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Gaydoul stolpert auf dem Laufsteg

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Der erfolgsverwöhnte ehemalige Denner-Patron erzielt mit seinen Modemarken Navyboot, Fogal und Jet Set keinen Gewinn. Navyboot ist auf der Kippe, Fogal und Jet Set schreiben rot.

Von Gret Heer
am 28.07.2010

Zwei Insider aus der Verwandtschaft und der Unternehmensgruppe von Philippe Gaydoul erzählen: «Navyboot, Fogal und Jet Set laufen nicht gut.» Offenbar tut sich der Schweri-Enkel schwer mit den Luxus-Modelabels, die er in den letzten Jahren und Monaten zusammengekauft hat. Das Modebusiness ist eben viel unberechenbarer als die Nachfrage nach Erbsli oder Hörnli beim Discounter Denner.

«Das sind total falsche Informationen», nervt sich Gaydoul. «Die Umsätze sind sowohl bei Navyboot als auch bei Jet Set und Fogal im ersten halben Jahr deutlich im Plus.» Navyboot sei zweistellig gewachsen, nachdem letztes Jahr der Umsatz um 2% geschrumpft ist. Auch das Damenstrumpfgeschäft Fogal habe fast zweistellig zugelegt, und das Luxus-Sportlabel Jet Set liege deutlich über dem Vorjahr. Aber es ist ein Wachstum vorwiegend im roten Bereich. Denn schwarze Zahlen schreibt nur Navyboot - und das nur knapp. Das räumt Gaydoul ein. «Im ersten halben Jahr 2010 sind wir bei Navyboot breakeven.» Und bei Fogal und Jet Set erziele die Gaydoul Group «ein knapp negatives Ergebnis», bestätigt der erfolgsverwöhnte Ex-Denner-Chef. Genaue Zahlen will der 38-Jährige allerdings nicht nennen.

Keine Eile, kein Stress

Aber der Ziehsohn von Denner-Gründer Karl Schweri kann sich einen weiten Zeithorizont erlauben. Dank seinem reichen Immobilienschatz und dem Erlös aus dem Verkauf von Denner besitzt der Milliardär ein stabiles finanzielles Fundament - auch für hochfliegende Modepläne. «Ich habe mehr zu tun als vorher bei Denner. Aber das ist positiv. Ich habe überhaupt keinen Stress. Ich habe Businesspläne über fünf bis zehn Jahre.»

Ein Augenschein in Gaydouls Modeläden in Zürich untermauert die Aussagen der Insider. «Noch zweieinhalb Stunden müssen wir ausharren», meint eine Fogal-Verkäuferin zur Kollegin im Nebengeschäft angesichts der Leere im Laden. Bei Jet Set an der Zürcher Rämistrasse ist selbst in der Mittagspause ausser einem Verkäufer und einer Verkäuferin niemand anzutreffen. Zur gleichen Zeit reissen sich im kleinen Navyboot am Bellevue die Kundinnen um Aktionsschuhe, die mit 50% Rabatt verkauft werden. Nicht umsonst gilt Navyboot bei vielen Konsumenten als Ausverkaufsmarke. Doch das will Gaydoul ändern: «Wir sind heute bereits viel weniger aggressiv im Ausverkauf als vor Jahren.» Der neuste Navyboot-Shop wird allerdings nicht an einer weiteren Edelmeile, sondern im Alpenrhein Village Outlet Shopping in Landquart eröffnen. Also in einem Rabatt-Eldorado, wo Schnäppchenjäger auf der Pirsch sind.

Vor zwei Jahren hat Gaydoul Navyboot von Bruno Bencivenga gekauft, der die Premiummarke mit seinem Familienclan aufgebaut hatte. «Es braucht Zeit, um aus einem klassischen Familienunternehmen ein modernes internationales Unternehmen zu machen», sagt Gaydoul. Die Anzahl der Filialen sei auf dem Prüfstand. Er will künftig auch mit weniger Lieferanten zusammenarbeiten. Denn die Qualität des Schuhwerks hat immer wieder zu Beanstandungen geführt. Gaydoul führt deshalb ein «Reklamationsmanagement». «Es ist ein klarer Trend zu Verbesserungen festzustellen. Wir sind aber noch nicht dort, wo wir sein wollen.»

Ein neues Team soll es richten

Gaydouls neue Mannschaft soll dies richten. Seit dem 1. Juli hat Navyboot einen neuen Creative Director. Adrian Josef Margelist soll für eine klarere Handschrift sorgen. Noch immer ist Gaydoul aber auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer, da Hendrik Gottschlich auf Ende Jahr wie vorgesehen den Hut nimmt. Auch die Expansion im Ausland wird vorangetrieben. Acht Navyboot-Filialen werden bereits in Deutschland geführt. Nun steht Asien an. Seit dem 1. Juli hat Gaydoul einen Spezialisten dafür, der von Hugo Boss kommt. Dieser werde die Expansion nach Asien auch für das Luxuslabel Jet Set vorantreiben. Wo dort die neuen Filialen sein werden, ist noch offen. Gaydoul rechnet mit den ersten Eröffnungen in Asien im zweiten Halbjahr 2011.

Bei Fogal und Jet Set stehen ein neues Shopkonzept und eine neue Sortimentspolitik an. Seit dem 1. März hat Fogal mit Christine Blumör eine neue Geschäftsführerin. An der Qualität der Fogal-Strümpfe lässt Gaydoul keine Kritik zu. Dabei ist es kein Geheimnis, dass sich Frauen immer wieder mit lästigen Laufmaschen am Luxus-Strumpf ärgern müssen.

Bei Jet Set hofft Gaydoul noch dieses Jahr - allenfalls spätestens nächsten Frühling -, mit einem neuen Laden das neue Shopkonzept und die neue Strategie vorzustellen. «Alle drei Marken haben ihre Berechtigung und werden Erfolg haben. Wir arbeiten hart, aber ich schaue es als langfristiges Engagement an. Zuerst muss ich säen, und dann kann ich ernten.»

Glanz & Glamour

Wie gross seine Investitionen in die drei Modemarken sind, will Gaydoul nicht bekannt geben. Allein die Investition in die Werbe-ikone Michael Schuhmacher für Navyboot und Jet Set dürfte Gaydoul 1 Mio Fr. kosten. Unglücklich dabei ist nur, dass «Schumi» seit seinem Comeback im Formel-1-Zirkus keine Rennen mehr gewinnt. Dafür darf Gaydoul nun diese Woche mit dem ehemalige Ferrari-Superchampion ans Fotoshooting nach Südfrankreich.

Immerhin: Der Verkäuferlehrling, der einst in der tiefsten Provinz Denner-Regale auffüllte, hat schon allerhand erreicht. Vielleicht noch nicht den wirtschaftlichen Durchbruch mit seinen Modeläden. Aber sicherlich den Eintritt in die Welt von internationalem Glanz & Glamour.

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