Die offengelegten Volumina bei Fusionen und Übernahmen in der Schweiz haben im zweiten Quartal den tiefsten Wert seit 2008 erreicht. Mit 4,1 Milliarden Franken an Transaktionen liegt die Aktivität laut Ernst & Young um 83 Prozent unter dem Vorjahreswert und 14 Prozent unter dem bereits schwachen Vorquartal.

Die Entwicklung habe damit zu tun, dass es kaum grosse Zusammenschlüsse und Aufkäufe gegeben habe, schrieben die Analysten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma in ihrem vierteljährlich veröffentlichten Bericht am Montag.

Bei etwa der Hälfte der Abschlüsse ging es um weniger als 50 Millionen Franken. Nur 15 Prozent der Geschäfte überstiegen laut der Erhebung den Wert von 250 Millionen Franken.

139 Fusionen und Übernahmen angekündigt

Im Mittel der letzten vier Quartale hat der Anteil solcher Gross-Transaktionen 22 Prozent betragen. Dabei hat die Zahl der eingegangenen Verträge im Jahresverlauf zugenommen. 139 Fusionen und Übernahmen wurden zwischen April und Juni angekündigt, sieben mehr als im Auftaktquartal, aber zwei weniger als im Vorjahr.

Je etwa ein Viertel aller Transaktionen im Berichtszeitraum betrafen den Sektor Industriegüter und Dienstleistungen sowie Medien, Technologie und Telekom. Diese Sparten legten gegenüber dem ersten Quartal auch zu: 9 Prozent der offengelegten Transaktionen betrafen Firmen aus diesen Bereichen.

Den stärksten Rückgang erlebten die Wirtschaftszweige Energie, Transport und Versorgung, die noch sechs Prozent ausmachen. Die Abnahme beträgt laut Ernst & Young acht Prozent.

Mögliche Zukäufe im Süden

Die Marktbeobachter haben schon im Juni ihre Prognose veröffentlicht, dass Fusionen und Übernahmen - wie auch Börsengänge - weltweit wieder zunehmen werden. Die Schweiz wird laut Ernst & Young dabei dabei Impulse von Deutschland aus erhalten, wo es Aufwärtspotenzial für das Zusammengehen von Firmen gebe.

In Südeuropa wächst die Zahl von Firmen, die für eine Übernahme in Frage kommen. Da viele Schweizer Firmen über solide gefüllte Kriegskassen verfügen, könnten sie dort in nächster Zeit zugreifen. Möglich sei aber auch, dass die Angst vor einer neuen Verschärfung der Eurokrise die Zukauflaune dämpfe, schreibt Ernst & Young.

(tke/aho/sda)

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