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Für Uhrenfirmen wird nach China nun USA zum Problem

Der vierjährige Absatzeinbruch für Schweizer Uhren in China findet ein Ende - ein neuer tut sich auf. Nun schwächeln die Verkäufe in den Vereinigten Staaten.

Just in dem Monat, in dem ein vierjähriger Absatzeinbruch für Schweizer Uhren in China offenbar ein Ende findet, ermüden die Umsätze auf dem nächst grösseren Markt – den USA.

Die Schweizer Uhrenhersteller wurden von der sinkenden US-Nachfrage in diesem Jahr auf dem kalten Fuss erwischt. Der Markt gehört zu den wichtigsten für Marken wie Rolex, TAG Heuer von LVMH sowie Baume & Mercier von Cie. Financière Richemont.

Zu viel technisches Spielzeug

Die jüngsten Entwicklungen lösen Sorgen aus, dass die US-Kunden mit zu viel technischem Spielzeug überschüttet werden oder dass das Land seine Anziehungskraft für Touristen als Einkaufsziel verliert.

Vergangene Woche gab es weitere schlechte Nachrichten für alle, die auf eine Erholung nach den US-Präsidentschaftswahlen im November gehofft hatten. Die Wahlen waren in der Vergangenheit oft eine Triebfeder für die Umsätze gewesen.

Eine Statistik zeigte, dass die Lieferungen in die USA im Februar um gleich 26 Prozent gefallen waren. Und Movado Group, die die Hälfte vom Umsatz auf diesem Markt erzielt, erklärte, der Abschwung zwinge das Unternehmen, Arbeitsplätze in der Schweiz abzubauen.

Trump für Tourismus negativ

Die US-Wirtschaft selbst wächst zwar. Doch der World Travel and Tourism Council warnte, dass sich die Wahl von Donald Trump negativ auf die Besucherzahlen auswirken könne, während der starke Dollar die Einkaufskraft von Touristen beschneide.

«Das ist wirklich herausfordernd», sagte unlängst Ricardo Guadalupe, Chef der LVMH-Marke Hublot. Die US-Umsätze der Marke hatten sich im vergangenen Jahr seitwärts bewegt. «Ich glaube, dass das mit dem Tourismus zu tun hat. Ich weiss nicht, ob das ein Trump-Effekt ist, aber sie sind weniger erpicht darauf, in die USA zu reisen.»

Hublot rechnet mit Schrumpfung

Der Hublot-CEO prognostiziert, dass der US-Markt in diesem Jahr erneut schrumpfen wird. Auch belaste der Wettbewerb durch die Apple Watch das untere Preisende des Schweizer Uhrenmarktes. Touristen stehen hinter rund der Hälfte aller Hublot-Umsätze in Städten wie New York, Miami und Los Angeles.

Movado hatte einen Rückgang von zehn Prozent beim Gewinn in Aussicht gestellt, nachdem US-Einzelhändler ihre Bestellungen nach einem schwachen Weihnachtsgeschäfts zurückfuhren und sich einige US-Kunden den Smartwatches zuwandten, um Uhren im unteren Preissegment zwischen 300 Dollar und 3000 Dollar zu ersetzen.

Das Unternehmen plant, bis zu ein Viertel der rund 200 Arbeitsplätze in der Schweiz abzuschaffen, wie Bloomberg von einer Person erfuhr, die mit der Lage vertraut ist. Finanzchefin Sallie DeMarsilis sagte, dass sich Movado in Gesprächen befinde, die Anzahl der zu streichenden Stellen zu reduzieren.

Noch immer wichtig für Branche

Die USA waren vor rund einem Jahrzehnt als Nummer-1-Markt für Schweizer Uhren abgelöst worden, als die Nachfrage aus China boomte. Doch der nordamerikanische Markt ist noch immer wichtig für die Branche.

Mehr als ein Zehntel aller Schweizer Uhrenexporte gingen im vergangenen Jahr in die USA. Zugleich sanken die Lieferungen in das Land um neun Prozent. Es war der stärkste Einbruch in sieben Jahren.

Der schlimmste Alptraum der Branche mit Blick auf die USA ist, dass die Amerikaner ihre Ausgaben für Luxus-Uhren nicht nur zeitweise zurückfahren, sondern dass Schweizer Zeitmesser nicht mehr länger als etwas Begehrenswertes betrachtet werden.

«Sollten die USA einen anhaltenden Rückgang zeigen, könnten sich die Leute langsam Sorgen machen, ob sich der Konsum von Schweizer Uhren verändert. Aber wir müssen länger abwarten, um wirkliche Beweise dafür zu sehen», sagt Analystin Zuzanna Pusz von Berenberg.

(bloomberg/chb/gku)

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