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Test
Für Amazons smarte Lautsprecher sind gute Nerven nötig

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Echo Spot: Das ist der neue smarte Lautsprecher von Amazon.Quelle: Keystone

Amazon hat seinen neuen smarten Lautsprecher lanciert. Der Kritiker entdeckt viele Schwächen beim Echo Spot.

Von Thomas Heuzeroth («Die Welt»)
am 30.01.2018

Amazons neuester smarter Lautsprecher Echo Spot wirkt harmlos. Mit seinem runden Display sieht er aus wie ein Wecker – und gehört deswegen auch auf den Nachttisch. Wer sein Schlafzimmer teilt, sollte sich aber seines Ärgerportenzials bewusst sein. Denn der Echo Spot hat gleich vier Mikrofone und eine Kamera eingebaut. Man muss Technik schon sehr mögen, um sie in dieser Form ins Schlafzimmer einziehen zu lassen. Oder besser gesagt: Alle Nutzer des Schlafzimmers müssen Technik sehr mögen.

Ist diese – nicht zu unterschätzende – Hürde erst einmal genommen, kann der Echo Spot natürlich mehr als ein Wecker. Er beherrscht all das, was Echos bisher auch können. Dank des eingebauten digitalen Assistenten Alexa kann man dem Gerät allerlei Fragen stellen, Musikwünsche äussern und Befehle erteilen. Alexa schaltet das Licht ein oder aus, liest die Wettervorhersage vor und reguliert die Heizungstemperatur. Vorausgesetzt, die Wohnung ist mit vernetzten Thermostaten und Lampen ausgestattet.

Sound von passabler Qualität

Der Echo Spot erledigt all dies mit Bravour. Seine vier Mikrofone beherrschen die Fernfeldtechnologie der zweiten Generation, was bedeutet, dass sie auch aus mehreren Meter Entfernung den Nutzer verstehen, selbst wenn Musik im Raum läuft. Es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert. Der Ton des Lautsprechers im Echo Spot ist eher mittelmässig. Er ist besser als der Dosen-Sound des billigeren Echo Dots, aber längst nicht so gut wie der Ton des Echos und Echo Shows, der auch über einen viel grösseren Bildschirm verfügt. Für Musik im Schlafzimmer reicht es jedoch.

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Quelle: Keystone

Im Wohnzimmer hingegen klingt die Musik etwas flau. Zum Glück gibt es einen Lautsprecherausgang, an dem eine vernünftige Box oder Hifi-Anlage angeschlossen werden kann. Der Echo Spot lässt sich wie die anderen Echos auch per Bluetooth mit externen Lautsprechern verbinden. Gefallen hat uns im Test die Möglichkeit, sich morgens mit Musik wecken zu lassen. Das funktioniert sowohl mit dem hauseigenen Dienst Amazon Music als auch mit Spotify.

Die Kamera überzeugt nicht

Wozu aber ist im Echo Spot eine Kamera verbaut? Für viele dürfte dies der Rausschmeisser aus dem Schlafzimmer sein. Ein Mikrofon mögen viele noch akzeptieren, aber eine Kamera im Schlafzimmer? Ihre einzige Funktion dürfte die Möglichkeit sein, ein Videotelefonat zu führen. Das geht zu einem anderen Echo Spot, zu einem Echo Show oder zu einem Smartphone, auf dem die Alexa-App läuft.

Wir haben die Verbindung zum Echo Show getestet. Das funktioniert zwar alles, aber das Bild auf dem Echo Show war sehr pixelig. Das ist aber auch kein Wunder: Die Spot-Kamera löst nur mit 640 mal 480 Bildpunkten auf, was einige noch an die alten Webcams erinnern dürfte. Nachts lässt sich eine «Nicht stören»-Funktion aktivieren.

Alexa verstummt

Natürlich kann man auch die Kamera ausschalten. Dafür gibt es am Echo Spot einen Knopf, der sich auf der Oberseite zwischen dem Lauter- und Leiser-Knopf befindet. Unglücklicherweise stellt dieser Knopf zugleich auch das Mikrofon stumm, wodurch sich Alexa nicht mehr aufrufen lässt.

Wer die Kamera ausstellen, aber das Mikrofon weiter benutzen will, muss seine Stimme bemühen. «Alexa, Kamera ausschalten», quittiert das Gerät mit der Antwort «Ok, ich habe die Kamera auf diesem Echo Spot deaktiviert». Nun muss man das nur noch glauben. Den Echo Spot gibt es in Weiss und in Schwarz, er kostet im Deutschland 130 Euro.

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Ein weiteres Bild des Echo Spot: Amazon hat den intelligenten Lautsprecher letzten Herbst vorgestellt.
Quelle: Keystone

Die Bildqualität ist gut genug

Die Bildqualität auf dem kleinen runden Display mit einer Diagonalen von 6,4 Zentimetern ist absolut ausreichend, um beispielsweise ein Zifferblatt anzuzeigen, das übrigens geändert werden kann. Dazu gibt es digitale und analoge Vorgaben, die mit einem eigenen Hintergrundbild versehen werden können. Ein Nachtmodus sorgt dafür, dass die Helligkeit so weit herunter reguliert wird, dass sie nicht stört.

Es gibt auch einige Anwendungen, bei Amazon heissen sie Skills, die das Display ausnutzen. So wird die Wettervorhersage grafisch dargestellt, genauso wie die über Comdirect abgerufenen Aktienkurse oder Zugverbindungen der Deutschen Bahn. Insgesamt ist die Zahl der Skills mit grafischer Darstellung aber noch sehr überschaubar.

YouTube ist verbannt

Wer möchte, kann sich auf dem Display sogar Filme von Amazon Video anschauen. Sinnvoll ist das allerdings nicht. Das Bild ist winzig und dürfte auf jedem Smartphone angenehmer sein. Weil das Display rund ist, gibt es oben und unten sehr breite Balken. Der Sprachbefehl «Vergrössern» füllt zwar das ganze Display aus, aber dafür sieht man dann nur noch, was in der Mitte des Bildes geschieht. YouTube läuft nach wie vor nicht auf den Echo-Geräten.

Hilfreich ist der Touchscreen vor allem bei der Einrichtung des Echo Spots. Dort lässt sich dann komfortabel das Wlan-Passwort und das Amazon-Konto eingeben. Und sinnvoll ist das Display natürlich noch für etwas anderes: zum Ablesen der Uhrzeit.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der «Welt» unter dem Titel: «Amazons neuer Lautsprecher hat eklatante Schwächen».