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Galenica: Begehrlicher Blick nach Basel

Logistik-Zentrum von Galenica: Der Pillen-Grosshändler ist auch eine Pharmafirma.   Keystone

Galenica Dealmaker Etienne Jornod hält Ausschau nach Übernahmezielen – und könnte Gefallen an Basilea finden. Denn die Basler haben neue Zugpferde am Start.

Von Laurina Waltersperger
am 07.10.2015

Der frühere Drogist Etienne Jornod ist seit 40 Jahren der starke Mann bei Galenica. Ihr heutiger Präsident hat das Unternehmen zur mit Abstand grössten Apothekenkette gemacht und ein florierendes Pharmageschäft aufgebaut. Doch er will mehr. Jornod will aus Galenica zwei selbstständige Firmen machen. Hier das Grosshandels- und Apothekengeschäft Galenica Santé, dort das Pharmabusiness von Vifor.

Jetzt hat Jornod nochmals einen Gang nach oben geschaltet. Vor wenigen Tagen hat er die amerikanische Investmentbank Centerview ins Boot geholt. Sie soll eine passende Akquisition für Vifor finden. Ein Zukauf ist in den Augen Jornods nötig, um den Unternehmensteil für den Alleingang nachhaltig aufzustellen. Als mögliches Übernahmeziel rückt für viele Marktkenner die Schweizer Basilea in den Fokus.

Zwei wichtige Präparate

Die Basler haben das Antibiotikum Zevtera auf dem Markt. In den USA haben sie Cresemba gegen Pilzinfektionen am Start, in Europa ist die Zulassung hängig. Beide Präparate kommen vor allem bei Spitalpatienten zum Einsatz, die nach Transplantationseingriffen oft an Infektionen erkranken.

Wegen des hohen medizinischen Bedarfs bei Pilzinfektionen wird Cresemba als neues Basilea-Zugpferd gehandelt. Die Rede ist von Umsätzen bis zu 200 Millionen Franken, alleine im Transplantationsbereich. In den USA vertreibt Partner Astella das Mittel, in Europa fehlt Basilea ein starker Vertriebspartner.

Das könnte Jornod respektive Vifor ­bieten. Zwar sagt Basilea, es sei eine Vertriebspartnerschaft mit dem Pharma-Dienstleister Quintiles angedacht. Der Nischenplayer verfügt aber nicht über eine Kraft wie Galenica. Die Firma hat über die Jahre ein ­Dis­tributionsnetzwerk in den Spitälern aufgebaut. Das Eisenpräparat Ferinject, Hauptumsatztreiber bei Vifor, wird heute bei ­verschiedenen Krankheiten, wie etwa bei Patienten mit Nierenleiden, im Spital breit eingesetzt.

«Kostengünstig und hochmargig vertreiben»

«Vifor könnte Cresemba nach der Zulassung in Europa über ihr bestehendes Distributionsnetz kostengünstig und damit hochmargig vertreiben», sagt ein Analyst, der ungenannt bleiben möchte. Ginge Basilea in Vifor auf, seien beträcht­liche Umsatzsteigerungen möglich, schreiben die Experten bei Kepler Chevreux.

«Um Vifor voranzutreiben, ist es sinnvoll, Umsätze aus neuen Medikamenten reinzuholen», sagt auch Helvea-Analyst Olav Zilian. Das habe strategisch Priorität. Vifor müsse entsprechend Wirkstoffe zukaufen, die entweder nah an der Zulassung oder in der frühen Markteinführung seien. Das trifft auf Cresemba zu.

Martin Ebner geht voll ins Risiko

Das Basler Unternehmen, merken verschiedene Branchenkenner an, könnte Jornod zudem auch auf andere Weise nützlich sein: Als IPO-Hülle, um die abgespaltene Vifor möglichst einfach an die Börse zu bringen. Galenica wollte sich nicht dazu äussern.

Voll auf einen zeitnahen Alleingang von Vifor setzt Martin Ebner. Über seine Investmentfirma Patinex hat er seit vergangenem Dezember seinen Anteil von gut 4 auf 16,4 Prozent erhöht und hat sich zum zweitgrössten Aktionär von Galenica aufgeschwungen. Sein Paket ist aktuell 1,3 Millarden Franken Wert.

Stimmrechtsbeteiligung auf 5 Prozent beschränkt

Ebner macht kein Geheimnis daraus, dass sein Engagement der langfristigen Bedeutung des Vifor-Pharmateils gelte. Und er hofft, nach der baldigen Abspaltung mehr Mitspracherecht zu bekommen. Aktuell ist die Stimmrechtsbeteiligung der Galenica-Aktionäre auf 5 Prozent beschränkt. Nur wer als strategischer Partner auf Gutheissen des Verwaltungsrats an Bord gelangt, hat mehr zu sagen.

Aktuell trifft das nur auf Stefano Pessina und die Private-Equity-Gesellschaft KKR zu. Multimilliardär Pessina, Architekt des globalen Apothekengiganten Walgreens Boots Alliance, und KKR halten gemeinsam eine 25,5-Prozent-Beteiligung. Doch wie Galenica mitteilt, dürfte es bei Vifor Pharma nach dem IPO keine Stimmrechtsbeschränkung mehr geben.

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