Die Revisoren sind in diesen Wochen gefordert wie wohl noch nie. Mit der wirtschaftlichen Talfahrt im Gefolge der Finanzmarktkrise geraten jetzt nicht nur die Banken in den Fokus von Aktionären und Öffentlichkeit, auch die anderen börsenkotierten Unternehmen sind unter einer scharfen Beobachtung. Peter Leibfried, Accountingexperte an der Universität St. Gallen, umschreibt die Stimmungslage: «Der Jahresabschluss 2008 wird nicht überall angenehm». Das konsequent durchgesetzte Fair Value Accounting ebenso wie die Goodwill-Bewertung waren in den letzten Jahren kein Problem. Wirtschaftlich ging es ständig nach oben, nun aber hat der Trend gekehrt.

Im härteren Umfeld werden viele Unternehmensleitungen mehr Druck auf die Revisoren ausüben. Viel Spielraum bleibt den Abschlussprüfern aber nicht, wollen sie nicht Gefahr laufen, später von gewissen Aktionären mit Verantwortlichkeitsklagen eingedeckt zu werden. Weiterhin äusserst kritisch bleibt es bei den Banken, die im Sumpf der Subprim-Krise stehen. Bei diesen faulen Krediten haben die Richtliniengeber US- GAAP und IASB die Möglichkeit eröffnet, vorübergehend auf den Fair-Value-Ansatz zu verzichten.

Mit gravierenden Folgen: Die jetzt veröffentlichten Zahlen stimmen im gegenwärtigen Markt alle nicht ganz. Milliardenabschreiber werden vorerst aufgeschoben, auch von den Schweizer Grossbanken, die ebenfalls zu dieser Ausnahmeregelung gegriffen haben. PricewaterhouseCoopers hat kürzlich eindrückliche Zahlen zum Abschreibungsbedarf vorgelegt. Je nach Quelle sind noch zwischen 2200 und 3600 Mrd Dollar aus den Bilanzen der Geldinstitute zu streichen. Die Eigenkapitaldecke der Bankenindustrie liegt gerade einmal bei 2600 Mrd Dollar - und erst knapp 800 Mrd Dollar sind bis jetzt effektiv abgeschrieben. Accounting-Experten geben klar zu verstehen, dass wir bei den Abschreibungen erst am Anfang stehen. Ähnliche Probleme zeichnen sich bei jenen Unternehmen ab, die am Ende der Börsenhausse teure Akquisitionen getätigt haben. Die Marktwerte sind auch im Industrie- und Dienstleistungssektor um bis zu 80% eingebrochen.

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Ohne das Einschiessen von neuem Eigenkapital geraten viele Gesellschaften in eine gefährliche Schieflage. Umso wichtiger ist es, dass die Revisoren für die nötige Transparenz zugunsten aller Stakeholder sorgen. Mit einer gewissenhaften Arbeit können sie in diesen turbulenten Zeiten mächtig an Ansehen gewinnen. Kompromisse darf es nicht geben. Gefordert sind jetzt realitätsnahe Fakten.