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Garantie auf Apple-Gadgets: Einige Händler lenken ein

Erst an den Pranger gestellt, dann eingelenkt: Auch Mobilezone gewährt 2 Jahre Garantie. (Bild: Keystone)

Der Garantie-Knatsch provoziert bei Händlern zweierlei Reaktionen: Entweder sie ducken sich wie Digitec oder reagieren prompt auf Kritik wie Mobilezone. Auch der Wirtschaftsverband Swico schaltet sich

Von Christian Bütikofer
am 14.01.2013

Die Verwirrung um die seit dem 1. Januar 2013 in der Schweiz geltenden 2-Jahres-Garantiefrist - umgangssprachlich auch «Garantie» genannt -, zieht weitere Kreise. Diverse Händler, welche die Stiftung für Konsumentenschutz an den Pranger stellte, ändern ihr Garantie-Gebahren.

Erstaunen über Vorgehen

So lenkte etwa auch Mobilezone ein, ist aber über die Offene-Brief-Methode von der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen nicht eben erbaut.

Gegenüber «Handelszeitung Online» sagte ein Pressesprecher: «Wir haben den Offenen Brief der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, da wir davor nicht kontaktiert wurden, um unsere Position zu erläutern. Per 1. Januar 2013 haben wir stillschweigend die Gewährleistung beziehungsweise die Garantie auf alle Handys, Smartphones und Tablets auf zwei Jahre ausgedehnt. Diese neue Regelung gilt auch für iPhones und iPads von Apple.»

Die ebenfalls kritisierte Heiniger Unternehmensberatung AG (www.heinigerag.ch) hat sich mit der Stiftung für Konsumentenschutz in Verbindung gesetzt und inzwischen eine Lösung gefunden. Die AGB würden heute, 15. Januar, entsprechend angepasst, liess die Firma «Handelszeitung Online» wissen.

Migros zu Digitec: «Keine Stellungnahme»

Digitec reagierte auf eine Frühmorgens von «Handelszeitung Online» gestellte schriftliche Anfrage auch bis am Abend nicht. 

Die mit einem namhaften Aktienpaket bei der Firma beteiligte Migros wollte zur Garantie-Politik von Digitec keine Stellung nehmen, da sie das Geschäft autonom betreibe. Pressesprecher Urs Peter Naef verwies darauf, dass Migros seit über 10 jahren eine 2-Jahres-Garantie gewähre.

Auch die zu Coop gehörende Microspot bestätigte, auf Neugeräte mindestens 24 Monate Garantie zu leisten, unabhängig der Marken.

Wirtschaftsverband schaltet sich ein

Die Garantie-Kontroverse beschäftigt auch den Wirtschaftsverband Swico, der mehr als 400 Anbieter aus der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) in sich vereint. In einer Pressemitteilung schreibt deren Geschäftsführer Jean-Marc Hensch, dass er zwar die Berichterstattung in zahlreichen Medien begrüsse, dies jedoch zu einer grossen Unsicherheit geführt habe, weil die Rechtsbegriffe falsch verwendet oder gar verwechselt würden.

Hensch schrieb «Handelszeitung Online»: «Die Gewährleistung bürgt für die Produkteeigenschaften zum Zeitpunkt des Kaufs, nicht die volle Funktionsfähigkeit während einer nachfolgenden Zeitperiode. Einzelne Medien haben sich auf der Basis von Gutachten auf den Standpunkt gestellt, ein Produkt könne gar nicht mängelfrei sein, wenn es in den ersten zwei Jahren defekt werde. Darüber kann man im Einzelfall je nach Produkt durchaus diskutieren, aber als generelle Regel stimmt es sicher nicht.»

Professoren mit anderer Meinung

Genau hier liegt die Krux: Rechtsprofessoren wie Frédéric Kraushaar von der Universität Bern oder Hubert Stöckli von der Uni Fribourg widersprechen dieser Auffassung und erklärten im Kassensturz: «Gemäss Gesetz sind auch Mängel, die erst nach einem oder anderthalb Jahren auftreten, von der Gewährleistung gedeckt.»

Artikel 197 OR lautet: «1. Der Verkäufer haftet dem Käufer sowohl für die zugesicherten Eigenschaften als auch dafür, dass die Sache nicht körperliche oder rechtliche Mängel habe, die ihren Wert oder ihre Tauglichkeit zu dem vorausgesetzten Gebrauche aufheben oder erheblich mindern. 2. Er haftet auch dann, wenn er die Mängel nicht gekannt hat.» 

Artikel 210 OR, Absatz 9 lautet: «Die Klagen auf Gewährleistung wegen Mängel der Sache verjähren mit Ablauf von zwei Jahren nach deren Ablieferung an den Käufer, selbst wenn dieser die Mängel erst später entdeckt, es sei denn, dass der Verkäufer eine Haftung auf längere Zeit übernommen hat.»

Nirgends steht, dass dies für Mängel nach dem Kauf nicht gelten soll.

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