Fast genau ein Jahr nach seiner Festnahme in Italien fängt morgen Dienstag in Fort Lauderdale der Prozess gegen Raoul Weil statt. Weils Prozess ist ein Höhepunkt im Steuerdisput. Während die US-Behörden bisher auf tiefchargige Private Banker zielten, steht nun einer der Grossen vor Gericht.

Weil ist weder Whistleblower noch Subalterner, sondern war CEO des Global Wealth Management & Business Banking mit intimsten Kenntnissen der Weltmacht UBS. Die US-Behörden werfen ihm vor, zwischen 2002 und 2007 rund 17'000 reichen US-Bürgern dabei geholfen zu haben, Vermögen im Wert von 20 Milliarden Dollar vor dem Fiskus zu verstecken. Weil plädiert auf unschuldig.

Vier Millionen Seiten Beweismaterial

Der Prozess war ursprünglich auf den 18. Februar angesetzt, wurde dann aber vertagt. Raoul Weil kam auf Kaution frei und bereitete in New Jersey mit einem Team hochbezahlter Anwälte seine Verteidigung vor. Sein Hauptanwalt ist Aaron Marcu, der in den USA als einer der besten Strafverteidiger gilt.

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Zu tun gab es viel: Vier Millionen Seiten Beweismaterial legten die Kläger vor, rund 60 Zeugen will Staatsanwalt Mark Daly in den nächsten Tagen und Wochen aufrufen. Gefährlicher Kronzeuge soll Martin Liechti sein, der bei der UBS einst Chef des Überseegeschäftes mit Nordamerika war und in dieser Stellung auch Weils Untergebener. Liechti wurde bereits im April 2008 von den US-Behörden in Miami abgefangen und zur Kooperation gezwungen.

Drei Zeugen zugunsten von Weil

Weils Verteidigung hat es geschafft, wenigstens drei Zeugen, die zugunsten von Weil aussagen sollen, per Videoschaltung aus London vor Gericht auftreten zu lassen. Laut Medienberichten befürchteten die Zeugen – selber ehemalige Banker – in den USA bei der Einreise auch festgenommen zu werden.

Sonst scheint das Material zur Verteidigung Weils eher dünn. Marcu beklagte sich bei dem Richter, die Verteidigung versuche, jegliches Material zur Entlastung Weils vor Gericht zu unterdrücken. Medienvertretern sagte Marcu: «Er ist das Opfer seiner Untergebenen – jener, die nun für die Anklage gegen ihn aussagen.»

Nicht schnell genug auf die Bremse getreten

Weils Problem ist, dass er gemäss Justiz nicht schnell genug auf die Bremse trat. Dafür will ihn die US-Justiz am Wickel nehmen. Im Unterschied zu verurteilten Mitläufern gehörte Weil bei der UBS zum innersten Kreis, wo das System mit dem vielen Schwarzgeld optimiert wurde – mit präparierten Geheimlaptops, internen Agenten-Schulungen und Heerscharen spezialisierter Anwälte und Treuhänder für steueroptimierte Strukturen. Weil hatte Befehlsgewalt und konnte in die eine oder in die andere Richtung steuern.

Er entschied sich für das Versteckspiel, initiierte Wachstumsprogramme, bei denen die neu dazugewonnenen Kundenvermögen das Nonplusultra waren, und dies trotz Warnsignalen und im Wissen, dass die Geschichte böse enden könnte.

Maximal fünf Jahre Haft

Erst als die USA die UBS bereits ins Visier nahmen, trat er auf die Bremse. Im Sommer 2007 will Weil den US-Exit beschlossen haben; bis er diesen kommunizierte, dauerte es aber erneut mehrere Monate. Sein damaliger Arbeitgeber UBS konnte sich 2009 mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar und der Lieferung von rund 4500 Kundennamen von einer Strafverfolgung freikaufen.

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Nach Einschätzung von Richter James Cohn wird der Prozess zwei bis vier Wochen dauern. Raoul Weil, 54 Jahre alt und verheiratet, drohen im Höchstfall 5 Jahre Gefängnis.

 

 

(Mit sda-Material angereichert)