Es ist in erster Linie ein Reputationsschaden, den Liechtenstein und seine Banken durch die Steueraffäre erfahren. «Doch die ganz grossen Wellen sind hinter uns», sagt Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein gegenüber der «Handelszeitung». Momentan bestehe allerdings noch eine gewisse Unsicherheit unter den Kunden.

«Solange diese Unsicherheit besteht, gibt es weniger Zuflüsse an Kundengeldern», erklärt das Staatsoberhaupt von Liechtenstein. Dagegen sei es kaum zu Geldabflüssen von ausländischen Kunden bei den liechtensteinischen Banken gekommen. Aus der Sicht des Erbprinzen ist ein verstärkter Abfluss von europäischen Geldern nach Asien wahrscheinlich. «Das Problem ist, dass es den Kunden oft schwer zu erklären ist, dass ein Bankgeheimnis auch dann noch funktionieren kann, wenn es einen Informationsaustausch in Steuersachen gibt.» Die Kunden würden nicht glauben, dass die Verwaltungsorgane ihrer Staaten die Informationen vertraulich behandeln.

Wenn es aber gelinge, in Europa auch bei einem verstärkten Informationsaustausch in Steuersachen das Bankgeheimnis noch attraktiv und funktionsfähig zu halten, dann sollte sich die Schwächung der europäischen Finanzplätze in Grenzen halten.

Sonst wird Asien gestärkt

«Wenn nicht, dann trifft dies nicht nur die Finanzplätze mit Bankgeheimnis, sondern Europa generell», erklärt er. Denn nach Asien verlagerte Vermögen würden tendenziell weniger in Europa investieren als solche, die in europäischen Finanzplätzen verwaltet werden.

«Daher sollte es eigentlich im Interesse der europäischen Hochsteuerländer sein, das Bankgeheimnis in Europa zu bewahren und für alle Seiten vernünftige Lösungen mit jenen Finanzplätzen in Europa zu suchen, die ein Bankgeheimnis kennen». Scheitere dieser Dialog, werde Asien gestärkt aus der Steueraffäre hervorgehen.

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