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«Fussball ist Show»

Marcel Koller: «Nicht jeder Super-League-Spieler hat ausgesorgt.»  Keystone

Marcel Koller ist Trainer der österreichischen Nationalmannschaft. Im Interview spricht er vor der Fussball-WM über hohe Spielergehälter, den FC Basel und warum er nicht Schweizer Nati-Trainer wurde.

Von Jorgos Brouzos und Bernhard Fischer
am 27.05.2014

Müssen Sie eigentlich noch arbeiten? Viele gehen davon aus, dass ein gestandener Fussballprofi ausgesorgt hat.
Marcel Koller: Das stimmt nicht. In der Schweiz werden keine Löhne bezahlt wie in den gros­sen europäischen Fussballligen. Nicht jeder Super-League-Spieler hat ausgesorgt, wenn er mit 35 seine Karriere beendet.

Wo bleibt da die Leidenschaft?
Für mich ist Fussball pure Leidenschaft. Es ist mein Leben. Ich stehe gerne auf dem Platz. Als Nationaltrainer zwar weniger oft, dafür hat die Trainerarbeit einen besonderen Reiz. Die Vorbereitung spielt eine grössere Rolle.

In der Schweiz wurde eine heftige Debatte zu Mindestlöhnen geführt. Wie verfolgen Sie das? Immerhin verdienen die Spieler zum Teil exorbitante Summen.
Fussball ist Show. Und es herrscht Angebot und Nachfrage. Viel hängt davon ab, wie gross die Industrie hinter dem Sport ist. Wenn man sich Spieler wie Ronaldo oder Messi anschaut, dann sind das absolute Top-Spieler. Und die Vereine kämpfen um sie. Ob das gerecht ist, was ein Spieler verdient, ist eine andere Frage. Keiner wird etwas dagegen haben, wenn ein sehr guter Spieler viel verdient. Die Managergagen sind auch immer im Fokus der Diskussionen und für manche viel zu hoch.

Ist die Dominanz des FC Basel für den Schweizer Fussball eine Gefahr?
Basel hat ein tolles Stadion und viele Fans. Die Stadt ist fussballbegeistert. Das war schon immer so. Die Erfolge verhelfen dem Verein auch in eine bessere Position. Er kann bessere Spieler holen und hat beim Scouting neuer Spieler bessere Möglichkeiten. Zudem hat er wenige Wechsel an der Spitze. Das sorgt für die nötige Ruhe in der Mannschaft. Doch auch Young Boys hat Möglichkeiten, GC war auch lange dabei und der FC Zürich. Doch diese Vereine rangieren alle hinter Basel. In Österreich ist das mit Salzburg vergleichbar. Austria oder Rapid haben mehr Tradition, aber nicht das nötige Geld.

Sie wollten nicht Schweizer Nati-Trainer werden, das macht jetzt Vladimir Petkovic. Haben Sie einen guten Rat für ihn?
Nein, ich gebe keine guten Ratschläge aus der Ferne.

Sie hätten mehr Erfahrung gehabt und sind Schweizer. Warum wollten Sie sich nicht erweichen lassen?
Ich habe in Österreich zwei Jahre lang erzählt, dass es Zeit braucht, um etwas zu vermitteln, und dann gehe ich gleich wieder. Da würde ich mich selbst belügen.

Das ganze Interview lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

 

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