Eigentlich beginnt die Champions League erst morgen so richtig mit dem Start in die Gruppenphase. Welche Saisonerwartung haben Sie als Vermarkter?
Bernhard Burgener: Wir vermarkten die Champions League jeweils in einem Drei-Jahres-Zyklus – und haben mit der zurückliegenden Spielzeit die erste Saison erfolgreich gemeistert. Persönlich freue ich mich natürlich, dass mit dem FC Basel wieder eine Schweizer Mannschaft vertreten ist.

Wie steht es um deren Chancen?
Der Verein selbst hat ja den zweiten Gruppenrang und damit die Qualifikation für die Achtelfinals als Ziel gesetzt. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass mit Chelsea, Schalke und Steaua Bukarest drei grosse Traditionsvereine warten. Alles Weitere als die Gruppenphase wäre also ein Achtungserfolg.

Das tönt aus dem Mund eines FCB-Fans nach Tiefstapelei.
Überhaupt nicht. Es ist unbestritten, dass Basel in den vergangenen Jahren mit grossen Erfolgen – unter anderem der letztjährigen Halbfinal-Qualifikation in der Europa Leauge – sukzessive eine Basis gelegt hat. Auch dafür, dass in der kommenden Saison der Schweizer Meister wieder direkt für die Champions-League-Gruppenphase qualifiziert sein wird. Internationale Erfolge sind für Schweizer Teams aber auch eine grosse Belastung.

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Für Sie ist der internationale Fussball ein Geschäft. Verwaltungsratskollege Martin Wagner sprach im Mai gegenüber handelszeitung.ch davon, dass Champions League «Wachstum ohne Ende» bedeute. Unterschreiben Sie diese Aussage?
Ja. Der nächste Verkaufsprozess im erwähnten Drei-Jahres-Rhythmus ist bereits gestartet – und es zeigt sich einmal mehr, dass sich die Marke Champions League sehr gut verkaufen lässt.

Heisst in Zahlen?
Über Zahlen dürfen wir nicht reden – das ist mit der Uefa so vereinbart.

Vergangene Saison hat der europäische Fussballverband gut 900 Millionen Euro an die teilnehmenden Clubs ausgeschüttet.
Lassen Sie es mich so formulieren: Wir rechnen in der Vermarktung mit Zuwächsen von zweistelligen Prozentraten. Die Champions League ist der weltgrösste jährlich wiederkehrende Sportevent.

Das tönt ganz danach, dass die Vermarktung ein Selbstläufer ist.
Das auf keinen Fall, aber die Marke Champions League liess sich selbst in Zeiten von Banken-, Finanz- und Staatskrisen gut verkaufen.

Weil der Fussball eine Ablenkung in Krisenzeiten bietet?
Ob das in der Vermarktung hilfreich ist, weiss ich nicht. Aber auf jeden Fall lässt Fussball während 90 oder 120 Minuten den Alltag vergessen – nicht nur im Stadion, auch am TV-Gerät. Das zeigt sich an der steigenden Reichweite und den hohen Marktanteilen der Champions League.

Viele Vereine – gerade auch aus Krisenstaaten wie Spanien – sind hoch verschuldet. Bereitet Ihnen dies keine Bauchschmerzen?
Es bereitet sicher den Verbänden Bauchschmerzen. Aber machen wir uns nichts vor: Der Sport – und damit schliesse ich nebst dem Fussball beispielsweise auch das Geschäft mit der Formel 1 ein – spiegelt das richtige Leben wider. Wir haben es mit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft zu tun. Die grossen Clubs und Teams stehen gut da – sie können sich dank weltweiter Basis immer refinanzieren. Und wenn diese Bäche nicht versiegen, werden auch weiterhin horrende Summen beispielsweise für Transfergeschäfte bezahlt.

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Diese Zwei-Klassen-Gesellschaft kennen wir doch auch in der Schweiz.
Ja, aber auch einem FC Basel werden jedes Jahr die besten Spieler weggekauft – das Ausland verfügt über die entsprechenden Mittel. Gemessen an den Budgets der Schweizer Vereine sind rund 20 Millionen Euro, die im Fall der Champions-League-Qualifikation Tatsache überwiesen werden, natürlich ein finanzieller Zustupf, der einem Verein entsprechende Vorteile verschafft. Zumindest auf dem Papier.

Der Basler Bernhard Burgener ist Firmenchef und Präsident von Highlight Communications mit Sitz in Pratteln (BL). Die 100-prozentige Tochtergesellschaft Team Marketing AG in Luzern vermarktet die Uefa-Fussball-Wettbewerb Champions League, Europa League und Super Cup.