Es war eine peinliche Nachricht, die Gategroup vor einem Monat verkünden musste. In letzter Minute sagte der Bordverpflegungskonzern den geplanten Gang an die Schweizer Börse ab. Letzte Woche folgte Swissport mit einer ähnlichen Mitteilung: Der Flugzeugdienstleister verschob das angekündigte IPO.

Die ehemaligen Swissair-Töchter gaben unterschiedliche Gründe an, wieso sie nicht an die Börse gehen. Einer der Hauptgründe ist bei beiden Unternehmen jedoch der gleiche: die massiven Probleme ihres Mutterkonzerns HNA.

Der chinesische Mischkonzern hat riesige Schulden, viele Beobachter zweifeln, dass das Konglomerat eine Zukunft hat. Mit etwas Glück können sich Swissport und Gategroup aber aus HNAs Abwärtsstrudel lösen. Laut der Agentur Bloomberg interessiert sich nämlich der Singapurer Staatsfonds Temasek für Anteile an den beiden Schweizer Unternehmen.

Mehrere Gemeinsamkeiten

Mit Temasek würden Swissport und Gategroup einen wesentlich zuverlässigeren Besitzer erhalten, obwohl der Singapurer Staatsfonds auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten mit HNA hat. Beides sind asiatische Unternehmen, die ihr beträchtliches Kapital rund um den Globus investieren – Temasek kontrolliert Anteile im Wert von 320 Milliarden Dollar, HNA über 192 Milliarden Dollar. Sowohl bei Temasek als auch bei HNA hat der Staat viel mitzureden – Temasek ist offiziell in Staatsbesitz, bei HNA übt Chinas Regierung auf indirekte Wege viel Einfluss aus.

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Ho Ching: Die Frau des Premierministers von Singapur leitet die Temasek Holding.

Quelle: Suhaimi Abdullah/Getty Images
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Bei der Strategie enden die Gemeinsamkeiten. Temasek geht bei seinen Investitionen viel behutsamer vor als HNA. Während HNA in einer wilden Expansion weltweit Unternehmen aufgekauft hat, baute Temasek seine Beteiligungen über Jahre sorgfältig auf. Deshalb ist der Singapurer Fonds im Gegensatz zu HNA auch solide finanziert. Die Schulden betragen laut Bloomberg derzeit nur 15 Prozent des Kapitals – bei HNA übersteigen die Schulden seit Jahren die Eigenmittel.

Gategroup und Swissport sind für Temasek interessant, weil die Singapurer bereits Anteile eines Flugzeugdienstleisters besitzen – sie kontrollieren 40 Prozent an SATS aus Singapur. Gategroup und Swissport sind die führenden Unternehmen in ihren jeweiligen Sparten, Bordverpflegung und Bodenabfertigung. Temasek könnte das Geschäft der beiden Marktführer mit SATS kombinieren.

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Peter Voser: Der Aargauer sitzt im Verwaltungsrat von Temasek.

Quelle: VCG/Getty Images

Temasek hat bereits Erfahrung mit Investitionen in Schweizer Unternehmen. Bis vor kurzem gehörten dem Fonds ein Achtel am Duty-Free-Shop-Betreiber Dufry und ein Fünftel am Pharmakonzern Zuellig. Und mit dem Zuger Logistiker Kühne & Nagel hat Temasek kürzlich ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet.

Das Joint-Venture soll weltweit in Startups aus der Logistikbranche investieren. Nicht nur in seiner Bilanz hat Temasek einen Bezug zur Schweiz – in der Leitung des Staatsfonds redet ein Schweizer mit: Der ehemalige Shell-Chef Peter Voser ist einer von nur drei Ausländern im Verwaltungsrat des Milliardenunternehmens.