Die Logistikdivision der im Gesundheitsmarkt tätigen Schweizer Galenica-Gruppe hat 2009 einen Nettoumsatz von gut 1,44 Mrd Euro, 1,4% mehr als im Vorjahr, erwirtschaftet. Während ihr Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2008 durch den Verkauf einer Liegenschaft noch mit 12,1 Mio Euro zu Buche schlug, sank er im Folgejahr auf 7,41 Mio Euro. Unter Ausklammerung dieser Transaktion belief sich der Rückgang auf 5,4%.

Modernes Lager

Galenica ist ein diversifizierter Konzern, der unter anderem Pharmazeutika entwickelt, produziert und vertreibt, Apotheken führt, Logistikdienstleistungen und Datenbanken anbietet sowie Netzwerke etabliert. Er besteht aus den drei Geschäftsbereichen Vifor Pharma, Logistics und Retail. Das Gros seines Ertrags wird im internationalen Umfeld generiert.

Den Logistiksektor bilden die Firmen Alloga, Galexis, Globopharm, GPharma und Unione Farmaceutica Distribuzione. Flaggschiff der Galexis, des leistungsstärksten Mitglieds, ist ihr Ende 2008 in Vollbetrieb gegangenes Distributionszentrum Niederbipp im Kanton Bern. Die für 60 MioEuro errichtete Anlage zählt zu den technisch modernsten ihrer Art in Europa. Für die Planung, Umsetzung, Förder-, Kommissioniertechnik und EDV zeichnete SSI Schäfer, der österreichische Komplettanbieter von Lager und Logistiksystemen, verantwortlich. Seine Schweizer Niederlassung und die deutsche Zentrale lieferten die Lagereinrichtung beziehungsweise Behälter. Der Automatisierungsgrad des Terminals liegt bei 70%.

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Anstrengungen, dessen Betrieb zu stabilisieren und zu optimieren, seien erfolgreich verlaufen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe man bis Mitte 2009 eine Verfügbarkeit von gut 98% erreicht, «was im europäischen Vergleich höchste Qualität bezeugt», so Jean-Claude Clémençon, CEO der Galexis, die ein weiteres Verteilzentrum in Lausanne-Ecublens betreibt.

In seiner Rolle als Chef der gesamten Galenica-Logistiksparte beklagt er zwei negative Einwirkungen auf den Schweizer Gesundheitsmarkt: Die Wirtschaftskrise und den politischen Druck. Letzterer mache sich speziell bei den mittelständischen Pharmafirmen und diversen Leistungserbringern bemerkbar. Diese Gemengelage fordere der Distribution hohe Flexibilität ab.

65 000 Pharmaprodukte

Galexis operiert im Spannungsfeld steigender Stückzahlen im Absatzmarkt, kurzer Reaktionszeiten und Lieferfristen, hoher Verfügbarkeit, neuer Produktgruppen für existierende Märkte, zusätzlicher Kundensegmente sowie wachsender Sortimentstiefe und -breite. Clémençon präzisiert: «Sobald ein Patent ausläuft, drängen zehn Generika in den Markt.» Galexis Zentrum Niederbipp versorgt in der Deutschschweiz Apotheken, Arztpraxen, Drogerien, Spitäler und Heime mit 65 000 verschiedenen Pharmaprodukten von 1100 Lieferanten. Sein täglicher Wareneingang repräsentiert einen Wert von 3 bis 5 Mio Euro, im selben Takt werden im Schnitt fast 350 000 Packungen ausgeliefert.

Schon Anfang 2009 waren 250 Apotheken in Galenica-Besitz. Laut Clémençon «müssen wir noch stärker ins Detailgeschäft einsteigen, weil immer mehr Apotheken weggekauft werden». Das sei umso wichtiger, als der Pharmamarkt mit Blick auf die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung infolge gesünderer Ernährung und mediznischer Innovationen prosperiere.