«Ein Verkauf von Gate Gourmet steht nicht zur Debatte», sagt eine zuverlässige Quelle von der Gate- Gourmet-Besitzerin Texas Pacific Group. Weder die amerikanische Investmentgesellschaft noch ihre Gläubiger bereuten die Investition in die ehemalige SAir-Group-Tochter. Doch: «Wir alle wollen eine saubere Restrukturierung.»
*Unmut bei Personal in Zürich*
Dass die Personalkosten weiter gesenkt werden müssen, hören die noch 22000 Angestellten nunmehr seit drei Jahren. Während die britischen Gate-Gourmet-Angestellten am Flughafen Heathrow gegen Entlassungen streikten, herrscht bei den 1200 Angestellten in der Schweiz grosser Unmut und Unsicherheit, wie Daniel Vischer von der Gewerkschaft VPOD sagt.
Der drohende Finanzkollaps des Konzerns mit Doppelsitz in Zürich und in den USA habe weniger mit den Personalkosten und dem Einbruch des Fluggeschäfts zu tun als mit der teuren Fremdfinanzierung beim Kauf des Unternehmens 2002. Bereits Ende 2004 wäre die Rückzahlung einer Kredittranche fällig geworden.
Die Gläubiger machen eine Einwilligung über die Kreditfristverlängerung vom Erfolg der Restrukturierungsverhandlungen in Grossbritannien ab - die dortige Ländergesellschaft schreibt seit Jahren Verluste. Der Texas-Pacific-Informant zeigt keine Kompromisswilligkeit bezüglich der Briten: «Bevor der Gate-Gourmet-Konzern zahlungsunfähig wird, schicken wir die englische Gate-Gourmet-Tochter separat in den Konkurs.» Die 30 anderen Ländergesellschaften könnten auch ohne die Briten wie bisher weiter operieren.
Diese Aussage passt allerdings nicht ganz zur Drohung, die Gate-Gourmet-CEO David Siegel in der Sonntagspresse geäussert hat. Sollte die Kundin Swiss ihren Vertrag mit Gate-Gourmet nach 2007 nicht verlängern, würde der zweite Hauptsitz von Zürich in die USA abgezügelt, sagte er.
*Gelassenheit bei Swiss*
Angesichts der Tatsache, dass Gate Gourmet ihre Abhängigkeit von Swiss deutlich reduziert hat, fragt sich, wie schlimm es um den Caterer stehen muss, wenn selbst ein kleiner Kunde ein solches Gewicht hat. Swiss bestreitet nur noch rund 4% des Umsatzes bei der Catering-Firma. Zu Zeiten von Swissair waren es 10%. Gate Gourmet erzielte 2004 einen Umsatz von 2,4 Mrd Fr.
Bei Swiss gibt man sich vorerst unbeeindruckt. «Wir werden nach Ablauf des Gate-Gourmet-Vertrags die verschiedenen Offerten studieren», sagt Swiss-Sprecherin Priska Spörri. Naheliegend wäre: Swiss könnte dann zur deutschen LSG-Sky wechseln, dem weltweit grössten Caterer und wie Swiss ebenfalls Tochter der Lufthansa.
*Festhalten am Sitz Zürich*
Allerdings scheint Gate Gourmet weniger an den operativen Aktivitäten in der Schweiz als am Sitz in Zürich interessiert zu sein. Gate-Gourmet-Pressechef John Bronson erklärt zwei Tage nach den Drohungen seines CEO: «Der Firmensitz von Gate Gourmet in Zürich ist nicht an die Luftküche in Zürich gebunden.» Es gebe valable Geschäftsgründe, wieso ein Konzern wie Gate Gourmet an Konzernfunktionen in der Schweiz festhalte. «Es gibt keinen Grund etwas daran zu ändern», so Bronson.
Die Ironie des absehbaren weiteren Abbaus beim Caterer: Die öffentliche Hand bezahlte in der Schweiz einst Milliarden an die Swiss, um auch die Arbeitsplätze bei den flugverwandten Betrieben zu sichern. Jetzt ist die Swiss auf dem besten Weg dazu, weitere Schweizer Angestellte von Gate Gourmet überflüssig zu machen.

Auch interessant