Neben der Eishockey-Nationalmannschaft steht die Nachwuchsförderung für Philippe Gaydoul zu oberst auf der Traktandenliste: «Das Thema ist mir langfristig besonders wichtig. Stichwort Academy: Diesen Arbeitstitel möchte ich nun wirklich mit Inhalt füllen. Die Academy gehört für mich zum Bestreben, neue Produkte zu schaffen.» Auch um Sponsoren zu gewinnen. «Dafür bekommt man Geld. Da bin ich absolut sicher. Nachwuchsförderung interessiert alle», sagt der neue VR-Präsident von Swiss Ice Hockey.

Gaydoul will die jungen Talente aber nicht nur bei den Spielern begleiten: «Sondern auch bei den Schiedsrichtern. Ebenso bei den Trainern. In der National League A und National League B gibt es nur zwei Schweizer Head Coaches, ziemlich dramatisch.» Ein weiterer Aspekt seien die Manager von Eishockeyteams. «Auch denen müssen wir eine Ausbildung bieten.»

Finanziell unabhängig werden

Auch wenn sich Gaydoul privat nicht als Mäzen beim Zürcher Fussballklub GC engagiert (siehe Kasten), ist er als Verbandspräsident froh, dass es in seinem Sport Gönner gibt: «Gott sei Dank haben wir im Eishockey Personen wie Walter Frey bei den ZSC Lions oder Geo Mantegazza beim HC Lugano, die sich das jedes Jahr etwas kosten lassen. Ohne sie ginge es kaum.»

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Selbst der Verband, dem er seit vier Monaten vorsteht, habe solche Geldgeber, so Gaydoul. «Ohne die Ligen und ihre Vereine hätten wir ein Problem. Wir sind auch heute noch auf sie angewiesen.» Diese Abhängigkeit will der VR-Präsident ändern: «Ich muss dafür sorgen, dass Swiss Ice Hockey mehr auf eigenen Füssen stehen kann. Damit wir unabhängiger werden und finanziell nicht mehr auf Externe angewiesen sind. Das ist mein hehres Hauptziel.»

Solche Aussagen sind für einen Verbandspräsidenten eher ungewohnt, doch für Gaydoul als Unternehmer mehr als nur Provoka-tion: «Als man mich für das Amt angefragt hat, wird man sich schon überlegt haben, was für Auswirkungen das haben könnte. Ich bin so, wie ich bin. Aber ich lerne auch gerne.» Sport sei nicht eins zu eins vergleichbar mit Wirtschaft. «Ich bin aber klar der Meinung, dass die beiden Themen nicht so weit auseinander liegen, wie das in der Sportwelt oft interpretiert wird.»

Kritiker werfen ihm vor, dass er nur polarisiere. Gaydoul kontert: «Wenn man etwas unternimmt, dann polarisiert man halt. Damit kann ich leben. Mir geht es um die Sache, nicht um mich. Ich bin zuversichtlich, dass ich etwas bewegen kann. Ich will aber selber ausloten, was machbar ist.» Seine Aufgabe sei es nicht, nur für die Meisterschaft oder die Nationalmannschaft zu denken, sondern für das Schweizer Eishockey als Ganzes.

Dazu wolle er alle möglichen Hebel drehen: «Etwa beim Produkt A-Nationalmannschaft, das derzeit zu wenig sexy ist. Als Präsident sage ich, was viele denken: Wir spielen immer gegen die gleichen Gegner. Jedes Jahr gibt es eine Weltmeisterschaft.» Das mache die Länderspiele nicht interessanter. Gaydoul ergänzt: «Wir müssen mit allen Mitteln versuchen, das Produkt attraktiver zu gestalten und so die Zuschauer wieder in die Stadien bringen. Vermehrt gegen die Grossen wie Kanada zu spielen, ist unsere Ambition.»

Der Präsident bestätigt, dass er bereits mit anderen nationalen Verbänden in Kontakt steht, um den Modus zu ändern, sodass man sich im Eishockey wie im Fussball für die WM qualifizieren muss. «Damit es nicht mehr jedes Jahr eine WM gibt? Ja. Doch das sind alles Dinge, die nicht erst aufgekommen sind, seit ich im Amt bin.» Die Attraktivität der Länderspiele zu steigern, ist das eine. Doch dass der Verbandspräsident dem Nationalcoach öffentlich vorgibt, die bestmögliche Mannschaft zu selektionieren, ist neu.

Krueger an der kurzen Leine?

«Nur weil ich mir mal erlaubt habe, meine Gedanken zu personellen Fragen zu äussern», sagt Gaydoul, «gerät die Sportwelt gleich aus den Fugen. Das erstaunt mich schon etwas.» Die Auswahl der Spieler bleibe primär die Sache des Trainers: «Jeder, der jetzt das Gefühl hat, Ralph Krueger muss bei mir antraben und die Aufstellung visieren lassen, irrt gewaltig.»

Zudem sei das Verhältnis zwischen Krueger und ihm nicht strapaziert: «Das wurde in letzter Zeit hochgepuscht.» Der Verband hat laut Gaydoul wiederholt betont, «dass wir an Ralph Krueger für sein letztes Vertragsjahr festhalten und er unser uneingeschränktes Vertrauen geniesst». Das geforderte sportliche Ziel heisst nun mindestens Platz acht an den Winterspielen im Februar 2010 in Vancouver. Wird dies erreicht, ist die WM im Mai 2010 in Deutschland das letzte Turnier unter Krueger. «So ist es geplant», ergänzt Gaydoul, «wir haben aber auch das Szenario besprochen, falls das Ziel nicht erreicht wird.» Nicht deswegen, sondern generell will er die Nachfolge zügig regeln: «Wir informieren, egal wie viele Gerüchte umherschwirren, sobald wir einen unterschriebenen Vertrag haben.» Noch gilt Arno Del Curto, Trainer des HC Davos, als Kronfavorit.

Sein Engagement als Verbandspräsident sieht Gaydoul langfristig: «Sonst würde ich es nicht machen. Kurzfristiges ist nicht mein Ding.»