Welche Ebit-Marge haben Sie sich in drei Jahren als Ziel gesetzt?

Giulio Pampuro: Am Ende der drei Jahre wollen wir eine Marge von 12% ausweisen. Diesen Wert erreichen wir zwar schon heute, um aber auf diesem Niveau bleiben zu können, werden wir in den nächsten Jahren etwas leiden müssen.

Was verstehen Sie darunter?

Pampuro: Wir müssen investieren ? in die Forschung und Entwicklung, in den Verkauf und in die Distribution.

Was werden diese Investitionen kosten?

Pampuro: Dies ist noch nicht klar. Entscheidend ist, dass wir eine Richtungsänderung gemacht haben und nun wieder ein Wachstum anstreben. In den letzten Jahren haben wir die Zitrone ausgepresst und damit zunehmend bessere Resultate erwirtschaftet. Das Maximum ist damit aber erreicht. Nun sind Investitionen nötig in die Produkte und Regionen. Wie viel dies kosten wird, können wir noch nicht sagen. Erst müssen sämtliche 12000 Produkte aus unserem Angebot überprüft und wenn nötig aktualisiert werden.

Wann können Sie Ihre Ziele konkretisieren?

Pampuro: Im Herbst werden wir im Rahmen der Überprüfung des 3-Jahres-Plans die Ziele und auch die Massnahmen bekannt geben.

Für den Geschäftsbereich Computing Solutions (CS) halten Sie sich alle Optionen offen. Bisher hiess es, Sie wollen die Sparte verkaufen. Haben Sie die Meinung geändert?

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Pampuro: Nein, CS steht noch immer zum Verkauf. Wir haben aber keine Eile und werden den Bereich nicht mit Verlust verkaufen. Ich kann mir auch andere Lösungen, wie eine Kooperation oder einen Zusammenschluss mit einer anderen Firma, vorstellen.

Bei Automation Components (AC) dagegen werden Akquisitionen geprüft. In den letzten sechs Monaten hat sich diesbezüglich aber nichts getan.

Pampuro: Wir haben in dieser Zeit einiges im Hinblick auf Zukäufe getan. Unser Fokus galt der Analyse unseres Produkteportfolios, der Märkte und der Priorisierung der einzelnen Schritte. Bisher verlief dieser Prozess unkoordiniert, was dazu geführt hat, dass einzelne Akquisitionsmöglichkeiten für das zukünftige Wachstum nach einer eingehenden Prüfung nicht mehr weiterverfolgt wurden.

Sie wollen auch in den USA expandieren.

Pampuro: Ja, in diesem Markt müssen wir schlagkräftiger werden. Dazu ist eine Expansion nötig. Wegen der Schwäche der amerikanischen Wirtschaft könnten die Preise für Akquisitionen zurückgehen. Wir halten uns aber auch hier alle Möglichkeiten offen.

Weshalb ist der Aktienkurs von Gavazzi im letzten Jahr um über 30% eingebrochen?

Pampuro: Wir werden vom Markt aufgrund der geringen Liquidität und der Aktionärsstruktur abgestraft. Auch wenn wir zurzeit keine Kapitalmarkttransaktionen benötigen, wollen wir trotzdem an der Börse bleiben.

Wie stark spürt Gavazzi die Finanzkrise?

Pampuro: Im letzten Geschäftsjahr haben wir die Krise kaum gespürt. Ein Anstieg der Realwirtschaft war nach wie vor vorhanden. Mittlerweile sehen wir aber Zeichen einer Verlangsamung, bedingt durch die steigende Inflation und die Zin-sen. Gleichzeitig zeigt sich ein Vertrauensverlust der Konsumenten in die Wirtschaft, was ebenfalls bremsend wirkt. Ich bin daher nicht überzeugt, dass die Krise so schnell vorbei ist, und erwarte vielmehr weitere Überraschungen.

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Wie ist Gavazzi ins laufende Geschäftsjahr gestartet?

Pampuro: Die ersten zwei Monate, April und Mai, sind insgesamt erfreulich ausgefallen. Wir konnten bei steigenden Volumen die Margen stabil halten. Nachdem wir letztes Jahr wegen Währungseffekten 2,3 Mio Fr. verloren haben, erwarte ich dieses Jahr eine Stabilisierung.

Für 2008/2009 sind die Vorzeichen aber ungünstig: Sie sehen eine Verlangsamung und investieren gleichzeitig in das Wachstum.

Pampuro: Wir investieren in das langfristige Wachstum. Wenn es nur darum geht, den Gewinn zu maximieren, dann muss man so vorgehen, wie wir es in den letzten Jahren getan haben. Aber irgendwann ist die Cashcow gemolken. Dann sind Investitionen nötig.