Jahr lanciert. Kein Thema in Hayeks Rede waren Smartwatches.

«Ein grosser Teil des Problems»

Die Swatch-Spitze verteidigte an der Generalversammlung auch ihre Kritik an der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Nick Hayek überliess es seiner Schwester, einem Aktionär zu antworten, der sich über die systematische Kritik wunderte. Diese sei gerechtfertigt, wenn man die Zahlen der Swatch Gruppe betrachte, sagte Nayla Hayek. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Konzern zum ersten Mal seit 2009 einen rückläufigen Umsatz. Dieser sank um 3 Prozent auf 8,45 Milliarden. Bei konstanten Wechselkursen hätte ein Minus von 0,9 Prozent resultiert. Der Gewinn schrumpfte um einen Fünftel.

Die Frankenstärke mache die Situation für die Schweiz und für sehr viele Tourismusunternehmen schwierig, sagte Hayek. Die SNB und der Franken seien nicht die einzige Ursache, «aber sie sind ein grosser Teil des Problems».

Handheben statt Knopfdruck

Ein technisches Novum gab es an der Generalversammlung: Erstmals wurde elektronisch abgestimmt – allerdings nur einmal. Die Aktionäre sprachen sich in der elektronischen Abstimmung dafür aus, bei den folgenden Traktanden und Wahlen wieder per Handheben abzustimmen.

Die elektronische Abstimmung hatten die Swatch-Anteilseigner auf Antrag eines Aktionärs durchgeführt. Die Aktionäre einer Kapitalgesellschaft hätten den legitimen Anspruch auf genauere Resultate, sagte er. Nayla Hayek entgegnete, dass es bei der Swatch Group um «mehr als nur eine Finanzgesellschaft» gehe. Es steckten auch Emotionen dahinter. Zudem hätten offene Abstimmungen etwa bei Landsgemeinden in der Schweiz eine Tradition, die auch die Swatch Group lebe. Trotzdem kenne der Verwaltungsrat sehr wohl die ungefähren Abstimmungsresultate, versicherte Nayla Hayek.

Schneider-Ammans Tochter gewählt

In den darauffolgenden Abstimmungen folgten die 3275 anwesenden Aktionäre per Handheben mit jeweils grossem Mehr allen Anträgen des Verwaltungsrats. Wie vorgeschlagen, wurde Daniela Aeschlimann-Schneider, die Tochter von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, neu in den Verwaltungsrat gewählt.

(sda/ise/gku)

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