Bevor Banken Löhne zahlen und Boni verteilen können, müssen sie Geld verdienen. Das wird insbesondere im Investment Banking - wo bisher branchenweit die höchsten Löhne bezahlt wurden - auf absehbare Zeit schwieriger werden.

Einbrechendes Geschäft

Zwar sind die bisherigen Milliardenverluste bei der UBS und der Credit Suisse grösstenteils durch Wertberichtigungen bei Finanzanlagen verursacht worden. Im operativen Geschäft sieht es allerdings auch nicht gut aus. Im Investment Banking ist das Geschäft teilweise eingebrochen. So lagen die Umsätze der UBS und der Credit Suisse im 4. Quartal im Aktiengeschäft um zwei Drittel unter dem Vorjahreswert.

Ähnlich sieht es bei den Gebühren für Firmenübernahmen aus. Hier brach bei der UBS das Geschäft um 28% ein, bei der Credit Suisse gar um 53%. Und auch im Obligationenbereich schmolz der Umsatz bei den Grossbanken um die Hälfte.

Eine rasche Erholung ist nicht in Sicht. Matthew Clark, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods, erwartet, dass das Investment Banking künftig noch 25% zum Gewinn der UBS beitragen wird - vor dem Ausbruch der Krise waren es 40%.

Etwas komplizierter ist es bei der Credit Suisse. Die 2005 und 2006 noch margenstarken Investment-Banking-Bereiche sollen nicht mehr weitergeführt werden. Boni sind meistens an die erzielten Umsätze gebunden - und allein aufgrund der halbierten Umsätze schmilzt die Bonussumme mindestens um die Hälfte.

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Während die Investment-Bank-Umsätze rasant sinken, kann der der Personalbestand nur langsam angepasst werden. Im Vergleich zu den anderen Banken hat die UBS früh reagiert. Ihr verbleiben im Investment Banking etwa 15500 Angestellte, gut 7500 weniger als im Herbst 2007. Die Credit Suisse hat erst Anfang Dezember den Abbau von 5300 Angestellten und 1400 externen Vertragsleuten angekündigt und damit auch gleich ein konkretes Sparziel von 2 Mrd Fr. formuliert. Erst im letzten Herbst war der Maximalbestand von 21000 Angestellten im Investment Banking erreicht worden. Für dieses Jahr lautet das Ziel 17500 Angestellte.

«Solche Abbaupläne muss man auf dem Hintergrund der Neupositionierung der Banken sehen», kommentiert Exane-Analyst Elie Darwish. «Wenn die Umsätze unter Druck sind, ist der effiziente Umgang mit der Kostenbasis der Schlüssel zu Gewinnen. «Die Credit Suisse hat deshalb noch einigen Restrukturierungsbedarf», ergänzt Matthew Clark, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods.

Das widerspiegelt sich auch am geschätzten Verhältnis von operativen Kosten zum Ertrag der Investment-Banking-Sparten der beiden Grossbanken, wenn man die riesigen Abschreiber ausklammert (siehe Tabelle). Die UBS hält - auch aufgrund der früh eingeleiteten Restrukturierung - dieses Verhältnis in diesem Jahr deutlich niedriger als die Credit Suisse: Für jeden eingenommenen Franken hat die Bank Ausgaben von 76 Rp. Bei der Credit Suisse sind es 94 Rp. Für 2010 verbessert sich dieser Satz bei der UBS auf 74 Rp., die Credit Suisse hinkt mit 85 Rp. hinterher. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr vor der Krise wandte die UBS im Investment Banking 73 Rp. pro eingenommenen Franken auf, bei der Credit Suisse waren es 70 Rp.

Mehr Umsatz ab 2010?

Aufgrund der halbierten Umsätze und der redimensionierten Investment-Banking-Sparten lässt sich abschätzen, wie gross die aus dem operativen Geschäft erwirtschaftete Bonussumme sein wird, welche die Grossbanken für dieses und das nächste Jahr zu verteilen haben. Bei der UBS liegt 2009 der operative Investment-Bank-Umsatz pro Kopf laut Analystenschätzungen 24% unter jenem von 2006, bei der Credit Suisse ist er 40% tiefer - dies, wenn nicht weitere Abschreiber kommen. Sollten sich die Finanzmärkte bald stabilisieren, könnte der Umsatz pro Kopf 2010 bei der UBS um 13% steigen, bei der Credit Suisse gar um 19%. Bonusverhandlungen dürften sich an diesen Eckwerten orientieren.

Wie sähe die Situation aus, wenn Boni wegen der Milliardenverluste hätten zurückbezahlt werden müssen? Bei der UBS hätte dies zur Folge, dass allein in der Investment-Banken-Sparte sämtliche Boni der letzten fünf Jahre wieder eingefordert werden müssten. Nur: Die Hälfte des Personals, die damals in den Genuss der Boni gekommen war, arbeitet inzwischen aufgrund der natürlichen Fluktuation und der Abbaumassnahmen nicht mehr bei der Bank und könnte schwerlich belangt werden.