Viele Dach-Hedge-Fonds, also Funds of Hedge Funds, haben 2008 ihre Anleger mit zweistelligen Verlusten enttäuscht. Was ist von den Argumenten zu halten, die bis vor kurzem für Hedge- Fonds ins Feld geführt wurden? So etwa Risikodiversifikation durch geringe Korrelation zu Aktien und Obligationen oder die Fähigkeit von Hedge-Fonds-Managern, unabhängig vom Marktumfeld positive Renditen zu erzielen.

Wie die Zahlen für 2008 zeigen, wurden viele dieser Versprechen nicht erfüllt; der CSFB Tremont Hedge Fund Index verlor 2008 über 19%. Die grosse Mehrheit der Fondsmanager hat das Ziel der absoluten Rendite für das Jahr 2008 bei weitem verfehlt und die angestrebte tiefe Korrelation zu Aktien- und Obligationenmärkten liess ebenfalls zu wünschen übrig.

Was ist schief gelaufen? Der Erfolg eines Dach-Hedge-Fonds hängt von verschiedenen Faktoren ab: Im Zentrum steht die Fähigkeit des Fondsmanagers, Hedge- Fonds talentierter Manager auszuwählen und zu einem Portfolio zu kombinieren. Daneben haben Gebühren und Liquiditätskonditionen sowohl auf Dach-Fonds- wie auf Hedge-Fonds-Ebene einen Einfluss auf das Ergebnis, und letztlich natürlich die Entwicklung der Finanzmärkte.

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Finanzmarkt als Störfaktor

Diese grundsätzlichen Kausalzusammenhänge galten auch 2008. Der Störfaktor stellte sich auf Ebene der Finanzmärkte ein, und dies in einem Ausmass, das kaum jemand erwartet hatte. Die Probleme breiteten sich flächenbrandartig auf Märkte aus, die bisher als voneinander unabhängig gegolten hatten. Die gestiegene Korrelation zwischen verschiedenen Teilen der Finanzmärkte übertrug sich auch auf die Dach-Hedge-Fonds.

Während es unbestritten ist, dass viele Hedge-Fonds im letzten Jahr ihr Versprechen der absoluten Rendite verfehlt haben, haben sie sich doch deutlich besser geschlagen, als andere Anlageklassen, namentlich Aktien. Zudem ist ein Zeitrahmen von 12 bis 18 Monaten für die Beurteilung einer Anlageklasse zu kurz, um aussagekräftige Schlüsse zu ziehen, umso mehr, wenn der Beobachtungszeitraum mit einer Jahrhundertkrise am Finanzmarkt zusammenfällt. Auch ist eine steigende Korrelation in Krisenzeiten kein neues Phänomen, sondern konnte schon früher, z.B. während der Russlandkrise 1998, beobachtet werden. Nichtsdestotrotz war die 2008 Performance von Hedge-Fonds weitgehend enttäuschend.

Günstigere Gebühren kommen

Sind Dach-Hedge-Fonds nun dem Untergang geweiht? Nein, aber die Branche wird sich den veränderten Marktgegebenheiten und Kundenwünschen anpassen müssen, will sie in Zukunft neues Kapital anziehen. Der Konsolidierungsprozess hat bereits eingesetzt: Es wird erwartet, dass die Anzahl Marktteilnehmer bis um ein Drittel schrumpfen wird. Zudem dürfte sich die Ausgestaltung der Konditionen ändern. Viele Dach-Fonds haben damit begonnen, ihre Anlagevehikel umzustrukturieren. Dabei geht es häufig um die Angleichung der Liquidität des Dach-Ffonds an diejenigen der darunter liegenden Hedge-Fonds.

Einzelne Anbieter überdenken ihre Gebührenmodelle, um Investoren einen Anreiz zu geben, in den Produkten investiert zu bleiben. Wenn auch solche Massnahmen häufig aus der Not geboren sind, können sie interessante Möglichkeiten bieten, zu günstigen Gebühren in Hedge-Fonds zu investieren. So wird für Fonds, die weit unter ihrer «high watermark» liegen, die Performancegebühr für geraume Zeit entfallen. Allerdings kann der Preis von Hedge-Fonds-Anlagen in Zukunft neben Gebühren weitere Elemente umfassen, wie eine längere Kapitalbindungsdauer und geringere Liquidität.

Anleger werden aber auch ihre Renditeerwartungen überdenken müssen: Zukünftige Erträge werden stark von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängen. Je länger die Erholung der Aktienmärkte auf sich warten lässt, eine desto bessere Alternative dürften Hedge-Fonds gerade zu Aktienengagements bieten. So gibt es im heutigen Marktumfeld interessante Opportunitäten, die Privatanleger selber nicht erschliessen können. Beispiele sind computerbasierte Trendfolge-Modelle (sog. CTA/Managed Futures), die 2008 mit zweistelliger Rendite erfolgreichste Strategie; Global-Macro-Strategien oder Distressed Strategien, denen für 2009 gute Prognosen gestellt werden. Die rückläufige Anzahl Hedge-Fonds sowie die Tatsache, dass viele Investmentbanken ihren Eigenhandel zurückgefahren haben, führt zu weniger Konkurrenz für die verbleibenden Marktteilnehmer, was sich positiv auswirken dürfte.

Für Investoren, welche die aufkommenden Anlagechancen nutzen wollen, bleiben Dach-Hedge-Fonds ein geeignetes Instrument. Den Liquiditätskonditionen ist besonderes Augenmerk zu widmen. Bei sorgfältiger Auswahl und Abstimmung auf das Profil des Anlegers können Dach-Hedge-Fonds über einen mittelfristigen Zeitraum attraktive Renditechancen bieten - und 2009 wird im Rückblick vielleicht nicht der schlechteste Einstiegszeitpunkt gewesen sein.